N26 nährt nach UK-Rückzug auch Zweifel an Brasilien-Zeitplan

22. April 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Nach dem Rückzug aus Großbritannien hat N26 nun auch Zweifel am Zeitplan für seine Brasilien-Expansion genährt. Zwar strebt das Berliner Fintech weiterhin einen Start im kommenden Jahr an – allerdings „könnte die [Corona-]Krise hieran etwas ändern“, sagte Topmanager Georg Hauer in einem Interview mit der „Financial Times“ (Paywall). Was man dazu wissen muss: Vor einigen Monaten hatte Gründer Valentin Stalf noch von einem Launch Ende 2020 gesprochen. Von diesem Zeitplan hatte sich N26 allerdings kürzlich bereits verabschiedet.

Ob 2021 zu halten sein wird, bleibt nach den Äußerungen Hauers abzuwarten. Gleichwohl betonte ein Sprecher auf Nachfrage, dass Brasilien „ein wichtiger Bestandteil in der globalen Expansionsstrategie von N26“ bleibe. „Wir haben allerdings unsere Strategie für den Markteintritt geändert. Anstatt mit einer Partnerbank zusammenzuarbeiten, beantragen wir derzeit eine eigene SCD-Lizenz. Wir planen zur Zeit mit einem Marktstart nächstes Jahr. COVID-19 hat unsere Brasilien-Strategie nicht verändert.“

Für den Moment indes hat N26 erst einmal in den Krisenmodus geschaltet. So hatten die Berliner Ende vorletzter Woche mitgeteilt, 150 Mitarbeiter (und damit ein Zehntel der Belegschaft) in Kurzarbeit schicken zu wollen. Zur Begründung wurde in der entsprechenden Pressemitteilung auf „klare Veränderungen im Zahlungsverhalten“ verwiesen. Weiter hieß es:

„Durch die derzeitigen Ausgangs- und Reiserestriktionen geben Menschen insgesamt weniger Geld aus. Nicht nur kurzfristig, sondern auch mittelfristig werden die Konsumausgaben gerade in den von COVID-19 schwer betroffenen Ländern stark rückläufig sein. Dies führt unter anderem zu Rückgängen bei den Kontoumsätzen in der gesamten Bankbranche. Als Bank mit starkem Geschäft in ganz Europa müssen wir uns an die Auswirkungen, die das Coronavirus auf das Leben der Menschen hat, anpassen.“

Ähnlich äußerte sich Deutschland-Chef Hauer nun gegenüber der „Financial Times“: „Wir stellen fest, dass die Konsumausgaben alles in allem um ein Drittel zurückgehen.“ Dabei sei Deutschland allerdings weniger stark netroffen ist als Italien oder Spanien, so der Manager. Zugleich stellte Hauer allerdings klar, dass das Eigenkapital des Startups auch ohne neue Finanzierungsrunde „weit“ über dieses Jahres hinaus ausreichen werde. „Finanz-Szene.de“ hatte kürzlich aufgedeckt, dass die große Funding-Runde Anfang 2019 anders als gedacht nicht 260 Mio. Euro, sondern „nur“ 230 Mio. Euro schwer war. Allerdings hatte N26 Mitte des Jahres sogar noch ein weiteres Mal Geld erhalten, sodass es an der Kapitalaustattung bis auf weiteres tatsächlich keine Zweifel geben sollte.

Unterdessen teilte der britische N26-Rivale Monzo gestern mit, eine Banklizenz in den USA beantragt zu haben – wobei es laut „Telegraph“ mit der Erteilung bis zu zwei Jahre dauern könnte. N26 ist in den USA (der Marktstart war Mitte letzten Jahres) ohne eigene Lizenz unterwegs und kooperiert stattdessen mit einem US-Institut, dass über die entsprechende Genehmigung verfügt.

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