Kurz gebloggt

Liqid knackt die Milliarde. Wie die Zahl einzuordnen ist

19. Januar 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Das Berliner Fintech Liqid hat als zweiter deutscher Robo-Anbieter (nach Scalable Capital) die Milliarden-Marke bei den Assets under Management geknackt, so jedenfalls hat es CEO Christian Schneider-Sickert den Kollegen von „Finance Fwd“ anvertraut. Unser Senf dazu? Erst einmal herzlichen Glückwunsch! Und dann ein paar Sätze zur Einordnung:

1.) Was sagen die testierten Zahlen von Liqid?

Wenn das mit der Milliarde stimmt, dann muss das Wachstum im Corona-Jahr beeindruckend gewesen sein, zumal im zweiten Halbjahr. Per Ende 2019 kam das Fintech laut seinem dieser Tage veröffentlichten Geschäftsbericht in der digitalen Vermögensverwaltung auf Kundengelder in Höhe von 404,1 Mio Euro (plus 79% zum Vorjahr). Hinzu kamen 79 Mio. Euro aus den Bereichen „Private Equity“ und „Real Estate“, so dass sich die Assets under Management auf insgesamt erst 483 Mio. Euro summierten.

2.) Ist Liqid jetzt wieder der  zweitgrößte deutsche Robo-Advisor hinter Scalable Capital?

Ja und nein. Laut „Finance Fwd“ sollen drei Viertel der Liqid-Milliarde aus der digitalen Vermögensverwaltung stammen – und damit aus dem, was gemeinhin als „Robo Advisory“ firmiert.

Schreibt man nun die komplette Milliarde dem „Robo Liqid“ zu, dann rangieren die Berliner tatsächlich wieder auf Platz 2 hinter Scalable Capital. Sagt man hingegen, nur die 750 Mio. Euro (also die drei Viertel) sind Robo-Geld im engeren Sinne, dann liegt Liqid hinter dem Cominvest-Robo der Comdirect. Der nämlich kam nach Finanz-Szene.de-Informationen per Jahresende auf gut 800 Mio. Euro. Auf Rang vier übrigens lag Quirion 580 Mio. Euro.

3.) Was macht Liqid außer Robo?

Liqid ermöglicht seinen „Mass Affluents“ gezielte Anlagen in „Alternative Assets“, darunter Private Equity und Venture Capital. Wenn man diesem Bereich die verbleibenden 250 Mio. Euro zuschreibt, dann ist Liqid hier die Nummer zwei unter den deutschen Fintechs, und zwar hinter Moonfare (nach eigenen Angaben inzwischen gut 500 Mio. Euro AuMs)

4.) Wie viel Ertrag erwirtschaftet Liqid – und was von den Provisionen bleibt bei dem Fintech hängen?

Liqid hat in 2019 Provisionserträge in Höhe von 1,855 Mio. Euro (plus 58% zum Vorjahr) erwirtschaftet, wobei die Einnahmen vollständig aus digitaler Vermögensverwaltung sowie dem Private-Equity- und dem Immobiliengeschäft stammten. Teil man die Erträge in Höhe von 1,855 Mio. Euro nun durch die Assets under Management, die im Jahresschnitt bei vielleicht 350-375 Mio. Euro gelegen haben dürften, ergibt sich eine Marge in Höhe von ganz grob 0,5% über alle Bereiche hinweg.

Den Provisionserträgen von 1,855 Mio. Euro standen Provisionsaufwendungen in Höhe von 440.000 Euro gegenüber, sodass Liqid letztlich ein Provisionsergebnis von 1,218 Mio. Euro erwirtschaftete.

5.) Wie hoch ist der Cashburn?

In der operativen Liqid Asset Management GmbH lag der Cashburn in 2019 bei gerade mal 477.000 Euro. Ein beträchtlicher Teil der Aufwendungen dürfte allerdings bei der oberhalb der „LAM“ angesiedelten Muttergesellschaft „Liqid Investments GmbH“ anfallen. Die hat für 2019 noch keine Zahlen veröffentlicht und hatte einen Jahr zuvor einen Fehlbetrag von 4,6 Mio. Euro ausgewiesen.

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