Hat Exporo die Kontrolle über seine Projekte verloren?

4. Dezember 2020

Von Christian Kirchner

Dieser Artikel wurde am 5. Dezember 2020 und am 14. März 2021 um weitere Stellungnahmen ergänzt; diese befinden sich am Ende des Artikels

Auf den ersten Blick ist die Melsunger Straße 1 in Frankfurt-Seckbach keine schlechte Adresse. U-Bahn, Auto oder Rad bringen die Bewohner in gut 20 Minuten in die Innenstadt, den täglichen Bedarf decken nahegelegene Supermärkte, in fußläufiger Entfernung sorgt ein Park für Erholung und frische Luft. Dumm nur: In die andere Richtung befindet sich – keine 50 Meter neben den beiden Neubauten auf dem Grundstück der Melsunger Straße 1 –  die Autobahn A661. Rund 100.000 Fahrzeuge rattern hier Tage für Tag vorbei, darunter zu Pendelzeiten alle neun Sekunden ein Lkw.

Womöglich ist das auch der Grund, warum sich die „Luxuswohnungen“, die hier laut älteren Immobilienanzeigen in zwei Neubauten mit den Nummer 1 und 1a entstanden sind, eher schleppend verkauft haben. Sieben von zwölf Klingeln in der Hausnummer 1a sind nicht beschriftet, die Außenanlagen noch nicht fertiggestellt, es hängen noch Plastikplanen an der Fassade. Der Acker zwischen den beiden Häusern und der Autobahn dient bisweilen als improvisierter Parkplatz. Kein schöner Anblick, zumal in älteren Projektbeschreibungen von einem „Außenanlagenkonzept mit viel Grün“ die Rede ist und schon Anfang 2019 von „bereits fertiggestellten Wohnimmobilien“.

Es sind freilich nicht nur die potenziellen Käufer, die sich von den „Luxuswohnungen“ ein bisschen mehr versprochen haben könnten. Sondern: Spätestens seit Montag, 30. November, dürften sich auch einige hundert Kleinanleger dafür interessieren, wie es denn nun weitergeht an der Melsunger Straße in Frankfurt-Seckbach. Denn: Über den bekannten Immobilien-Crowdfinanzierer Exporo haben besagte Anleger insgesamt rund 1,6 Mio. Euro in den Projektentwickler der beiden Neubauten investiert, die über Verkäufe zurück geführt werden sollten.

Spätestens am 30. November sollten die Schwarminvestoren eigentlich ausbezahlt werden. Das aber ist nicht passiert. Der Projektträger, eine Gesellschaft namens City 7b GmbH, war für Finanz-Szene.de in den vergangenen Tagen nicht zu erreichen. Anfragen per E-Mail blieben unbeantwortet, eine Nachricht auf einem Anrufbeantworter ebenfalls. Und Exporo? Räumt ein: „Auch wir sind mit dem Vertriebsverlauf nicht zufrieden. Wir halten die Anleger detailliert auf dem Laufenden und werden gemäß den vertraglich vereinbarten Bestimmungen vorgehen.“

Exporo. Das war vor nicht allzu langer Zeit einer der ganz großen Hoffnungsträger in Fintech-Deutschland. Mitte 2019 investieren renommierte Risikokapitalgeber wie e-Ventures, Partec oder Holtzbrinck Ventures 43 Mio. Euro in das Hamburger Startup; der Unternehmenswert kletterte auf angeblich um die 150 Mio. Euro. Kurz darauf dann der ultimative Coup: Exporo – zuvor bereits der klare Marktführer für schwarmfinanzierte Immobilienprojekte in Deutschland – akquiriert den Verfolger Zinsland. Der Marktanteil klettert auf angeblich 85%, das Selbstbild vom „Amazon für Immobilien“ klingt damals plötzlich gar nicht mehr so überdimensioniert, wie es immer schien.

Es folgen erste Rückschläge. Bei zwei zusammen rund 4 Mio. Euro schweren Exporo-Projekten in Marburg geht der Immobilien-Entwickler pleite, gut 800 Schwarmanleger müssen fürchten, dass sie ihren Einsatz nicht mehr wiedersehen (siehe unseren Bericht vom 15. November 2019). Auch bei anderen Projekten (siehe unser Bericht im Januar) kommt es zu Problemen: Projektträger halten die festgelegten Fristen für die Rückzahlung der investierten Mittel nicht ein, die Kleinanleger warten oft Monate auf ihr Geld.

Indes: Als Finanz-Szene.de im März das bislang letzte Mal über Exporo berichtet, da fühlt es sich immer noch nach einer – womöglich zufälligen – Häufung von Einzelfällen an. Nichts, was nicht auch bei klassisch finanzierten Immobilienprojekten vorkommt oder vorkommen kann. Und: Auf die Risiken bis hin zum Totalverlust weist Exporo grundsätzlich auch stets und gut sichtbar hin.

Inzwischen allerdings drängt sich der Eindruck auf, dass die Probleme eine neue Stufe erreicht haben. So zeigen neue Recherchen (bei denen Finanz-Szene.de mit der „Wirtschaftswoche“ kooperiert hat), dass inzwischen bei mindestens 16 laufenden Exporo-Projekten die eigentlich fällige Rückzahlung an die Schwarminvestoren aussteht. Kumuliertes Anlagevolumen: rund 30 Mio. Euro.

Bei rund der Hälfte dieser Projekte war der Geldfluss seit spätestens seit Ende Oktober fällig, bei anderen schon seit etlichen Monaten. Von der „Wirtschaftswoche“ und Finanz-Szene.de mit den Recherche-Ergebnissen konfrontiert, bestätigt Exporo diese Verzögerungen und teilt mit: „Bei Projekten, deren Rückzahlung sich verzögert, halten wir die jeweiligen Anleger in der Regel monatlich auf dem Laufenden und geben Informationen der jeweiligen Projektentwickler zum Projektverlauf und wo möglich auch zu Rückzahlungsterminen transparent an die Anleger weiter.“

Nicht nur bei den besagten 16 der rund 120 noch laufenden Projekte zeigen sich Schwierigkeiten. Hinzu kommen Projekte, bei denen Anleger zwar noch nicht ausgezahlt werden müssen, wo es aber nicht nach Plan läuft. Insgesamt hakt es bei mehr als 25% der Projekte in der einen oder anderen Form. Exporo teilt dazu mit: „Grundsätzlich gilt auch hierbei, dass Planabweichungen – sowohl vorzeitige Entwicklungen als auch Verzögerungen – ein normaler Bestandteil des Projektentwicklungsgeschäfts sind.“

Doch selbst das dürfte noch nicht alles sein. So gibt es bei Exporo noch eine zweite, öffentlich bislang kaum wahrgenommene Anlageklasse – nämlich die sogenannten Private Placements, die „qualifizierten Anlegern“ vorbehalten und als „nicht-öffentliche“ Angebote laxer reguliert sind. Hier – so lässt sich einer Broschüre auf der Internetseite entnehmen – waren per Mai dieses Jahres von seinerzeit noch laufenden 34 Projekten fünf im Verzug – und zwar mit durchschnittlich 168 Tagen, also gut fünfeinhalb Monaten. Von drei Projekten hieß es zum damaligen Zeitpunkt, eine Rückführung an die Anleger sei “ungewiss”. Der Bitte, aktualisierte Daten zu den Private Placements zur Verfügung zu stellen, kam Exporo in den vergangenen Tagen nicht nach. Stattdessen verwies das Fintech auf die Angaben aus dem Mai.

Was ist von all dem nun zu halten? Lässt sich angesichts der sich häufenden Probleme tatsächlich noch von „Abweichungen“ und „normalen“ Vorgängen sprechen, wie Exporo das tut? Geht es wirklich nur um eine Häufung von Einzelfällen, wie wir selber vor wenigen Monaten noch glaubten? Mittlerweile drängt sich ein anderer Verdacht auf: Leidet das Exporo-Modell womöglich unter einem strukturellen Problem, kann es sein, dass das gefeierte Fintech die Kontrolle über sein Wachstum verloren hat?

Exporo sieht das naturgemäß nicht so und verweist gegenüber Finanz-Szene.de auf die sogenannte „Leistungsbilanz“ auf der eigenen Webseite: Stand September 2020 wurden seit Gründung 153 Projekte bereits abgeschlossen und zurückgezahlt. In Bezug auf die per September laufenden Projekten ist von neun „verzögerten“ Rückzahlungen die Rede, wobei zwei dieser Fälle „kritisch“ seien. Bei den beiden „kritischen“ Fällen handelt es sich um die beiden Marburg-Projekte; die Diskrepanz zwischen den neun „Verzögerungen“ auf der Website und den von Finanz-Szene und „Wirtschaftswoche“ recherchierten zumindest 16 „Verzögerungen“ ergibt sich unserem Verständnis nach daraus, dass sich die Lage seit September merklich verschärft hat oder Exporo anders zählt. Eine aktuellere „Leistungsbilanz“ wollte uns Exporo nicht zur Verfügung stellen. Das Problem aus Sicht von Anlegern, wenn Projekte in Schieflage geraten: In der Regel gibt es weitere Fremdkapital-Geber in den Exporo-Projekten, die vorrangig bedient werden, wenn die Projekte komplett floppen.

Was im Exporo-Modell möglicherweise schiefläuft – darauf liefert das Projekt in Frankfurt-Seckbach exemplarische Hinweise:

  • Die Wohnimmobilien werden in einem Exposé von Frühjahr 2019 als „bereits fertiggestellt“ bezeichnet. Dabei gilt dies für die Außenanlagen – wie Finanz-Szene und „Wirtschaftswoche“ kürzlich bei einem Vor-Ort-Besuch feststellten – bis heute nicht.
  • Exporo verpasste dem Projekt (wie üblich) einen wohlklingenden Namen: „Am Huthpark.“ Tatsächlich liegt der Huthpark (anders als die benachbarte Autobahn) rund einen Kilometer entfernt. Exporo teilt dazu auf Anfrage mit: „Der Hinweis auf die nahegelegene A661 ist im Projektexposé enthalten. Wir haben auch die exakte Adresse angegeben. Das Objekt liegt in der Distanz zur A661 wie auch andere bekannte Wohnviertel von Bornheim und Preungesheim in Frankfurt“
  • Exporo stellt den Projektpartner in seinen Projektinformationen auf der Internetseite wie folgt vor: „Die City 7b GmbH ist ein erfahrener Projektentwickler mit Sitz in Frankfurt am Main“. Immobilien im Wert von bis zu 75 Mio. Euro habe der Projektträger entwickelt, auch deshalb habe Exporo dem Projekt die zweitbeste Exporo-Rating-Klasse „A“ verpasst. Indes: Weder auf der Internetseite der City 7b GmbH noch im Zuge weiterer Recherchen ließen sich weitere von der „City 7b GmbH“ projektierte Immobilien ermitteln. Im Projektexposé von Exporo sind zwei anonyme „Referenzprojekte“ der „City 7b GmbH“ abgebildet, Exporo nennt sie das „Referenzprojekt  A“ und das „Referenzprojekt B“, Volumen zusammen: 48 Mio. Euro. Das klingt imposant. Nähere Angaben, um welche Referenzen es sich genau handelt und wo die stehen, liefert das Exposé allerdings nicht. Eine Anfrage an die „City 7b GmbH“ mit der Bitte, Referenzobjekte zu nennen, blieb unbeantwortet. *) Auch Exporo baten wir um eine Angabe, um was für Projekte es sich denn bei den beiden im Exposé abgebildeten Bauten handele. Die Antwort: „Bei beiden Projekten handelt es sich um geplante Referenzprojekte von Projektgesellschaften derselben Unternehmensgruppe, zu der auch die City 7b GmbH gehört.“ Sprich: Bei den vermeintlichen Referenzen scheint sich es sich in Wirklichkeit um Projekte anderer Gesellschaften zu handeln, die sich überdies noch in der Planung befinden.
  • In den üblichen öffentlichen Registern, die Finanz-Szene.de für Recherchen nutzt, fanden sich keine näheren Angaben zur „City 7b GmbH“. Exporo selbst verweist in seinen Projektdokumenten auf den Geschäftsbericht 2017. Dieser schreibt der Gesellschaft zum damaligen Zeitpunkt ein „negatives Eigenkapital“ zu. Weiter schreibt uns Exporo: „Die City 7b GmbH gehört zu einer Unternehmensgruppe innerhalb derer mehrere erfolgreiche Projekte umgesetzt wurden. Für diese Projekte wurden wiederum eigene Projektgesellschaften unter der Muttergesellschaft gegründet. Aus diesem Grunde sprechen wir von einem ‚erfahrenen Projektentwickler‘.“
  • Wie oben schon angerissen, betrug die Mindestlaufzeit der Anlage Mai 2020 – der 30. November war lediglich die Deadline für die sogenannten „Maximallaufzeit“. Die Rückzahlung wurde mehrmals in Aussicht gestellt in den Updates, stand mehrmals quasi unmittelbar bevor. Bislang floss aber nichts. Auf Anfrage von Finanz-Szene.de teilt Exporo zum Projektstatus mit: „Auch wir sind mit dem Vertriebsverlauf nicht zufrieden. Wir halten die Anleger detailliert auf dem Laufenden und werden gemäß den vertraglich vereinbarten Bestimmungen vorgehen.“

Ist Frankfurt-Seckbach ein Einzelfall? Wohl kaum. Nehmen wir zum Beispiel das Renovierungsprojekt „Hotel am Wulmsberg“. Entstehen sollte ein – so war es jedenfalls gedacht – exklusives Etablissement im Süden Hamburgs, mit 100 individuell gestalteten Zimmern, 15 Appartements und einem unverbaubaren Blick auf die Elbe. Rund 2,5 Mio Euro stellten Schwarminvestoren über Exporo Anfang 2019 dem Bauherrn zur Verfügung. Dieser versprach „kreative Inspiration und Entschleunigung.“

Heute, bald zwei Jahre später, steht auf der Wulmsberg-Kuppe zwar ein Hotel. Aber kein renoviertes. Sondern ein verwaister alter Kasten, Name „Hamburg Blick“. Dunkles Holz, dreckiger Beton, der Charme der 60er-Jahre. Weder Bauarbeiter noch ein Kran sind zu sehen, ein rot-weißes Absperrband flattert im Wind. Die Anleger, die in das Projekt investiert haben, warten seit Monaten auf ihr Geld. Im Mai 2020 sollte der Bauherr die Anlegergelder spätestens zurückbezahlen. So war es vereinbart.

Nun haben Finanz-Szene.de und Wirtschaftswoche nicht jedes der 16 verzögerten Crowd-Projekte derart tief intensiv begutachtet wie das in Frankfurt-Seckbach oder das im Süden von Hamburg. Aus Basis unserer Recherchen lassen sich aber auch zu anderen Objekten Aussagen treffen:

  • Die Rückzahlungen für eine Mikroapartment-Anlage in Greifswald sind seit etwa zwölf Monaten (!) überfällig
  • Rückzahlungen für das Wohnhausprojekt „Am Hamburger Stadtpark“ und Immobilien mit Pflegeeinrichtungen in Duisburg („Wohnen am Volkspark“) waren schon vor Monaten fällig und sind es den Recherchen zufolge immer noch.
  • Beim Hamburger Wohnprojekt „Mitten im Schanzenviertel“ haben Crowdanleger beim Projektentwickler sogar den Kredit gekündigt. Auf Anfrage erklärt der Entwickler, er habe in der Sache einen Anwalt eingeschaltet
  • Zum Projekt „Pflege an der Klinik“ in Magdeburg teilte Exporo mit, das erworbene Grundstück sei nach einer Teilung nur noch rund halb so groß wie ursprünglich angegeben. Zu einer Wertminderung führe das aber nicht. Gegenüber Finanz-Szene.de erklärt Exporo den Vorgang mit einem Übertragungsfehler. Den Anlegern sei die Möglichkeit gegeben worden, ihre Verträge innerhalb von 14 Tagen zu widerrufen
  • Kürzlich teilte Exporo mit, dass der Entwickler des Projekts „Marlene NRW Portfolio“ mit Dutzenden Altbauwohnungen die Schwarmgelder nicht nur für das in den Verkaufsunterlagen gezeigte Objekt verwendet, sondern davon auch noch eine andere Immobilie gekauft habe. Eine Zweckentfremdung? Exporo schreibt uns zu dem Vorgang, die Gesamtrendite des Portfolios werde durch die andere Immobilie erhöht. Die Anleger seien informiert

Die gemeinsamen Recherchen von „Wirtschaftswoche“ und Finanz-Szene.de förderten indes noch weitere Merkwürdigkeiten zu Tage. So hat Exporo in mindestens einem Fall auch Gelder eingesammelt, um damit Darlehen abzulösen, bei denen Exporo selber der mittelfristige Darlehensgeber war. Das ist nicht verboten. Aber mutmaßlich nicht ohne Grund taucht genau dieses Szenario in der Rubrik „Interessenskonflikt“ des entsprechenden Memorandums zur Emission auf.

Der Projektentwickler, dem Exporo das Darlehen ursprünglich vermittelt hat über den Schwarm, trägt den Namen ConReal. Dieses Unternehmen hatte zeitweise erhebliche Probleme. Nach Angaben des Geschäftsführers waren mehrere ConReal-Projekte (darunter auch solche, die ohne Exporo finanziert wurden) ins Stocken geraten, nachdem ein Generalunternehmer seine Arbeit eingestellt hatte. Bei einem der Projekte handelte es sich um ein Altenheim im westfälischen Bönen. Das Objekt ging als „Neubauruine“ regelmäßig durch die Lokalpresse.

Bei einem tatsächlich über Exporo finanzierten und von ConReal projektierten Pflegeheim nebst zwei Gebäuden mit seniorengerechten Wohnungen in Köln-Pulheim kam es ebenfalls zu Problemen. Über die Exporo Plattform waren im September 2017 Nachrangdarlehen in Höhe von bis zu 575.000 Euro mit einer Verzinsung von 5,5% pro Jahr an interessierte Anleger vermittelt worden. Darlehensnehmerin war die ConReal Pulheim GmbH, Exporo spricht in den Beschreibungen von der „ConReal Estate Unternehmensgruppe“, die hier agiere. Zwischenzeitlich lag die Baustelle brach. Die erhofften Verkaufserlöse materialisierten sich nicht. Letztlich bekamen die Anleger aber doch ihr Geld zurück.

Warum?

Das lässt sich anhand von Jahresabschlüssen und sowie Exposés neuerer Emissionen nachvollziehen: Exporo entschied sich – auf Nachfrage heißt es: „nach eingehender Analyse des Projektes und der finanziellen Situation der Darlehensnehmerin und Ihrer Muttergesellschaft“ – höchstselbst einzuspringen. Und zwar mithilfe einer Tochtergesellschaft namens „Exporo 72 GmbH“. Diese stellte der ConReal ein Darlehen zur Verfügung, mit dem die fälligen Verbindlichkeiten (Nominal und Zinsen) an die Crowdanleger zurückgeführt werden konnten. Darauf packte man sogar noch weitere Darlehensbeträge in Höhe von insgesamt 400.000 Euro.

(kleine Randbemerkung: Während die Crowd-Projekte auf der Exporo-Plattform meist mit 4% bis 6% verzinsen, rief die Exporo-Tochter für ihr eigene Darlehen eine Verzinsung von 13% p.a. auf. Gegenüber Finanz-Szene.de und „Wirtschaftswoche“ wird dies mit „der damaligen Risikolage des Projektes und dem Aufwand bei Exporo“ begründet.)

Jedenfalls: Die Exporo-Tochter stand jetzt ab Ende 2018 selbst im Risiko. Trotz der Finanzspritze jedoch war die Muttergesellschaft ConReal Estate zeitweise insolvent. Im Herbst 2020 führte die Projektgesellschaft daraufhin „Gespräche mit Exporo über eine Umstrukturierung der Finanzierungsstruktur“, wie Exporo auf Nachfrage mitteilt.

Das Ergebnis der Gespräche?

Nachdem die Exporo-Tochter 2018 zunächst die ConReal gestützt hatte (was die Auszahlung der Kleinanleger ermöglichte), musste 2020 nun die Crowd wieder ran, wie aus der Stellungnahme von Exporo hervorgeht: „Da zwischenzeitlich das Pflegeheim bereits verkauft worden war, nur noch die Wohngebäude fertiggestellt werden mussten und die Ablösung einer Bankfinanzierung und dadurch die Bestellung einer erstrangigen Grundschuld möglich war, hat Exporo das Projekt erneut eingehend analysiert und schließlich eine Anschlussfinanzierung an die Darlehensnehmerin über die Exporo Plattform vermittelt. Da das Projekt nunmehr ein reines Wohnprojekt ist, heißt es ‚Wohnen im Narzissenweg‘.“

3,2 Mio. Euro sammelte die Exporo 72 GmbH für das Immobilienprojekt, das jetzt also „Wohnen am Narzissenweg“ heißt, ein – und zwar diesmal über „tokenbasierte Schuldverschreibungen“. Verzinsung? 5,5%.  Laufzeit: bis zum 31. Januar 2022. Verwendungszweck? Eine ebenfalls noch involvierte fremdkapitalgebende Bank auslösen. Und natürlich: die ursprüngliche (eigene …) Anschlussfinanzierung tilgen. Also die mit den 13%.

Exporo teilt dazu mit: „In allen Angebotsunterlagen wurde transparent darauf hingewiesen, dass es sich um eine Anschlussfinanzierung handelt. Ferner wurden die Kosten und Gebühren für Exporos Dienstleistungen dargestellt.“ Tatsächlich steht im Memorandum (wie gesagt: unter „Interessenkonflikte“): „Der Nettoemissionserlös aus den Schuldverschreibungen kann auch zur Ablösung einer Vorfinanzierung zum Erwerb der Darlehensforderung an die Exporo AG oder an Tochtergesellschaften der Exporo AG (…) fließen.“

Formal mag das okay sein. Aber ist es wirklich das, was Exporo-Gründer Simon Brunke (dem jüngst ein neuer Co-CEO zur Seite gestellt wurde) einst meinte, als er die Losung von der „Demokratisierung des Immobilienmarkts“ ausgab? Dass Exporo einer Projektgesellschaft einen mit 13% verzinsten Kredit gibt. Und dass dieser Kredit nun abgelöst werden soll aus Mitteln, die aus einem mit 5,5% verzinsten Schwarmkredit stammen, der vermittelt wird über die Exporo-Plattform?

Nachtrag vom 5. Dezember: Exporo hat folgende Stellungnahme auf seiner Internetseite veröffentlicht: Stellungnahme

Nachtrag vom 14. März 2021 (I): Laut einer eMail vom 12. März an seine Anleger teilt Exporo mit, das Projekt „Am Huthpark“ sei nunmehr zurück gezahlt

*) Nachtrag vom 14. März 2021 (II): Die City7 GmbH war während der Recherche für diesen Artikel weder telefonisch erreichbar, noch beantwortete sie einen per eMail die übermittelten Fragen. Am 10. Februar 2021 und somit zwei Monate nach der ursprünglichen Anfrage bat sie um veröffentlichung folgender Stellungnahme, welche wir im Sinne der redaktionellen Fairness ungeprüft widergeben:

  • Zur Lage der Melsunger Straße 1 zur A661: „Der an der Immobilie gelegene Autobahnabschnitt ist abgesenkt und vom Grundstück aus nicht zu sehen. Seit Jahren schützt eine Lärmschutzwand vor den Immissionen der A661. Die Autobahn ist von der Immobilie aus nicht wahrzunehmen.“  
  • Fertig gestellte Wohnimmobilien: „Der Artikel unterscheidet nicht zwischen Bezugsfertigkeit und Fertigstellung der Außenanlagen. Die Objekte waren bereits 2019 bezugsfertig. Entgegen der Behauptung im Artikel waren die Außenanlagen zum Zeitpunkt seines Erscheinens fertig gestellt. Etwaige Handwerker waren mit einem Gewährleistungsfall beschäftigt, nicht mit den bereits fertig gestellten Außenanlagen. Auf dem Grundstück der Melsunger Straße 1 werden keine Autos außerhalb der dafür vorgesehenen Flächen geparkt. Dies gilt jedoch nicht für das städtische Nachbargrundstück.“
  • Am Huthpark: „Die nicht zu beanstandende Namensgebung des Projektes ist kein Beleg dafür, was bei Finanzierer Exporo AG angeblich alles schief laufen soll. Es ist ein für ein Bauprojekt üblicher Name, der aufgrund der Lage zum Huthpark zutreffend ist.“
  • Vertriebsleistung: „Zum Zeitpunkt des Erscheinens des Artikels waren vierzehn von vierundzwanzig Wohnungen verkauft. Sechs weitere standen unmittelbar vor dem Verkauf. Mit den zwischenzeitlich erfolgtem Verkäufen sind genügend Einheiten veräußert worden, um die geschuldeten Mittel an die Exporo AG zurückzuführen.“
  • Corona Pandemie: „Der Artikel lässt die Auswirkungen der Corona-Pandemie unberücksichtigt. Bei Projektumsetzung lag eine weltweite Pandemie außerhalb der Vorstellung und wurde in der Planung nicht berücksichtigt. In diesem Zusammenhang ist auch die Aussage der Exporo AG zu verstehen, dass sie mit dem Vertriebsverlauf nicht zufrieden gewesen sei. Inzwischen ist aber die Hürde der für die Rückführung des Darlehens erforderlichen Verkäufe überwunden.“
  • Unterschied Projektgesellschaft und Projektentwickler: „Der Artikel unterscheidet nicht zwischen Projektgesellschaft und Projektträger, bzw. Projektentwickler. Die City 7B GmbH ist eine Projektgesellschaft. Für eine solche ist ein negatives Eigenkapital in der Anfangsphase eines Projektes charakteristisch und nicht Ausdruck einer finanziellen Schieflage. Die City 7B GmbH ist Tochter der DCI Holding GmbH, die auf eine Vielzahl von Referenzobjekten verweisen kann. Aufgrund ihre langjähriges Erfahrung ist das von der Exporo AG eingestufte A-Rating gerechtfertigt. Als Referenzobjekte seien exemplarisch die Projekte „Rebstockpark in Frankfurt“ mit 120 Wohneinheiten und „Hans-Dorr-Allee in Bischofsheim“ mit 48 Wohneinheiten genannt. Die Verkaufserlöse der Projekte der DCI Holding GmbH bewegen sich im zweistelligen Millionenbereich. Die Exporo AG spricht also zu Recht von einem erfahrenen Immobilienentwickler.“

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing