Exklusiv

N26 sucht neuen Finanzchef – Börsenpläne werden konkret

18. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die bislang eher losen Börsenpläne der Berliner Fintech-Bank N26 werden konkreter. Nach exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de fahndet das Milliarden-Startup nach einem neuen Finanzchef, dessen vornehmliche Aufgabe darin liegen könnte, das 2013 gegründete Unternehmen fit für einen IPO zu machen. „Wir können bestätigen, dass N26 die Position des Chief Financial Officers (CFO) neu besetzen wird. Die Gespräche mit verschiedenen erfahrenen Kandidaten haben bereits vor geraumer Zeit begonnen und sind aktuell weit fortgeschritten“, teilte N26 gestern auf Finanz-Szene.de-Anfrage mit. Mit der Suche beauftragt ist unseren Informationen zufolge der US-Headhunter Spencer Stuart. Weder die Personal-Consultants noch das Fintech wollten sich hierzu äußern.

Die Neubesetzung des CFO-Postens bedeutet für N26 eine Zäsur. Schließlich firmiert als Finanzchef bislang noch Maximilian Tayenthal, also einer der beiden Gründer. Dass der 39-jährige seine Position aufgibt, darf allerdings nicht mit einem Machtverlust verwechselt werden. Denn: Tayenthal und sein Mitgründer Valentin Stalf werden als Co-Geschäftsführer die Geschicke von N26 auch künftig leiten – während der neue Finanzchef eine Hierarchie-Ebene darunter angesiedelt werden soll. In der Stellungnahme heißt es: „Die Managementstruktur der N26 Gruppe wird sich nicht verändern. [… ] Die Funktionen Finance, Banking, Operations, People und Legal werden auch in Zukunft an Maximilian Tayenthal berichten.“

Dass die CFO-Suche in Zusammenhang mit dem angestrebten Börsengang zu sehen ist, wird von N26 zwar nicht explizit bestätigt. In Finanzkreisen heißt es allerdings, dieser Zusammenhang sei evident. „N26 ist mindestens ein, eher sogar noch zwei Jahre davon entfernt, strukturell wirklich IPO-fähig zu sein. Darum macht es Sinn, sich personell schon jetzt auf ein entsprechendes Szenario vorzubereiten – auch wenn es aufgrund der Corona-Krise fürs erste sicherlich keinen Börsengang geben wird“, sagte uns ein Kenner des Unternehmens.

Was man dazu wissen muss: Wie bei vielen anderen Startups, ist auch bei N26 die Finanzfunktion eher unterentwickelt. Tayenthal trägt zwar den Titel „Co-Founder & CFO“. Seine Zuständigkeiten, sagt ein Insider, seien aber viel eher die eines „Founders“ als die eines Finanzchefs. Ein weiterer Insider drückt es so aus: „Stalf und Tayenthal treiben beide die inhaltlichen Themen immer noch sehr stark voran. Für die klassischen Aufgaben eines CFOs bleibt da naturgemäß zu wenig Zeit.“ Hinzu kommt: Auch wenn Tayenthal in Investorenkreisen für sein Zahlen-Knowhow gelobt wird – eigentlich ist er Jurist. Ein Kenner der Materie sagt: „Wenn N26 irgendwann einen milliardenschweren Börsengang stemmen will, braucht es dafür einen expliziten Finanzexperten. Und zwar am besten einen, der schon mal mit einem IPO zu tun hatte.“

Dass N26 die CFO-Suche trotz Corona-Krise vorantreibt, darf vermutlich als Zeichen der Stärke interpretiert werden. Zwar hatte das deutsche Vorzeige-Fintech zuletzt mit Problemen zu kämpfen (Rückzug aus UK, Kurzarbeit in Deutschland, einige Entlassungen in den USA …). Die darunter liegende Entwicklung scheint jedoch intakt zu sein: 2018 erwirtschaftete die Smartphone-Bank laut öffentlich einsehbaren Daten Erträge im Umfang von 50 Mio. Euro (siehe hier); 2019 könnten es laut Berechnungen von Finanz-Szene.de sogar um die 100 Mio. Euro gewesen sein (siehe hier). Zur Einordnung: Damit wäre das Fintech vier Jahre nach seiner Gründung schon bei einem Viertel dessen, was die Comdirect an Erträgen ausweist.

Das Wichtigste aber: Gerade im Hinblick auf einen etwaigen IPO muss man nicht nur auf die absolute Performance von N26 schauen – sondern darauf, wie sich das Unternehmen im Vergleich zu seinen beiden europäischen Hauptrivalen schlägt. Auf die merklichen Wachstumsschmerzen von Revolut hatten wir jüngst ja schon hingewiesen (siehe hier). Über Monzo wiederum berichtete die „Financial Times“ am Wochenende, im Zuge der vor dem Abschluss stehenden neuen Funding-Runde drohe die Bewertung im 40% auf nur noch 1,25 Mrd. Pfund zu sinken.

Zur Einordnung: N26 hat bei der jüngsten 91-Mio.-Euro-Runde seine Bewertung von rund 3,2 Mrd. Euro verteidigt. Das mögliche Kalkül der Berliner könnte es sein, von den großen europäischen Challenger-Banken am besten durch die Corona-Krise zu kommen – um dann in einem möglichen Aufschwung als erste Fintech-Bank den Weg an die Börse zu suchen. In einem Interview Ende März hatte Tayenthal das grundsätzliche IPO-Vorhaben bekräftigt, allerdings einen explizit weiten Zeithorizont genannt: „An unseren Plänen eines möglichen IPOs in vier bis fünf Jahren hat sich wegen der Corona-Krise nichts geändert“, erklärte er damals.

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