Exklusiv

Große Gehaltstabelle: So zahlen Deutschlands Fintech-Startups

28. November 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Topmanager beim Frankfurter Fintech Creditshelf müsste man sein. Dann hätte man das Beste aus beiden Welten. Einmal das Flair der Startup-Szene. Und zugleich das Gehalt eines Bankvorstands. In Zahlen: 1,7 Mio. Euro betrug letztes Jahr die Gesamtvergütung der dreiköpfigen Creditshelf-Führung.* Nicht schlecht, oder?

Indes: Creditshelf ist dooferweise die Ausnahme. Das zeigt der erste „Fintech-Gehaltsniveau-Check“ von Finanz-Szene.de. Hierfür haben wir uns bei  allen deutschen Fintechs, die eine GuV veröffentlichen, den Personal-Aufwand im letzten testierten Jahr angeschaut und diesen durch die durchschnittliche Mitarbeiterzahl geteilt (wenn Sie davon dann noch 20% abziehen, haben Sie Pi mal Daumen das Gehalt pro Kopf).

Die Ergebnisse unserer Recherche:

  1. Erwartungsgemäß zahlen Fintechs signifikant schlechter als Banken.
  2. Einige aber zahlen sooo schlecht nicht.
  3. Die Unterschiede zwischen den Fintechs sind teils deutlich.

Fangen wir, bevor es an die Erläuterungen, Einschränkungen, Vermutungen und Fußnoten geht, erst einmal an mit dem eigentlichen Ranking an. Voilà:

  Personalaufwand Mitarbeiter Personalkosten je Mitarbeiter
Creditshelf 3,81 Mio. € 25 152.300 €
Billie 2,19 Mio. € 22 99.700 €
CRX Markets 3,53 Mio. € 39 90.500 €
Finleap* 5,42 Mio. € 63 86.100 €
Solarisbank 13,98 Mio. € 171 81.700 €
Deposit Solutions* 8,86 Mio. € 114 77.700 €
Finreach 2,05 Mio. € 27 75.800 €
Elinvar 3,74 Mio. € 50 74.900 €
Savedroid 1,15 Mio. € 17 67.600 €
Finanzcheck* 11,72 Mio. € 186 63.000 €
Billpay 6,58 Mio. € 109 60.300 €
Orderbird 6,56 Mio. € 110 59.600 €
Ratepay* 6,10 Mio. € 114 53.500 €
N26* 12,73 Mio. € 271 47.100 €
Kreditech 16,99 Mio. € 437 38.900 €
       
             105,4 Mio. € 1755 60.100 €

Quelle: Geschäftsberichte, * 2017er Daten

Hier nun, was es zu den Zahlen in der Tabelle zu sagen gibt:

  • Nochmal zur Klarstellung: In der Spalte rechts, das sind die auf den einzelnen Mitarbeiter runtergebrochenen Personalkosten. Denken Sie sich hiervon 1/5 weg, dann dürften Sie etwas beim durchschnittlichen Bruttogehalt sein …
  • … wobei noch eine kleine Ungenauigkeits-Quelle drin ist, nämlich die „durchschnittliche Zahl der Mitarbeiter“. Gerade bei rasch wachsenden Fintechs mit noch kleiner Belegschaft kann es bei diesem Wert zu Verzerrungen kommen (aber was sollen wir machen, außer mit den Zahlen zu rechnen, die uns zur Verfügung stehen?).
  • Wenn Sie sich fragen, was die Sternchen hinter manchen Firmennamen sollen: Von diesen Fintechs hatten wir nur die 2017er-Zahlen, noch nicht die 2018er-Zahlen.
  • Die Zahl ganz unten rechts, also die 60.100 Euro, das ist der Betrag, den ein durchschnittlicher Mitarbeiter ein durchschnittliches deutsches Fintech jährlich kostet. Zum Vergleich: Auf Basis der 2016er-Zahlen hatten wir die gleiche Übung mal für 30 der größten deutschen Banken gemacht. Da lag der Betrag bei 105.500 Euro.
  • Ein ganz wesentlicher Grund, dass die Personalkosten bei Fintechs deutlich niedriger sind als bei Banken, liegt in den für die Startup-Branche typischen Mitarbeiter-Beteiligungsprogrammen. Heißt: Statt in Geld werden Mitarbeiter partiell in (virtuellen) Anteilen vergütet. Klassischerweise würden das C-Level und vielleicht noch die Ebene drunter in solche Programme einbezogen, sagte uns dieser Tage der CFO eines namhaften Fintechs. Inzwischen seien aber viele Finanz-Startups dazu übergegangen, „nicht mehr nur die oberen 10% oder 20% der Belegschaft an der Firma zu beteiligen“. Denn: „Solche Programme sind einfach ein gutes Mittel zur Incentivierung und um eine Interessen-Identität zwischen Unternehmen und Mitarbeitern herzustellen.“ Und, klar: Die Strategie spart Cash.
  • Creditshelf als Gehaltskrösus-Fintech darzustellen, ist insofern nicht ganz fair, als fast die Hälfte des 3,8 Mio. Euro teuren Personal-Aufwands auf einen offenbar einmaligen „Retention Bonus“ für leitende Mitarbeiter entfiel. Wenn wir das Ranking in einem Jahr nochmal machen, dürften sich die Zahlen normalisiert haben.
  • Eine klare und logische Tendenz: Bei großen Fintechs wie N26 sind die Durchschnittsgehälter niedriger als bei Frühphasen-Startups wie dem Factoring-Fintech Billie. Das liegt schlicht daran, dass mit wachsender Belegschaft auch immer mehr einfache Business-Funktionen Einzug ins Unternehmen halten. Typisches Beispiel bei einem B2C-Fintech: der „Junior Performance Marketing“-Bursche, der keine 50.000 Euro verdient und auch keine 40.000 Euro, sondern eher so 32.000 Euro. Und das im Zweifel ohne Mitarbeiterbeteiligung.
  • Bei N26 würden wir vermuten, dass unter den durchschnittlich 271 Mitarbeitern (wie gesagt: Wir reden hier von 2017 …) auch etliche mäßig vergütete Call-Center-Kräfte waren. Kreditech wiederum beschäftigt vergleichsweise viele Mitarbeiter in Ländern, in denen das Lohnniveau deutlich niedriger als hierzulande – Indien etwa.
  • Dass die Gehälter bei Billie sooooo hoch sind, hat uns ehrlich gesagt dann doch überrascht. Eine mögliche Erklärung: Mehr oder weniger die komplette Gründercrew hatte vorher schon ein anderes Fintech hochgezogen, nämlich Zencap* (heute „Funding Circle Deutschland“). Denkbar, dass Frühphasen-Investoren sich bei solch senioren Teams leichter tun, auch schon in den Aufbauphase ordentliche Gehälter zu gewähren. Weil: Man weiß ja ungefähr, was man dafür bekommt. Einen ähnlichen Effekt halten wir auch beim Münchner „Supply Chain Finance“-Spezialisten CRX Markets für plausibel.
  • Interessant, dass (trotz der jeweils schon merklich größeren Belegschaft) auch bei Finleap und der Solarisbank die Personalkosten bei mehr als 80.000 Euro pro Mitarbeiter liegen. Auch hier dürfte eine gewisse Seniorität (man nehme nur mal den Solarisbank-Chef Folz, der allen Ernstes schon Mitte 50 ist …) den Ausschlag geben. Und womöglich auch: ein gewisses Selbstverständnis.

*In der ursprünglichen Fassung hatten wir geschrieben, die Fixvergütung des Creditshelf-Vorstands habe sich auf 900.000 Euro belaufen. Das war falsch. Das Fixum von 300.000 Euro bezog sich auf den gesamten Vorstand, nicht auf jeden einzelnen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen +++ Zudem hatten wir geschrieben, die Billie-Leute hätten zuvor Lendico gegründet. Ist quatsch. Lendico und Zencap waren zwar beider Rocket. Und beide Kreditmarktplätze. Aber Lendico war (anfangs) Retail. Zencap hingegen Mittelstand. Und vor allem: Lendico war nicht Zencap.

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