Exklusiv

N26 verliert den nächsten namhaften Manager

3. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die Smartphone-Bank N26 verliert einen weiteren namhaften Manager. Gerrit Glaß, der als „International Strategy & Operations Lead“ zuletzt die angestrebte Markteinführung in Brasilien betrieb, hat das Berliner Milliarden-Fintech bereits Ende März verlassen und stattdessen als „Head of Banking“ bei einem aufstrebenden kalifornischen Finanz-Startup namens Nomad angeheuert, wie seinen Social-Media-Profilen zu entnehmen ist.

Auf Anfrage von „Finanz-Szene.de“ bestätigte Glaß den Wechsel und begründete ihn mit persönlichen Erwägungen. Bei N26 hätte der 29-Jährige planmäßig ins Berliner Headquarter zurückkehren sollen. „Ich möchte aber aus privaten Gründen weiterhin in Brasilien bleiben“, so Glaß. Diese Möglichkeit bietet ihm Nomad. Denn das Fintech hat zwar seinen Hauptsitz in den USA. Seine digitalen Banking- und Investment-Lösungen sind allerdings in erster Linie auf brasilianische Kunden zugeschnitten. Entsprechend wird Glaß für Nomad auch nicht von Kalifornien, sondern von Sao Paulo aus arbeiten. N26 wollte sich zu der Personalie nicht äußern. Aus dem Umfeld des Finanz-Startups hieß es, Glaß habe keine Personalverantwortung gehabt und sei daher intern auch nicht als Mitglied des Management-Teams geführt gewesen.

Die Demission von Glaß (der Anfang 2019 vom Berliner Rivalen Finleap zu N26 gewechselt war) fügt sich ein in einge ganze Reihe von personellen Veränderungen beim größten und wertvollsten deutschen Fintech. So waren in den vergangenen Monaten unter anderem die Abgänge von COO Martin Schilling, Technikchef Patrick Kua, Chefjurist Robert Kilian und US-Chef Nicolas Kopp bekannt geworden. Für Aufsehen hatte vor allem die Personalie Kopp gesorgt. Schließlich galt der US-Mann nicht nur als Weggefährte und Vertrauter von Gründer Valentin Stalf, sondern auch als Schlüsselmanager für die internationale Expansionsstrategie von N26.

Tatsächlich ist ebendiese Expansionsstrategie zuletzt merklich ins Stocken geraten. So hatte N26 bereits im Februar (also vor Ausbruch der Corona-Pandemie) den Rückzug aus Großbritannien angekündigt. Auch der Marktstart in Brasilien wurde verschoben. War zunächst von „Ende 2020“ die Rede gewesen, ist der Launch nun offiziell für 2021 geplant – wobei N26-Manager Georg Hauer zuletzt mit (laut N26 nicht korrekt wiedergegebenen) Äußerungen in der „Financial Times“ für Spekulationen gesorgt hatte, vor dem Hintergrund der Corona-Krise könnte womöglich auch dieses Datum gefährdet sein.

Immerhin: Von Glaß‘ neuem Arbeitgeber Nomad hat N26 in Brasilien zumindest keine frontale Konkurrenz zu befürchten. Denn anders als N26 (und das brasilianische Mega-Fintech Nubank) will Nomad seine Kunden nicht im Massengeschäft, sondern im gehobenen „Mass Affluent“-Segment gewinnen.

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