Exklusiv

Immo-Crowdfinanzierer Exporo kommt nicht zur Ruhe

31. März 2020

Von Christian Kirchner

Die Vollprofis unter den Immobilien-Crowd-Anlegern staunten am 11. März nicht schlecht: Bereits ab 100 Euro offerierte der Hamburger Marktführer Exporo per Rundmail eine Beteiligung am Projekt „Pflege am Rhein„, einem Neubau mit 20 Wohneinheiten im Duisburger Stadtteil Alt-Homberg. Gegenstand der Anlage ist ein Darlehensforderungsabkauf. So weit, so üblich.

Eher unüblich ist, dass einige Anleger das Projekt schon einmal gesehen und womöglich darin investiert hatten. Und zwar beim Exporo-Rivalen Bergfürst. Der bot eine Beteiligung an den 20 Wohneinheiten nämlich schon im Frühjahr 2018 an, da allerdings unter dem Namen „Rheinstraße Duisburg„. Nun steht diese Bergfürst-Beteiligung am 15. April zur Rückzahlung an. Exporo übernimmt dann das Projekt.

Exporo erklärt dazu: „Bergfürst hat die Ankaufsphase und die Projektierung des Projektes “Pflege am Rhein” begleitet. Das Objekt ist auf 15 Jahre vollständig vermietet und wurde bereits zu dem prognostizierten Kaufpreis global veräußert. Das von Exporo vermittelte Kapital dient dazu, die Restlaufzeit des Projektes zu finanzieren.“

Es ist allerdings nicht die einzige Merkwürdigkeit im Portfolio von Exporo aktuell. Denn nachdem wir schon Mitte Januar von Problemen und Verzögerungen berichtet hatten (die sich größtenteils geklärt haben), befinden sich nach Finanz-Szene.de-Recherchen nun weitere Exporo-Projekte im Verzug – oder wenigstens bereitet Exporo seine Anleger darauf vor, dass es mit der pünktlichen Tilgung womöglich schwierig werden könnte. Davon erfahren allerdings Interessierte auf der Exporo-Website nur dann, wenn sie zu den konkreten Investoren gehören und in ihrem entsprechenden „Investment-Cockpit“ nachsehen. Frei verfügbar für alle Anleger sind diese Informationen nicht.

Hier die entsprechenden Projekte und die Stellungnahme von Exporo dazu:

„Student & Living Greifswald“

  • Hier wäre der letzte Rückzahlungstermin eigentlich schon der 31. Oktober 2019 gewesen. Summe: gut 2,4 Mio. Euro. „Alle Baugenehmigungen erhalten“ und „Baubeginn des Hochbaus Ende Q2“, erklärte Exporo auf seiner Seite noch Anfang 2019, dem letzten offen einsehbaren Update. Aber auch Ende März 2020 warten Anleger noch immer auf ihr Geld.
  • Dazu erklärt Exporo: „Exporo hat über den Sicherheitentreuhänder die Verwertung der Sicherheiten eingeleitet. Der Darlehensnehmer hat seinerseits in mehreren Gesprächen die Rückzahlung in zwei Tranchen angekündigt. Wir sind im intensiven Austausch mit dem Darlehensnehmer und dem Sicherheitentreuhänder.“

„Wohnen am Volkspark“

  • In diesem Projekt in Duisburg wäre per 31. März die Rückzahlung von rund 2,4 Mio. Euro fällig gewesen. „Objekt angekauft“ und „Vermietung verläuft positiv“, ist das letzte offen einsehbare Update aus dem Mai 2019. Anleger erfuhren indes kürzlich, dass Exporo noch keine Bestätigung der Rückzahlung vom Darlehensnehmer vorläge. Stattdessen prüfe man nun, ob Exporo das Objekt für seinen Angebotsbereich „Exporo Bestand“ ankaufe.
  • Dazu erklärt Exporo: „Ja, wir prüfen derzeit, ob wir das Objekt für unsere Produktlinie Exporo Bestand ankaufen können.“

„Kita Hagenbeck“

  • „Projekt verläuft planmäßig“ und „Mietvertrag in finalen Zügen“, hieß es im Mai 2019 auf der Seite von Exporo zu dem Hamburger Projekt. Kurz vor Fälligkeit der Rückzahlung ebenfalls diese Woche erhielten Anleger nun indes die Information, dass „eine fristgerechte Rückzahlung Ihres Darlehens zum 31.03.2020 derzeit nicht sichergestellt“ sei.
  • Dazu erklärte Exporo dieser Tage: „Der neueste Stand ist nach wie vor, dass eine fristgerechte Rückzahlung des Darlehens zum 31.03.2020 derzeit nicht sichergestellt ist, allerdings befinden sich nach unserem Kenntnisstand die Verträge derzeit bereits in der finalen Phase.“

„Apartmenthaus Nordend/Frankfurt“

  • Auch bei diesem Projekt mit rund 1 Mio. Euro Volumen zeigt sich eine merkwürdige Spreizung zwischen der Schilderung des Projektfortschritts und dem tatsächlichen Zahlungsfluss: Im März 2019 berichtete man von „erfolgsversprechenden Gesprächen mit potenziellen Investoren“, nannte das Objekt im Mai 2019 zu „100% vermietet“ und teilte mit, man spreche mit drei Globalkäufern. Kurz: „Projekt im Plan“.  Das ist die letzte offen einsehbare Information. Tatsächlich verkauft hat man das Objekt dann nach eigenen Angaben im November. Nun nähert sich die letzte fristgerechte Rückzahlungsoption am 30. März – und die Information für Anleger lautet nunmehr, dass Exporo keine ausreichenden Unterlagen zu dieser Finanzierung vorliegen, um die fristgerechte Rückzahlung Ihres Darlehens zum 30.03.2020 abschließend beurteilen zu können“.
  • Dazu teilt Exporo mit: „Wir haben unsere Anleger darüber informiert, damit diese den aktuellen Stand kennen. Darüber hinaus sind wir aber im engen Austausch mit dem Darlehensnehmer, der angekündigt hat seinen Zahlungsverpflichtungen unabhängig vom Käufer nachkommen zu wollen.“

„Am Hamburger Stadtpark“

  • In diesem Projekt ist eine scheinbare Selbstverständlichkeit eine Nachricht für Anleger. „Der Projektentwickler hat Exporo nach Aufforderung schriftlich die fristgerechte Rückzahlung Ende März bestätigt“, lautete die letzte Anlegerinformation. Denn die Laufzeit des Projekts über 2,5 Mio. Euro mit der spätesten Rückzahlung endet am 30. März. Was ist also da los?
  • Dazu teilt Exporo mit: „Beim Projekt ‚Am Hamburger Stadtpark‘ wurde die ursprünglich zur Rückzahlung der Darlehen geplante Anschlussfinanzierung nicht abgeschlossen. Aus diesem Grunde befindet sich der Darlehensnehmer derzeit im Aufbau einer neuen Finanzierung. Wir haben unsere Anleger bereits darüber informiert, dass der Verkauf des Objekts bereits beurkundet wurde. Die Anschlussfinanzierung ist notwendig, da der Bau aufgrund der beschriebenen Verzögerung nicht abgeschlossen ist und dadurch auch die Kaufpreisraten noch nicht in voller Höhe gezahlt wurden. Wir befinden uns in enger Kommunikation mit dem Darlehensnehmer. Sobald uns neue Informationen zur Rückzahlung der Darlehen vorliegen, werden wir unsere Anleger hierüber umgehend informieren. Die Darlehen werden bis zum Stichtag der tatsächlichen Rückzahlung verzinst.“

„In Scheyern“

  • Auch in diesem Projekt wäre die späteste Rückzahlung am 31. März 2020. Und auch in diesem Projekt wackelt der Termin zum Zeitpunkt der Recherchen von Finanz-Szene.de.
  • Dazu teilt Exporo mit: „Nach unserem aktuellen Kenntnisstand ist der Vertrag noch nicht unterzeichnet, die Finanzierungsabsicht ist uns aber dargelegt worden. Wir gehen daher von einer geringen Verzögerung der Rückzahlung aus und halten unsere Anleger selbstverständlich auf dem aktuellen Stand.“

Exporo legt zudem Wert auf die Feststellung, „dass wir in 2020 bisher über 33 Millionen Euro an unsere Anleger zurückgezahlt haben. Weitere Projektauszahlungen werden wir zum Ende dieses Monats noch tätigen. Auch die von Ihnen im Januar besprochenen Projekte ‚An der Segenskirche‘, ‚Pflegezentrum Aldingen‘ und ‚Wohnen am Kirchsteig‘ (Anmerkung der Redaktion: siehe hier) haben wir bereits an die Anleger zurückgeführt.“

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