Exklusiv

Millionen-Funding für Upvest. Wird das jetzt der große N26-Enabler?

10. Dezember 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Das von zwei früheren Finleap-Managern gegründete Berliner Fintech Upvest hat nach Finanz-Szene.de-Informationen weitere 5 Mio. Euro eingesammelt – und lässt zugleich mit mehreren prominenten Neuzugängen aufhorchen. So schließt sich der frühere Raisin-Investmentchef Til Rochow dem B2B-Startup ebenso an wie der bisherige Transferwise-B2B-Technikchef Juha Ristolainen sowie Christian Schäfer (ehemals Flatex). Neu im Investorenkreis ist der deutsche Vorzeige-VC Earlybird. Daneben haben jene Altinvestoren gezeichnet, die Ende vergangenen Jahres initial bereits 7 Mio. Euro in Upvest gesteckt hatten – darunter Holtzbrick Ventures, Partech, der IDnow-Gründer Felix Haas sowie (und hier wir die Sache plötzlich so richtig interessant; doch dazu kommen wir später) der N26-Gründer Maximilian Tayenthal.

Upvest ist eines dieser tendenziell komplexen „As a service“-Fintechs, bei denen der geneigte Betrachter anfangs nicht so richtig versteht, um welchen Service es denn jetzt schon wieder gehen soll. Vereinfacht gesagt: Wenn die Solarisbank für „Banking as a Service“ steht, dann könnte Upvest irgendwann für „Investment as a Service“ stehen. Wobei das jetzt fast schon wieder zu einfach ist. Vielleicht sollte man genauer sagen: „Custody as a Service“.  Es geht also um die Aufbewahrung von Wertpapieren. Oder, wie es Upvest-Chef Martin Kassing selber ausdrückt: „Unser Geschäftsmodell basiert auf einer skalierbaren API-Schnittstelle, die unseren Kunden die Vermittlung und Verwahrung von Anlageprodukten erleichtert.“

Interessant ist nun, dass sich Upvest beim Coming-out im vergangenen Jahr zunächst als Blockchain-Fintech vorgestellt hatte. Ob diese Positionierung der damals gängigen Mode geschuldet war oder ob es immer schon den Plan gab, mit Krypto-Lösungen zu beginnen, um sich dann in die sozusagen alte Welt vorzutasten – das sei mal dahingestellt. Fest allerdings steht: Über die Blockchain-Schiene eroberte Upvest in den letzten Monaten tatsächlich schon das ein oder andere Referenz-Mandat. So steht die Upvest-Technologie hinter den token-basierten Anleihen des größten deutschen Immo-Crowd-Finanzierers Exporo (dass wir hier von Finanz-Szene.de zuletzt Exporo mal ein bisschen härter rangenommen hatten, ist bekannt, sagt allerdings nichts über Upvest aus …). Ein weiterer Referenzkunde: Auch der mit Blockchain-Lösungen experimentierende Frankfurter Real-Estate-Spezialist Publity setzt auf Upvest.

Jedenfalls: Während sich Upvest bislang guten Gewissens in der Immo-Krypto-Ecke verorten ließ, kommt nun der Vorstoß ins sozusagen klassische Wertpapiergeschäft (und damit ins nächste Trend-Thema, siehe unseren „Deep Dive“ zur Revolution des Brokerage-Markts gestern …). Übrigens auch in regulatorischer Hinsicht: Bisher agierte das Berliner Fintech auf Basis einer Bafin-Erlaubnis zur Aufbewahrung von Krypto-Asstes. Nun soll eine Lizenz als Wertpapierhandelsbank folgen. „Wir planen den Erhalt der Wertpapierhandelsbank-Lizenz in Q2-Q3 nächsten Jahres“, so CEO Kassing.

Der strategische Plan läuft darauf hinaus, dass sich Upvest in Zukunft als sozusagen API-basierte Wertpapierhandelsbank zwischen alle Arten von Wertpapieranbietern einerseits und alle Arten von Endkunden-Fintechs andererseits schieben will (eine verblüffende Parallele übrigen zu dem, was im Lending-Bereich einem anderen jungen B2B-Fintech vorschwebt, nämlich Banxware, siehe unser gestriges Stück „Penta bietet als erste Challenger-Bank einen KfW-Kredit an“). Es geht also im Grunde um eine 4.0-Version dessen, was die DAB Bank für Raisin macht, was die Baader Bank für Scalable Capital macht oder was HSBC für Trade Republic macht. Wobei das mit dem „4.0“ natürlich voraussetzt, dass den hehren Ansprüchen nun auch Taten folgen. Upvest wäre nicht das erste deutsche Fintech, dass hieran scheitert.

Und was hat das Ganze nun mit N26 zu tun? Nun, wenn Upvest der „Middle Layer“ sein will, der sich zwischen Wertpapieranbieter und Endkunden-Fintech schiebt, dann ist N26 natürlich das Endkunden-Fintech, auf das (zumindest bezogen auf den deutschen Markt) jeder Middle-Layer-Player da draußen abzielt. Zumal: Wertpapierseitig ist N26 bislang ja reichlich schwach aufgestellt. Will das aber erklärtermaßen ändern, siehe unsere „N26 macht auf Neobroker“-News vom 23. Oktober. O-Ton N26:

„Darüber hinaus arbeiten wir auch intensiv daran, unseren Kunden die Möglichkeit zu geben, mehr aus ihrem Geld mit entsprechenden Aktien- und Trading-Optionen zu machen.“

Wenn man nun 2 und 2 und 2 zusammenzählt (N26-Gründer Tayenthal investiert in Upvest PLUS N26 arbeitet an einem Trading-Tool PLUS Upvest könnte theoretisch einer der technischen Zulieferer für dieses Tool sein), dann kommt möglicherweise „6“ heraus. Wird Upvest als der Enabler für den N26-Angriff auf die Neobroker?

Upvest-CEO Kassing sagt hierzu: „Dazu möchte ich nichts sagen.“ Und er sagt es nicht kokett. Sondern er sagt es eher in einem „Mir wäre es eigentlich lieber, wenn dieses Fass nicht aufgemacht würde“-Ton.

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