Exklusiv

N26 führt Strafzinsen auf Guthaben ab 50.000 Euro ein

20. Oktober 2020

Von Christian Kirchner

Die Berliner Neobank N26 plant die Einführung eines Strafzinses von 0,5% auf Guthaben über 50.000 Euro. Das geht aus einer entsprechenden Änderung des Preis- und Leistungsverzeichnisses zum 19.10.2020 hervor. Auch auf der Homepage des Milliarden-Fintechs findet sich seit Kurzem ein entsprechender Hinweis: „Für Einlagen über 50.000 Euro kann ein Verwahrentgelt von 0,5 % p.a. anfallen“. Allerdings soll der Strafzins nur für Neukunden gelten – nicht für Bestandskunden. Ein N26-Sprecher bestätigte die Einführung, wies allerdings darauf hin, dass die „Metal“ genannten Premiumkonten von der neuen Gebühr ausgenommen würden. Greifen soll sie dann ab November.

Die Maßnahme überrascht, denn bislang halten sich die filiallosen Direktbanken wie die deutsche ING, die DKB oder die Consorsbank mit Strafzins-Maßnahmen tendenziell zurück – anders als klassische Filialbanken wie die Deutsche Bank, die Commerzbank oder Sparkassen und Volksbanken. Und selbst verglichen mit solchen Häusern scheint die Grenze von 50.000 Euro recht aggressiv gewählt: Üblich sind Verwahrentgelte in Deutschland erst ab 100.000 Euro (die Comdirect startet bei 250.000 Euro). Laut einer Auswertung der Verbraucherportals Biallo lagen hierzulande überhaupt erst 23 Institute bei einer Schwelle von 50.000 Euro oder darunter, ab der sie Strafzinsen erheben.

N26 wollte auf Anfrage von Finanz-Szene.de gestern keine näheren Angaben zu den Motiven machen. Laut unternehmensnahen Kreisen soll es aber vor allem zwei Gründe für die überraschende Maßnahmen geben:

  1. Auch N26 müsse immer höheren Einlagenvolumina verkraften – Einlagen, für die das Fintech kaum Verwendung hat, da es kaum klassisches Kreditgeschäft betreibt. Von außen betrachtet kommt diese Entwicklung überraschend. Denn bislang galt N26 als typische Zweitbank, der die Kunden vergleichsweise wenig Geld anvertrauen. Hat sich daran wirklich was geändert? Schwer zu sagen. Unbestritten immerhin ist, dass sich der Aufbau von Sichteinlagen bei Deutschlands Banken seit der Corona-Krise nochmals beschleunigt hat. Alleine im Q2 stieg das Vermögen in Form von Bargeld und Sichteinlagen deutscher Privathaushalte laut Bundesbank-Daten um 75 Mrd. Euro – also knapp 1 Mrd. Euro pro Tag.
  2. Zudem will N26 laut Finanz-Szene.de-Informationen von November an ein Tagesgeldkonto mit positivem Zinssatz anbieten. Es soll dabei helfen, die unerwünschten Mittel aus der Bilanz zu bekommen. Strafzinsen gelten als probates Mittel, um Kundengelder vom Girokonto aus in genau solche Produkte zu manövrieren, und ein kleiner Provisionsbonus bliebe zusätzlich hängen. Unklar ist, ob die Neobank das neue Produkt in Ejgenregie oder mit einem Partner anbietet. Denkbar wäre eine Erweiterung der schon seit 2017 laufenden Kooperation mit Raisin („Weltsparen“).

Noch mal zur Einordnung: Laut dem letzten veröffentlichten Geschäftsbericht hatte N26 per Ende 2018 „Verbindlichkeiten gegenüber Kunden“ in Höhe von 1.075 Mio. Euro. Da die Bank Anfang 2019 von 2,3 Mio. Kunden sprach, ergibt sich für den damaligen Zeitraum ein durchschnittliches Guthaben von rund 470 Euro je Kunde bzw. Konto.

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