Exklusiv

Liqid startet mithilfe von Raisin eigenes Einlagenportal

18. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Der digitale Vermögensverwalter Liqid steigt ins Geschäft mit Tages- und Festgeldern ein. Das hat Geschäftsführer Christian Schneider-Sickert am Sonntagabend gegenüber Finanz-Szene.de bestätigt, nachdem wir am Wochenende auf der Website des Berliner Fintechs ein entsprechendes neues Angebot („Liqid Cash“) entdeckt hatten. Die Tages- und Festgeld-Offerte ist zwar noch nicht livegeschaltet, allerdings können sich Interessenten bereits auf einer Warteliste eintragen. Schneider-Sickert zufolge soll der vollständige Launch in den nächsten Tagen erfolgen. Dann wird auch sichtbar werden, mit welchen Banken das 2015 gegründete Asset-Management-Fintech kooperiert.

Liqid geht damit denselben Weg wie der Münchner Robo-Marktführer Scalable Capital, der auf seiner Website neben dem angestammten Investmentprodukt ebenfalls eine Tages- und Festgeld-Lösung anbietet. Die industrielle Logik dahinter: Durch die Erweiterung ihrer Produktpalette wollen die Robos erstens am einzelnen Kunden mehr verdienen – und ihn zweitens enger ans Unternehmen binden. Die Folge dieser Entwicklung: Die Grenzen zwischen „Robo Advisory“ und „Einlagen-Brokerage“ – ursprünglich zwei streng voneinander getrennte Fintech-Segmente – verwischen zusehends. Der Berliner Einlagen-Vermittler Raisin („Weltsparen“) etwa bietet unter dem Namen „Weltinvest“ längst ein Robo-ähnliches ETF-Investmentprodukt an. Und der Raisin-Rivale Deposit Solutions hat auf seiner Endkunden-Plattform „Savedo“ das Robo-Produkt des Berliner Digital-Vermögensverwalters Quirion eingebunden.

Interessanterweise basiert „Liqid Cash“ (übrigens genauso wie das Einlagen-Produkt von Scalable) auf einer White-Label-Lösung von Raisin – und nicht etwa auf der Deposit-Solutions-Plattform. Auf den ersten Blick kommt das ein wenig überraschend: Denn: Eigentlich gilt eher Deposit als B2B-Spezialist, während Raisin vor allem für sein B2C-Produkt „Weltsparen“ bekannt ist. Hört man sich im Markt um, was die beiden White-Label-Angebote voneinander unterscheidet, dann bekommt man in der Regel zu hören: Die B2B-Plattform von Deposit sei zwar technisch ein Stück ausgefeilter – dafür aber bringe Raisin eine größere Auswahl an Partner-Banken mit.

Ob diese Argumentation auch bei der Partnerwahl von Liqid eine Rolle gespielt hat, ist unklar. Was aber auffällt: Auf der eingangs erwähnten Website wirbt das Berliner Fintech offensiv damit, dass Einlagen bis zu einer Höhe von 500.000 Euro „gesetzlich abgesichert“ seien. Dieses Versprechen lässt sich freilich nur dann mit Leben füllen, wenn das Geld des Kunden auf mindestens fünf Banken aufgeteilt wird – schließlich ist die gesetzliche Einlagensicherung auf 100.000 Euro je Bank und Kunde begrenzt. Heißt: Liqid muss beim offiziellen Go-Live mindestens fünf Partnerbanken an den Start bringen. Das werde auch so sein, bestätigte Schneider-Sickert. Beziehungsweise: Genau genommen werde man sogar mit sieben Instituten starten.

Allerdings werde Liqid nicht einfach nur das Angebot von Raisin bzw. Weltsparen eins zu eins kopieren. Sondern: „Wir nehmen eine eigene Prüfung der Partnerbanken vor und legen dabei strikte Kriterien an“, so Schneidet-Sickert. Dieser Ansatz des „Kuratierens“ erinnert an die Deutsche Bank. Deren Einlagen-Plattform „Zinsmarkt“ basiert zwar technologisch ebenfalls auf einem Whitelabel-Ansatz (wobei in diesem Fall Deposit Solutions und nicht Raisin der B2B-Anbieter ist). Allerdings wählt  auch die Deutsche Bank ihre Partnerbanken eigenständig aus. Das Problem hier ist allerdings: Obwohl der „Zinsmarkt“ schon seit 2017 live ist, findet sich immer noch nur drei Partnerbanken auf der Plattform.

Liqid hatte das „kumulierte Anlagevermögen“* in seiner digitalen Vermögensverwaltung zuletzt mit „weit über 500 Mio. Euro“ beziffert. Damit könnten die Berliner gemeinsam mit „Cominvest“ (dahinter steht die Comdirect) auf Rang zwei unter den hiesigen Anbietern liegen, deutlich hinter dem Marktführer Scalable.

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