Fintech-Snippets

Hamburger Fintech-Blues. Und: Finconomy führt Ventures zusammen

17. Dezember 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Exklusiv: Fintech-Inkubator Finconomy macht aus vier Ventures zwei

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass der Berliner Company-Builder Finleap verkündete, seinen ursprünglichen Daseinszweck nicht weiter zu verfolgen. „Ich glaube nicht, dass wir noch viele Firmen gründen werden. Das, was gegründet werden kann, haben wir“, sagte CEO Ramin Niroumand damals – und hielt sich an seine Losung: Der seinerzeit kommunizierte Pivot ist mittlerweile vollzogen. Finleap baut nicht mehr, sondern beschränkt sich im wesentlichen auf die (aktive) Verwaltung seiner Beteiligungen.

Dazu passt die Geschichte eines anderen, freilich deutlich kleineren deutschen Fintech-Inkubators – nämlich Finconomy. Die Münchner hatten sich in den Gründerjahren der deutschen Fintech-Geschichte zum Ziel gesetzt, jedes Jahr ein neues Venture zu gründen. So ganz kamen sie diesem Anspruch zwar nicht nach. Aber fast: Der Alt-Firma Fundsaccess folgte der Open-Banking-Spezialist BANKSapi, danach wurden zwei weitere Fintechs namens WeAdvise und Finhome gegründet.

Schon Ende vergangenen Jahres schlug Finconomy dann allerdings den sozusagen entgegengesetzten Weg ein. Fundsaccess wurde mit Weadvise fusioniert, ein naheliegender Schritt, denn beide Startups arbeiten in artverwandten Bereichen (digitale Lösungen für Finanzberater bzw. Vermögensverwalter). Und nun: Werden, wie sich aus Registereinträgen ergibt, auch die beiden übrigen Ventures zusammengeführt. Oder genauer: Finhome wird auf BANKSapi verschmolzen. Auch das ein naheliegender Schritt, denn im weitesten Sinne werkeln beiden an Open-Finance-Lösungen.

Klar: Sexy sind solche Schritte nicht. Aber sie folgen einer gewissen industriellen Logik. Die Zeit des Bauens geht so langsam zu Ende, die Zeit des Konsolidierens, des Schaffens größerer Einheit hat begonnen. Zu genauen Erlöszahlen äußert sich Finconomy traditionell nicht. Der Umsatz von Fundsaccess (inklusive WeAdvise) dürfte im gehobenen einstelligen Millionenbereich liegen, der Umsatz von BANKSapi (inklusive Finhome) im unteren bis mittleren einstelligen Millionenbereich.


Hamburg setzt (kein Scherz) einen millionenschweren Fintech-Accelerator auf

Ähem, haben wir gerade gesagt, die Zeit des Bauens sei vorbei? War natürlich eine grobe Fehleinschätzung! Denn: 2022 wird das neue 2012!!! Glaubt jedenfalls die Stadt Hamburg. Und pumpt satte 9 Mio. Euro in den Launch eines neuen Fintech-Accelerators. In den örtlichen Medien übrigens war genau dieses Thema ein großes Thema diese Woche. Weil die Stadt die Geschäftsführung nämlich, wenn wir es richtig verstehen, auf dem kurzen Dienstweg einem Herren anvertraut hat, der zwar Accelerator-Erfahrung mitbringt – dessen Vita ansonsten allerdings sehr viel mehr SPD-Nähe als Fintech-Nähe aufweist (siehe diesen Mopo-Artikel via Focus.de).

Nun wollen wir uns nicht auf die Stadt Hamburg einschießen. Zumal: Für historische Zufälle kann so eine Stadt ja nichts. Aber: Dass von den einstmals vier Vorzeige-Fintechs der Elbmetropole (Kreditech, Deposit, Figo, Exporo) zwei berlinisiert wurden, eines pleiteging und das vierte arg zu kämpfen hat, passt zumindest mal ins Bild. Fintech in Hamburg, das ist viel Initiative und viel Round Table, gemessen an den vor 3-4 Jahren noch blendenden Aussichten aber auch ernüchternd wenig Ertrag.


Und weitere Fintech-Schnipsel aus dieser Woche

  • Das auf Vorfinanzierungen von „SaaS“-Firmen spezialisierte Hamburger Berliner Fintech Re:cap hat sein sehr respektables Funding in Höhe von 10 Mio. Euro hingelegt – und bekommt von seinen Investoren überdies eine Fremdkapital-Linie von 90 Mio. Euro, um nun das Finanzierungsgeschäft anzukurbeln. Finance Fwd
  • Und ein weiteres Berliner Fintech hat diese Woche 10 Mio. Euro gefundet, nämlich Othoz (von denen hatten wir, ehrlicherweise, noch nie was gehört hatten). Geschäftsterrain, nach eigenen Angaben: „KI-basierte“ Geldanlage. Die Zielgruppe? Unter anderem Familiy Offices

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