Exklusiv

Investify und Aixigo docken bei Sparda-Banken an

8. September 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Einer der vielen hiesigen Robo Advisor, die nie wirklich abhoben, ist Investify. Zwar schneidet das deutsch-luxemburgische Fintech in Vergleichstest immer sehr ordentlich ab. Zu einem signifikanten Zustrom von Endkundengeldern führte das aber nicht. Man mache „keine Angaben“ zu den Assets under Management im B2C-Bereich, sagt Geschäftsführer Harald Brock – Branchenkenner bezweifeln, dass die 100-Mio.-Euro-Marke schon durchbrochen ist. So folgte letztes Jahr, was folgen musste, nämlich der Pivot. Also der Dreh des Geschäftsmodells.

Aus Investify, dem „Robo Advisor“, wurde Investify, der „Software- und Regulatorik-Provider für Financials and Non-Financials“.

Eine Verzweiflungstat? Offenbar nicht! Zuletzt ließ Investify bereits mit zwei kleineren B2B-Mandaten aufhorchen. So steht das Startup als Technologielieferant hinter der neuen Robo-Lösung des Finanzportals Biallo genauso wie hinter der digitalen Vermögensverwaltung des Internationalen Bankhauses Bodensee. Diesen beiden eher mikroskopischen Kooperationen folgt nun der erste wirklich spannende Deal. Wie Finanz-Szene.de vorab erfuhr, soll diese Woche eine weitreichende Kooperation zwischen Investify und einem zweiten B2B-Fintech (nämlich Aixigo aus Aachen) mit dem Kernbank-Spezialisten Sopra Financial Technology (SFT) bekanntgegeben werden. In der zugehörigen Mitteilung heißt es, das Konsortium aus Investify und Aixigo statte SFT mit „Vertriebs- und Abwicklungsstrecken für die Anlageberatung“, mit „End-to-End-Lösungen für die Vermögensverwaltung“ sowie mit Spezialanwendungen etwa zum Thema Riester aus. Klingt vielleicht etwas kryptisch. Wird aber sogleich verständlich, wenn man sich in Erinnerung ruft, wer hinter besagter Sopra Financial Technology steht.

Die in Nürnberg ansässige Sopra Financial Technology ist nämlich die alte SDV-IT, also der einstige zentrale IT-Dienstleister der Sparda-Banken. Bekanntlich war es 2018/2019 im Sparda-Sektor zum Bruch gekommen: Mehrere große Sparda-Banken wechselten mit ihrer IT zur genossenschaftlichen Fiducia & GAD, während die verbliebenen sieben Sparda-Banken (es handelte sich um Augsburg, Baden-Württemberg, Hessen, München, Nürnberg, Ostbayern und West) die alte SDV-IT in ein 49-51-Joint Venture mit dem französischen Technologiriesen Sopra Steria einbrachten. „Für Sopra Steria bietet diese Kooperation hervorragende Chancen, unser Geschäft in Deutschland und damit in einem wichtigen, derzeit noch sehr fragmentierten europäischen Kernmarkt auszuweiten. Unser erklärtes Ziel ist es, mit einem modernen und attraktiven Angebot weitere Institute aus dem deutschen Bankenmittelstand als Kunden zu gewinnen“, sagte der Sopra-Deutschland-Manager Eric Guyot damals.

Tatsächlich ist die SFT momentan dabei, das Kernbankensystem für die genannten Sparda-Banken grundlegend zu modernisieren. Was der Sopra-Technologie allerdings noch fehle, sagen Branchenkenner, das sei ein Modul für digitale Investmentlösungen. Und genau das kommt nun also von Investify/Aixigo. Erst einmal nur für die genannten sieben Sparda-Banken. Wenn man allerdings ernst nimmt, was Guyot letztes Jahr sagte, dann soll das Sopra/Sparda-System demnächst über die Sparda-Gruppe hinaus promotet werden.

Aus Sicht von Investify/Aixigo klingt das lukrativ, schließlich lassen sich über B2B-Kooperationen sehr viel mehr Endkunden erreichen  als in der mühsamen und teuren B2C-Vermarktung. Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Wenn die Fintech-Robos den Endkunden nicht direkt erreichen und nicht einmal indirekt über die Banken, sondern nur noch sehr indirekt über die Kernbank-Anbieter von Banken, dann bleibt der eigene Anteil an der Wertschöpfung notwendigerweise überschaubar. Ob und wie sich das rechnet, wird sich zeigen.

Fürs erste allerdings scheint der Pivot von Investify geglückt. Das eigene B2C-Angebot gibt es zwar immer noch. Aber eher als Showcase.

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