Exklusiv

Investor gefunden: Pleite-Fintech Acatus steht vor der Rettung

10. November 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Das in diesem Sommer in die Insolvenz gerutschte Berliner Fintech Acatus steht vor der Rettung. Laut exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ hat sich ein Investor gefunden, der bereit sein soll, rund 750.000 Euro an die Insolvenzmasse zu zahlen und die Geschäfte des Verbriefungs-Startups fortzuführen. Nach übereinstimmenden Angaben aus Finanzkreisen stellt Insolvenzverwalter Gordon Geiser den Verkauf an den ungenannten Investor gegenüber den Gläubigern als quasi alternativlos dar. Durch die dreiviertel Mio. Euro sei es wenigstens möglich, die Insolvenzquote auf rund 30% der eingereichten Forderungen hochzuschrauben. Andernfalls reiche die Insolvenzmasse gerade mal aus, um die Verfahrenskosten zu decken – die Insolvenzquote würde dann bei voraussichtlich 0% oder nur unwesentlich darüber liegen.

Die Acatus GmbH (neben Crosslend eines von zwei Berliner Fintechs, die sich auf die Verbriefung von Krediten spezialisiert haben) war im Sommer eher unvermittelt in Turbulenzen geraten. Am 9. Juli hatten „Finanz-Szene“ und „Finance Forward“ zunächst über den plötzlichen Rücktritt von Gründern und Geschäftsführerin Marie Louise Seelig berichtet, zweieinhalb Wochen später folgte der Insolvenzantrag. Nach Angaben von Stakeholdern war es zuvor zu Unstimmigkeiten zwischen den Gründern und einzelnen Gesellschaftern gekommen. „Das Management hat in der Hoffnung auf ein möglichst hohes Funding zu lange mit der nötigen Finanzierungsrunde gewartet“, kritisiert ein Investor. „Am Ende hat sich die Finanzierung dann komplett zerschlagen.“

„Die Spur führt in die Schweiz“, sagt ein Acatus-Stakeholder

Insolvenzverwalter Geiser hatte schon unmittelbar nach dem Insolvenzantrag betont, dass Acatus per se überlebensfähig sei. „Das beantragte Insolvenzverfahren ist nicht auf eine Zerschlagung des Unternehmens ausgelegt, sondern soll der Fortsetzung des von Acatus bis zuletzt vorangetriebenen Umstrukturierungsprozesses dienen“, zitierte „Finance Forward“ den Juristen Ende Juli. „Der Geschäftsbetrieb soll während des Verfahrens uneingeschränkt aufrecht erhalten werden. Ziel des Verfahrens ist es, eine nachhaltige Investorenlösung für das Startup zu finden.“

Diese soll nun gefunden sein. Formelle Voraussetzung für die Übertragung des Geschäftsbetriebs an den neuen Investor ist die Verabschiedung eines entsprechenden Insolvenzplans. Hierüber sollen die Gläubiger den „Finanz-Szene“-Informationen zufolge an diesem Mittwoch abstimmen. Um wen es sich bei dem neuen Investor handelt, ist unklar. „Die Spur führt in die Schweiz“, sagte uns Ende vergangener Woche ein Stakeholder – wollte oder konnte aber nicht genauer werden. Insolvenzverwalter Geiser hatte im Juli von „nach wie vor gut gefüllten Auftragsbüchern“ und „mehreren großvolumigen Verbriefungsprojekten gesprochen“, die umgesetzt werden sollten. Hieran dürfte der neue Investor jetzt anzuknüpfen versuchen.

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