Exklusiv

N26 will in Brasilien auf 350 Jobs anwachsen

10. Januar 2022

Von John Hunter

Es sei der „nächste logische Schritt“, nach Brasilien zu expandieren, teilte N26 in einer Pressemitteilung mit. Das war vor gut drei Jahren. In der Zwischenzeit ist viel bei der Smartphone-Bank passiert. Erst der Rückzug aus Großbritannien. Kürzlich dann der Ausstieg aus dem US-Markt. Zwei teure Fehlschläge, allein die Marketing-Kampagnen verbrannten etliche Millionen. Mit einem großen Angriff in Brasilien, wo sich Platzhirsch Nubank bereits mit beeindruckenden 48 Mio. Kunden etabliert hat, rechnete darum kaum jemand.

Eine Fehlannahme. Denn N26 will in Brasilien, wo man vor rund einem Jahr eine Banklizenz erhielt, nun kräftig expandieren. Bis Ende des Jahres soll das Team rauf rund 350 Leute anwachsen, wie „Finance Forward“ und „Fianz-Szene“ erfahren. Schon für sich genommen wäre das eines der größeren Fintech-Teams in Deutschland.

Dabei hatte N26 auch auf dem südamerikanischen Hoffnungsmarkt schon Probleme. Zunächst suchte das Fintech zum Start 2019 nach einem Bankpartner. Es folgte der erste Richtungswechsel: N26 wollte doch eine eigene lokale Banklizenz beantragen, um das Produkt eigenständiger gestalten zu können. Auch negative Erfahrungen mit dem Bankpartner in den USA sollen diese Entscheidung beschleunigt haben. Als die Berliner vor einem Jahr in Brasilien die Lizenz erhielten. kam das zu dem Zeitpunkt für das Management indes überraschend.

N26 zieht sich aus USA zurück und hinterlässt 500.000 Kunden

Hat die Brasilien-Expansion mit der Bafin-Entscheidung zu tun?

Entsprechend brach lagen die Pläne in São Paulo auch in den Folgemonaten. Doch seit N26 vor Jahresfrist in einem Funding fast 1 Mrd. Dollar eingeheimst hat, ist der Investitionsdruck hoch. Zumal die Bafin die Berliner wegen gravierender interner Probleme zwang, ihres Neukundenwachstum in der Heimat auf 50.000 pro Monat zu begrenzen. Auch die Produkt-Offensive soll sich auf Druck der Aufseher verzögern, berichtete zuletzt die „Wirtschaftswoche“.

Sucht das Startup nun einen Ausweg, um weiteres Wachstum außerhalb der EU vorweisen zu können? Durch das sogenannte Passporting gelten die Bafin-Regeln für alle EU-Länder, in einigen Ländern sind mittlerweile Wartelisten geschaltet. In Brasilien wird N26 dagegen von der lokalen Behörde beaufsichtigt. Dieser Strategiewechsel wäre ein Ausweg.

Von einer Sprecherin heißt es auf Nachfrage nur: „Um auch die zukünftige Produktentwicklung weiter voranzutreiben, wird das Team in Brasilien sich darauf fokussieren, zusätzliche SpezialistInnen einzustellen.“ Zurzeit sind rund 60 Mitarbeiter in São Paulo beschäftigt. 300 neue sollen noch in diesem Jahr dazu kommen, die Hälfte im Tech-Team, die andere Hälfte für den Geschäftsbetrieb.

Das Produkt befinde sich bereits in der Betaphase. Auf der Webseite ist indes weiterhin lediglich eine Warteliste sichtbar. „Ziel ist ein Produkt, das die Bedürfnisse des brasilianischen Marktes bedient und gleichzeitig die N26 Banking-Erfahrung abbildet“, so die Sprecherin.

Die Besonderheit: Brasilien hat mehr als 200 Millionen Einwohner, viele von ihnen besitzen zwar ein Smartphone, aber noch kein Konto. Umstände, unter denen Konkurrent Nubank zu einer der größten Digitalbanken der Welt heranwachsen konnte. Entsprechend wird N26 dort also auch nicht einfach seine deutsche App übersetzen können, es gilt ein eigens auf den Markt zugeschnittenes Angebot zu bauen.

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