N26-Hammer: Beide Bank-Chefs gehen, Tayenthal übernimmt

31. März 2021

Von Heinz-Roger Dohms und John Stanley Hunter

Die Personal-Wirren bei N26 erreichen einen vorläufigen Höhepunkt. Wie aus einer uns vorab zur Verfügung gestellten Pressemitteilung hervorgeht, werden die beiden Geschäftsführer der konzerneigenen Bank-Tochter das Milliarden-Fintech in den nächsten Monaten verlassen. Finanzchef Richard Groenevefld  scheidet offiziell zum 30. Juni aus;  CEO Markus Gunter, der der N26 Bank GmbH seit 2016 vorsteht, soll im Laufe der zweiten Jahreshälfte folgen.* Bereits per 1. April ziehen Mitgründer Maximilian Tayenthal (er ist Co-CEO der N26 Gruppe) und Thomas Grosse (er ist „Chief Banking Officer“ der Gruppe)  in die Geschäftsführung der Bank-Tochter ein – zunächst zusätzlich zu Gunter und Groeneveld. Nach deren Ausscheiden werden Tayenthal und Grosse die N26 Bank GmbH voraussichtlich zu zweit führen.

Auch wenn Gunther und Groeneveld der Mitteilung zufolge auf eigenen Wunsch ausscheiden, muss man das personelle Revirement in einem größeren Kontext sehen: Seit Jahren schon – so schildern es jedenfalls diverse Insider – grassiert innerhalb von N26 ein zumindest latenter Konflikt zwischen den beiden Gründern (also Tayenthal und Valentin Stalf) einerseits sowie den klassischen Bankern andererseits. Während die Startup-Fraktion das rasche Wachstum in den Mittelpunkt der täglichen Handels stellt und regulatorische Vorgaben eher als notwendige Übel betrachtet, war die Führung der N26 Bank GmbH (allein schon aus Selbstschutz …) immer auch um ein tragfähiges Verhältnis zur Bafin bemüht. Das galt spätestens, seit die Aufsicht das Berliner Fintech im Frühjahr 2019 wegen Mängeln in der Geldwäsche-Bekämpfung öffentlich in den Senkel gestellt hatte (siehe hier und hier).

Dass Gunter/Groenveld nun gehen und Tayenthal/Grosse übernehmen, wird im Umfeld von N26 unterschiedlich gedeutet. Eine zugespitzte Lesart, wonach die beiden Bank-Chefs die Geschäftspolitik der Startup-Fraktion nicht länger mittragen wollten und deshalb nun die Konsequenzen ziehen. Plausibler allerdings erscheint eine moderatere Interpretation der Ereignisse: Fünf Jahre nach Erhalt der Banklizenz werden klassische Banker wie Gunter (er war einst Chef der DAB Bank) oder Groeneveld (er kam von der NIBC) für die weitere Entwicklung nicht mehr unbedingt benötigt. Zumal: Wenn Tayenthal und Grosse (der übrigens, wie wir schon mal aufgedröselt hatten, trotz seiner Banker-Vita mentalitätsmäßig der Startup-Fraktion angehört) nun in die Geschäftsführung der N26 Bank GmbH einziehen, dann heißt das ja: Beide haben die notwendige Eignungs-Prüfung der Bafin bestanden. Auch rein formell werden Gunter und Groeneveld also nicht mehr zwingend gebraucht.

Was in diesem Kontext nun wiederum interessant ist:  Wie aus der heutigen Pressemitteilung ebenfalls hervorgeht, will N26 bei der Bafin einen Antrag auf Einstufung als Finanzholding stellen – womit in Zukunft nicht mehr nur die Bank-Tochter, sondern auch die N26 GmbH (also die Gruppe) selbst der direkten Aufsicht durch die Bafin unterliegen wird. Lange Zeit hatten die Berliner genau das zu verhindern gesucht. Zuletzt allerdings war der Druck durch die Bafin zu groß geworden; immer deutlicher drängte sie hinter den Kulissen auf den Finanzholding-Status. Damit stellt sich nun die Frage: Wenn Tayenthal und Grosse die Eignungs-Prüfung durch die Bafin nun ohnehin bestanden haben – werden Sie dann auch die künftige Finanzholding führen? Oder wird sich CEO Valentin Stalf (der ja nach wie vor das Gesicht von N26 ist) ebenfalls um den sogenannten „Bafin-Führerschein“ bemühen? Ein Sprecher von N26 betonte hierzu auf Nachfrage, dass „eine Änderung der beiden Geschäftsführer der N26 GmbH nicht infrage gestellt“ werde.

In der Pressemitteilung wird der Antrag auf Lizenz als Finanzholding als „Vorbereitungsschritt für [einen] potenziellen Börsengang“ bezeichnet. Valentin Stalf lässt sich wie folgt zitieren:

„Als erstes und größtes deutsches Fintech in einer Finanzholding komplett reguliert zu sein, ist für N26 der nächste logische Schritt, um Banking auch in Zukunft für Millionen von Menschen von Grund auf zu verändern. Die Beantragung einer Finanzholding-Lizenz ist ein wichtiger Bestandteil für die zukünftige Entwicklung von N26. Dabei passen wir uns frühzeitig an die sich wandelnden  regulatorischen Vorgaben an.”

Wie N26 das Spannungsfeld von Produkt und Regulierung auslotet

 


*In der Ursprungsfassung hatten wir irrtümlich geschrieben, es sei Gunter, der zur Jahresmitte ausscheide, und Groeneveld folge später (dabei ist es in Wirklichkeit umgekehrt). Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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