Kredit-Fintech Creditshelf kürzt seine Jahresprognose drastisch

21. November 2019

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Das Frankfurter Kredit-Fintech Creditshelf hat seine Umsatzprognose für das laufende Jahr drastisch eingedampft und die Verlustprognose erhöht. War im Mai noch von Erlösen zwischen 4,5 Mio. und 5,5 Mio. Euro die Rede, geht die börsennotierte Finanzierungs-Plattform inzwischen nur mehr von rund 4 Mio. Euro aus – was einen Unterschied von 27% verglichen mit dem Best-Case-Szenario aus dem Frühjahr entspricht. In einer am Donnerstagmorgen verschickten Ad-hoc-Mitteilung wurden die schlechten Nachrichten mit dem „Wettbewerb im Bankensegment“ und dem „konjunkturellen Umfeld“ begründet.

Insgesamt setzte Creditshelf von Januar bis September 2,46 Mio. Euro um – nach 1,55 Mio. Euro im gleichen Vorjahreszeitraum. Dabei fällt auf: Das Volumen der über die Creditshelf-Plattform vermittelten Kredite stieg zwar um 72% auf 52 Mio. Euro; zugleich erhöhte sich das Volumen der angefragten Darlehen jedoch lediglich um 26% auf 945 Mio. Euro. Mit anderen Worten: Von 100 Euro angefragten Kreditvolumen werden inzwischen 5,50 Euro bewilligt, während es im Vorjahreszeitraum nur 4 Euro waren.

Mit einer Lockerung der Vergabestandards habe das aber nichts zu tun, sagte Finanzchef Fabian Brügmann auf eine entsprechende Anfrage von Finanz-Szene.de. Stattdessen führte er die höhere Konversionsrate unter anderem auf einen mittlerweile größeren Anteil von Bestandskunden zurück. Mittelfristig strebe Creditshelf sogar eine Konversionsquote von 10% an – von 100 angefragten Euro sollen also 10 Euro bewilligt werden. Darüber hinaus erklärte Brügmann: „Unser Management-Ansatz ist nicht Wachstum zu jedem Preis, sondern nachhaltige, risikoadjustierte Renditen für unsere Investoren zu erzielen.“

Neben der Umsatzprognose verschlechterte  sich auch die Verlustprognose markant. Zuletzt hatte Creditshelf in Aussicht gestellt, das Minus auf das untere Ende der Spanne 3,5 Mio bis 4,5 Mio. Euro begrenzen zu können. Stattdessen geht das Management nun von rund 5,0 Mio. Euro aus. Die Aktie verlor gestern  1% auf 52 Euro – eine milde Reaktion auf eine Umsatz- und Gewinnwarnung. Allerdings notiert sie damit auch schon nahe dem Tiefstkurs seit dem Börsengang im Juli 2018 von 49,80 Euro. Damals ging Creditshelf zu 80 Euro an die Börse.

Für das Segment der Finanzierungs-Fintechs bedeutet der Prognose-Schock bei Creditshelf den zweiten heftigen Rückschlag binnen weniger Monate. Zuletzt hatte bereits Funding Circle Deutschland eingestehen müssen, dass das Geschäft nur noch stagniert. Der hiesige Marktführer unter den KMU-Kreditplattformen reichte im ersten Halbjahr lediglich Kredite in Höhe von 53 Mio. Euro aus – nach 105 Mio. Euro im gesamten Vorjahr.

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