Exklusiv

Hier kommt die erste Übernahme im deutschen Neobroker-Markt

26. März 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Noch am Dienstag hatten wir gescherzt, dass man vor lauter neuen Fintech-Brokern allmählich den Überblick verliert. Und schwupps, schon ist er gemacht, der erste Schritt zur Konsolidierung. Konkret: Laut exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de übernimmt das zum Springer-Konzern gehörende Wirtschaftsportal „Finanzen.net“ den Münchner Anbieter „Gratisbroker“, wie uns ein Sprecher von „Finanzen.net“ am Abend bestätigte. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht, die Gründer des „Gratisbrokers“ sollen trotz Komplettakquisition an Bord bleiben.

Der Deal verweist auf einen spannenden Trend – nämlich dass die großen B2C-Finanzportale mehr und mehr dazu übergehen, ihre Communities mit eigenen digitalen Investmentangeboten zu bedienen. Bestes Beispiel: Die mutmaßlich Nummer zwei unter den hiesigen Neobrokern, nämlich der „Smartbroker“, gehört zur „Wallstreet Online AG“, einem Berliner Wirtschaftsinformationsdienst, der neben dem „Wallstreet Online“-Portal auch weitere Dienste wie beispielsweise Ariva betreibt. Die Übernahme des „Gratisbrokers“ deutet darauf hin, dass der Springer-Konzern mit „Finanzen.net“ nun zum Gegenschlag ausholen will.

Schon jetzt betreibt „Finanzen.net“ einen eigenen Robo Advisor, er heißt „Oskar“ und basiert auf der Whitelabel-Lösung des Münchner Robo-Marktführers Scalable Capital (siehe auch hier). Und: Auch im Brokerage-Bereich hat die Springer-Tochter bereits eine eigene Lösung am Start, nämlich den „Finanzen.net Broker“. Dahinter wiederum steht die Technologie der – nach unserem Eindruck so ein bisschen vor sich hinsiechenden – Commerzbank-Tochter Onvista beruht.

Was Springer mit dem Gratisbroker vorhaben könnte

Marktkenner halten es für denkbar, dass Springer mit dem „Gratisbroker“ eine alternative Plattform zum „Finanzen.net Broker“ aufbauen will.  Auf sich ließen sich dann die Kunden des Alt-Brokers auf den Neu-Broker übertragen. Oder: Man fährt eine Zwei-Marken-Strategie, wie dies der Frankfurter Online-Broker Flatex neuerdings mit der „Flatex Next App“. Freilich: Was auch immer die Strategie ist, vermutlich würde es Sinn machen, erst einmal eine App-Version des bislang auf den Desktop beschränkten „Gratisbrokers“ zu entwickeln. Entsprechende Pläne dürften existieren, heißt es im Markt.

Was in diesem Kontext nun interessant ist (und wer weiß, vielleich ist es sogar in exakt diesem Kontext zu sehen): Ende Januar hatte der Springer-Konzern überraschend angekündigt, die „Finanzen.net“-Gruppe stelle „das Management neu auf“. Neuer CEO wird der langjährige Springer-Manager Maximilian von Richthofen. Spannender indes: Was wird aus den bisherigen Geschäftsführern Jens Ohr und Peter Schille? Wenn wir hierzu nun die Pressemitteilung zitieren dürfen:

„Die beiden Gründer Jens Ohr (42) und Peter Schille (42) scheiden zum 31.März2021 aus der Gruppengeschäftsführung aus. Sie bleiben aber der Gruppe,auch als Gesellschafter,weiter langfristig verbunden. Nach diversen erfolgreichen Gründungen in der Vergangenheit (neben finanzen.net, u.a. Oskar und Smarthouse) wollen sie sich nun verstärkt um den Aufbau neuer Geschäftsfelder innerhalb von finanzen.net kümmern und dabei auf ihr Wissen und ihre Erfahrung als Mehrfachgründer zurückgreifen.“

Sollen Ohr und Schille jetzt Springers Großangriff im deutschen Brokermarkt orchestrieren? Wissen tun wir’s nicht. Aber spekulieren darf man ja.

Neobroker-Boom: Wie stark sind die Rivalen von Trade Republic?

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