Leserblog

„N26 dürfte mit der Interchange nicht wirklich Geld verdienen“

7. Februar 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die diese Woche publizierten 2018er-Zahlen von N26 erregen weiterhin die Gemüter unserer Leserinnen und Leser. Dabei wird in Mails an uns über die 6 Mio. Euro „sonstigen betrieblichen Erträge“ (ein Werbekosten-Zuschuss seitens Mastercards? Eine nachträgliche Vergütung seitens Mastercards für das Erreichen bestimmter Umsatzziele?) ebenso wunderbar gefachsimpelt wie über die verblüffend hohen Wertberichtigungen. Am meisten Freude allerdings bereitete uns die Zuschrift von Herrn E., der – offenbar mit einem tiefen Verständnis für das N26-Geschäftsmodell ausgestattet – die Provisionserträge der Berliner Smartphone-Bank in ihre Einzelteile zu zerlegen versucht. Sehr lehrreich! Voilà:

  • „Durch die Fokussierung auf die Erträge übersehen Sie, dass das Geschäftsmodell von N26 auch hohe Aufwendungen erzeugt. So standen den Provisions-Erträgen von 37,7 Mio. Euro beachtliche Provisions-Aufwendungen von 23,8 Mio. Euro gegenüber. Das Provisions-Ergebnis liegt also bei nur gut 14 Mio Euro.
  • Die hohen Aufwendungen deuten darauf hin, dass mit der Interchange (also mit der Gebühr die N26 zusteht, wenn einer der Kunden mit der Karte bezahlt) nicht wirklich viel netto zu verdienen ist. Ich würde sogar behaupten, dass sich Erträge und Aufwendungen hier die Waage halten. Hinzu kommen weitere Transaktionskosten, gerade die Aufwendungen für Abhebungen am Geldautomaten und für „Barzahlen“ sollten Sie nicht unterschätzen.
  • Letzten Endes dürfte somit der wesentliche Teil des Provisions-Ergebnisses auf Vermittlungs-Provisionen und und auf die kostenpflichten Premium-Konten entfallen.
  • Meine Schätzung zum Thema Premium lautet: Bei 1 Mio. aktiver Kunden per Ende 2018 dürften vielleicht gut 10% der Premium-Kunden sein. Macht 100.000 Premium-Kunden und bei einem Überschuss von 100 Euro pro Kunde ein Ergebnis von 10 Mio. Euro.
  • Dann blieben noch 4 Mio. Euro, die mit der Vermittlung von Finanzdienstleistungen verdient. Also Spareinlagen an Weltsparen, Versicherungskunden für Clark oder Kredite an Auxmoney. Das fände ich insgesamt eher wenig und würde darauf hindeuten, dass dieses Cross-Selling noch nicht wirklich gut funktioniert.
  • Gut, dass Sie in Ihrem gestrigen Newsletter dann auch noch auf die Abschreibungen bzw. Wertberichtigungen im Kreditgeschäft thematisiert haben – denn die sind mit 7,1 Mio. Euro (und verglichen mit Zinseinnahmen von 5,1 Mio. Euro) ja wirklich enorm.
  • Dazu muss man wissen: Das einzige eigene Kreditgeschäft, dass N26 betreibt, ist das Dispo-Geschäft. Kurzfristdarlehen werden über Partner abgewickelt und dürften eher beim Provisionsergebnis aufschlagen. Das bedeutet dass N26 im eigentlich für Banken sehr lukrativen Dispokredit-Business aktiv Geld verliert. Mal abgesehen davon, dass das nicht gerade für die Qualität der N26-Kunden spricht, zeigt es gleichzeitig auch, dass die Risikosysteme offenbar noch nicht gut funktionieren.
  • Nochmal gerechnet: Bei 1 Mio. aktiver Kunden wurden auf jeden Kunden 7 Euro abgeschrieben. Das erscheint mir sehr viel zu sein – und man kann nur hoffen, dass es 2019 gelaufen ist. Denn ansonsten hätte N26 alleine in dieser Position vermutlich über 20 Mio. Euro verloren.
  • Die Zinseinnahmen übrigens dürften nicht ausschließlich Dispo-Einnahmen sein, sondern da sind vermutlich zum Teil auch Geldmarktgeschäfte drin.

Auf den Punkt: Ein wesentlicher Teil des Umsatzes dürfte aus dem eher unprofitablen Transaktionsgeschäft kommen. Das klassische Zinsgeschäft hat man offensichtlich nicht gut im Griff. Und da, wo wirklich Musik drin ist, geht bislang noch nicht viel zusammen. Unterm Strich ist die Entwicklung dennoch positiv. Aber nicht so positiv, wie Sie es dargestellt haben.“

N26 hat 2018 seine Erträge auf fast 50 Mio. Euro verfünffacht

N26 halbiert die Kundenzahl und gibt ein 7-Mio.-Euro-Rätsel auf

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