Exklusiv

N26 kürzt pauschale Neukunden-Prämien drastisch

21. Januar 2021

Von Christian Kirchner

N26 zahlt etlichen Website-Betreibern für die Vermittlung von Neukunden künftig drastisch weniger Geld als bislang. Zuletzt flossen in aller Regel 45 Euro, wenn ein Interessent über ein Banner oder einen Partner-Link auf das Angebot der Neobank geführt wurde und dort ein Konto eröffnete. Zum 1. Februar wird diese Vermittlungsgebühr in vielen Fällen auf nur noch 15 Euro sinken, besagen Informationen von Finanz-Szene.de.

Wie aus einem uns vorliegenden Schreiben an einen Seitenbetreiber hervorgeht, erfolgt die Anpassung „aufgrund einer verstärkt qualitativen Ausrichtung“ dieser sogenannten Affiliate-Programme. Auf Nachfrage von Finanz-Szene.de bestätigte N26 die Anpassungen, betonte jedoch, dass für qualitativ wertvolle Kunden (sprich: solche, mit denen die Banken tatsächlich auch Geschäft macht) höhere Beträge gezahlt würden: „Performance Marketing spielt für N26 eine wichtige Rolle. Daher überprüfen wir die Effizienz und Effektivität dieses Kanals in regelmäßigen Abständen und optimieren ihn falls nötig. Hierzu zählt auch die höhere Entlohnung von Partnern mit der stärksten Performance.“

Zwar stellt die Neuausrichtung der Affiliate-Programme lediglich einen Ausschnitt aus den vielfältigen Marketing-Aktivitäten von N26 dar. Dennoch drängt sich der Verdacht auf, dass das Berliner Fintech bei der Neukunden-Akquise in Zukunft auf generell stärker auf Qualität setzen will (einen ähnlichen Schwenk hatten zuletzt ja auch etablierte Institute wie die Commerzbank oder die ING Diba vollzogen, übrigens genauso wie der britische N26-Rivale Revolut). Zur Einordnung:

Welche neue Kundenzahl wird N26 nächste Woche verkünden?

Die letzte kommunizierte Kundenzahl der Neobank ist ein Jahr alt; damals zählte N26 fünf Millionen Kunden, wovon nach Finanz-Szene.de-Schätzungen (siehe hier) aber nur ein Drittel relevante Erträge brachte. Die Strategie des Challenger-Bank dürfte mittlerweile dem Ziel folgen, mit den Bestandskunden mehr Erlöse generieren und sie in kostenpflichtige Kontomodelle zu überführen, statt um jeden Preis immer neue Kunden zu gewinnen. Intern galt bislang die Marschrichtung, bei den Erträgen einen Drittel-Mix zu generieren: Ein Drittel soll aus der „Interchange“ kommen, ein Drittel aus Kontogebühren für Premium-Konten, ein Drittel aus Zusatzprodukten. Dieser Mix soll sich nun aber deutlich zugunsten der Kontogebühren verschieben. Auch deshalb kündigte die Bank jüngst ein neues „Smart“ Kontomodell zu 4,90 Euro im Monat an. (Analyse dazu siehe hier).

Demnächst will N26 eine aktualisierte Kundenzahl präsentieren. 2019 hatte N26 gut zweieinhalb Millionen Kunden gewonnen – mehr als in den Jahren 2015-2018 zusammen. Hätte das Fintech das Wachstumstempo gehalten, müssten es mittlerweile gut 7,5 Mio. Kunden sein. Wäre das exponentielle Kundenwachstum der Jahre 2017-2019 fortgeschrieben worden, dann könnte es sogar Richtung 10 Mio. Kunden gehen.

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