Exklusiv

Mindestens drei namhafte deutsche Fintechs setzen auf Kurzarbeit

8. April 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Zumindest zwei der großen Fintechs hierzulande setzen momentan auf Kurzarbeit. Das zeigt eine Ad-hoc-Umfrage von Finanz-Szene.de von gestern Nachmittag. „Aufgrund der Corona-Pandemie sind einige Kollegen temporär in Kurzarbeit. In einigen Bereichen fällt aktuell nicht so viel Arbeit an, um alle Mitarbeiter zu 100% auszulasten. Darum mussten wir uns zu diesem Schritt entscheiden. Es betrifft beispielsweise Kollegen aus Bereichen wie Recruiting oder Design. Natürlich mit dem Ziel dies schnellstmöglich wieder zu beenden“, teilte ein bekanntes Finanz-Startup mit. Ein anderes namhaftes Fintech berichtete uns ebenfalls von Kurzarbeit, wollte aber nicht, dass wir die Umstände und die Motive schildern, weil dies Rückschlüsse auf das Segment zulassen würde, in dem die Firma tätig ist (womit man dann relativ leicht auch erraten könnte, um wen es sich handelt).

Insgesamt erkundigte sich Finanz-Szene.de bei 26 der namhaftesten deutschen Fintechs, wie Sie es vor dem Hintergrund der Corona-Krise mit dem Thema Kurzarbeit. Neun zogen es vor, sich nicht zu äußern – was nahelegen könnte, dass unter diesen neun Finanz-Startups weitere sind, die Kurzarbeit angemeldet haben oder wo sich Mitarbeiter sogar schon in Kurzarbeit befinden. Über ein weiteres Fintech, das Kurzarbeit angemeldet hat, hatte Finanz-Szene.de bereits gestern Mittag berichtet – es handelt sich um den Frankfurter Krypto-Anbieter Savedroid (das wir hier den Namen nennen, liegt daran, dass wir diesen Fall aktiv recherchiert hatten. Die beiden oben angeführten Fälle beruhten hingegen auf einer Umfrage, bei der wir den teilnehmenden Fintechs zusicherten, ihre Schilderungen auf Wunsch zu anonymisieren).

Insgesamt 15 befragte Fintech betonten, dass sie zumindest bislang keine Kurzarbeit angemeldet hatten. 13 waren auch bereit, mit Namen genannt zu werden:

  • Iconic Finance
  • Solarisbank
  • IDNow
  • CRX Markets
  • Scalable Capital
  • Billie
  • Elinvar
  • Compeon
  • N26
  • Clark
  • Raisin
  • Element
  • WebID Solutions

Dabei geht aus vielen Antworten allerdings hervor, dass das Thema bei vielen Finanz-Startups zumindest diskutiert wird bzw. wurde – und dass kaum ein Unternehmen ausschließen will, das Instrument je nach Verlauf der Krise vielleicht doch nochmal eimal in Anspruch zu nehmen.

  • Bei N26 beispielsweise hieß es: „N26 hat keine Kurzarbeit angemeldet. Wir beobachten die aktuellen Entwicklungen sehr genau und werden jeweils die  beste Entscheidung für Mitarbeiter, Kunden und Unternehmen treffen.“
  • Raisin-Chef Tamaz Georgadze schrieb uns: „Raisin hat keine Kurzarbeit angemeldet. Dieser Schritt ist bislang nicht geplant, da unser Unternehmen wirtschaftlich gut dasteht. Wir haben im vergangenen Jahr umfassendes Funding mit genügend Spielraum für Arbeitsplatzsicherheit erhalten. Dennoch spüren auch wir die Auswirkungen der Corona-Krise.“
  • Und die Solarisbank teilte mit: „Natürlich setzen wir uns im Sinne einer strategischen Unternehmensplanung intensiv mit den Herausforderungen der aktuellen Situation auseinander. Stand heute können wir aber sagen, dass wir weder Kurzarbeit angemeldet haben noch es planen.“

Natürlich spielen beim Thema Kurzarbeit auch sektorspezifische Besonderheiten eine Rolle. So klingt es glaubhaft, wenn die beiden Identifizierungs-Spezialisten IDnow und WebID mitteilen, bei ihnen herrsche momentan Hochbetrieb. Das könnte damit zusammenhängen, dass zum Beispiel im Online-Brokerage nach allem, was wir mitbekommen, zurzeit sehr viel Bewegung herrscht – mit entsprechenden Depotwechseln- bzw. Depoteröffnungen (was entsprechende Identifizierungen erforderlich machen).

Ebenfalls viel zu tun haben vermutlich die API-Spezialisten, die den Wechsel auf die PSD2-Schnittstellen vorantreiben müssen (siehe unseren Artikel von Dienstag). Und dann gibt es auch das ein oder andere Fintech (Clark scheint so ein Fall zu sein), das für dieses Frühjahr eine Offensive geplant hatte – und die Sache jetzt durchzieht. In die Offensiv-Fraktion dürfte auch Iconic Finance fallen, also das neue Multibanking-Fintech der Allianz. Schließlich steht hier der Markstart bevor. „Kurzarbeit wurde bei uns nicht in betracht gezogen. Wir arbeiten mit unveränderter Planung auf den Launch hin“, schreibt uns CEO Bernd Storm.

Was darüber hinaus auffällt: Es scheint niemanden in der Fintech-Branche zu geben, der das Instrument „Kurzarbeit“ leichtfertig abtut. So schreibt uns Billie-Gründer Christian Grobe zwar, dass sein Unternehmen keine Kurzarbeit in Betracht gezogen habe. Aber er betont auch: „Wir halten das Instrument für sehr sinnvoll damit Unternehmen mit Umsatzeinbußen ihre Talente halten können und nicht wie in den USA alle auf die Straße setzen müssen.“

Was freilich auch zur Wahrheit gehören dürfte: Genau, wie kein oder kaum ein Fintech-CEO die Kurzarbeit von vornherein ablehnt – genauso weiß man um die Tücken. „Die Kurzarbeit ist als Instrument dennoch wertvoll und unterstützenswert, da Unternehmen mit diesem Schritt den Arbeitsplatzerhalt anstreben“, meinte Raisin-Chef Georgadze. Aber: „Nichtsdestotrotz ist der Weg der Kurzarbeit für Unternehmer wie Beschäftigte generell keine einfache Entscheidung.“

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