N26 will 150 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken

9. April 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die deutsche Fintech-Branche schwenkt endgültig in den Krisenmodus. Wie am Donnerstagmittag bekannt wurde, setzt auch die milliardenschwere Challenger-Bank N26 vor dem Hintergrund der Corona-Pademie auf Kurzarbeit. In einer Pressemitteilung der Berliner Vorzeige-Startups heißt es: „Wir rechnen temporär mit 150 Personen in Kurzarbeit verteilt auf mehrere Standorte, zum Beispiel in den Bereichen Office Management, Marktforschung, Office IT, Marketing und Operations.“ Weiter heißt es: „Dadurch können wir diese Mitarbeiter auch über die Krise hinaus langfristig im Unternehmen halten.“

Finanz-Szene.de hatte gestern Abend bereits von anderen deutschen Fintechs berichtet, die Teile der Belegschaft in Kurzarbeit geschickt haben. Von einem namhaften Startup erfuhren wir: „Aufgrund der Corona-Pandemie sind einige Kollegen temporär in Kurzarbeit. In einigen Bereichen fällt aktuell nicht so viel Arbeit an, um alle Mitarbeiter zu 100% auszulasten. Darum mussten wir uns zu diesem Schritt entscheiden. Es betrifft beispielsweise Kollegen aus Bereichen wie Recruiting oder Design. Natürlich mit dem Ziel dies schnellstmöglich wieder zu beenden.“

N26 selber hatte gestern auf Finanz-Szene.de-Anfrage, ob Kurzarbeit angemeldet oder geplant sei oder wenigstens in Betracht gezogen werde, ausweichend reagiert. Die schriftliche Stellungnahme lautete: „N26 hat keine Kurzarbeit angemeldet. Wir beobachten die aktuellen Entwicklungen sehr genau und werden jeweils die beste Entscheidung für Mitarbeiter, Kunden und Unternehmen treffen.“ Ein Sprecher entschuldigte die – nun ja – zumindest in die falsche Richtung führende Aussage am heutigen Donnerstag damit, dass man erst die Belegschaft habe informieren wollen.

In der heutigen Pressemitteilung begründet N26 den Gang in die Kurzarbeit explizit mit „geringeren Transaktionsvolumen“, „weniger Anfragen im Kundenservice“, „temporären Büroschließungen“ und dem „Wegfall von Reisetätigkeiten“. An anderer Stelle der PM heißt es explizit, man könne „klare Veränderungen im Zahlungsverhalten“ sehen. Und weiter:

„Durch die derzeitigen Ausgangs- und Reiserestriktionen geben Menschen insgesamt weniger Geld aus. Nicht nur kurzfristig, sondern auch mittelfristig werden die Konsumausgaben gerade in den von COVID-19 schwer betroffenen Ländern stark rückläufig sein. Dies führt unter anderem zu Rückgängen bei den Kontoumsätzen in der gesamten Bankbranche. Als Bank mit starkem Geschäft in ganz Europa müssen wir uns an die Auswirkungen, die das Coronavirus auf das Leben der Menschen hat, anpassen.“

N26 stellt heraus, dass die Maßnahmen „frühzeitig“ erfolgten, „um nachhaltig gut positioniert zu sein und aus der heutigen Lage gestärkt hervorzugehen – unabhängig davon wie lange die weltweite Wirtschaftskrise tatsächlich dauert. Beispielsweise haben wir in den vergangenen Wochen alle externen Verträge auf potentielles Effizienzpotential überprüft und entsprechend angepasst.“ Ob mit dieser Aussage zum Beispiel auch die Mietverträge gemeint sind, haben wir bei N26 nachgefragt.

Zum Ende der Mitteilung schließlich heißt es noch: „N26 ist ein Gründer-geführtes Unternehmen. Aus Solidarität gegenüber den Mitarbeitern wird das N26 Executive Team daher bis Ende des Jahres auf 25 % der Vergütung verzichten.“

Erstes deutsches Fintech meldet wegen Corona Kurzarbeit an

 

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