Exklusiv

NRW.Bank steigt beim KMU-Kreditportal Compeon ein

28. Januar 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Die aktuelle Funding-Welle in der deutschen Fintech-Branche hat nun auch den ersten Kreditanbieter erreicht. So injizieren die NRW.Bank und weitere Investoren laut exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de insgesamt 15 Mio. Euro in das KMU-Finanzierungsportal Compeon. Das Düsseldorfer Startup gilt mit einem vermittelten Volumen von zuletzt rund 400 Mio. Euro der hiesige Marktführer in dem Bereich. Interessant (und aus Sicht mancher Geschäftsbank vielleicht auch ein bisschen pikant): Die NRW.Bank ist nicht nur Investor bei Compeon, sondern über ihre Förderkredite auch Akteur auf der Compeon-Plattform.*

Mit der Funding-Runde sendet Compeon ein klares Signal in den Markt, die Corona-Krise bislang besser zu verkraften als das möglicherweise der ein oder andere Wettbewerber tut (zur covid-bedingten Krise der Kredit-Fintechs siehe z.B. hier, hier und hier). Gleichwohl zeigen Recherchen von Finanz-Szene.de, dass die Rheinländer zuletzt durchaus den ein oder anderen Rückschlag zu verkraften hatten. So wurden die beiden Anfang 2019 eröffneten Standorte in Stuttgart und Hamburg mittlerweile geschlossen; stattdessen beschränkt sich Compeon nun wieder auf seine beiden Stammsitze in Düsseldorf und im Münsterland. Hinzu kam ein zuletzt merklicher personeller Aderlass – was sich unter anderem darin spiegelt, dass bei Linkedin momentan für Compeon nur mehr 68 Mitarbeiter ausgewiesen werden. Vor einem Jahr waren es derselben Quelle zufolge noch 81 Beschäftigte.

Gemessen an den immensen Problemen anderer Kredit-Fintechs (zur Erinnerung: Finiata und Funding Circle Deutschland zogen sich 2020 komplett vom hiesigen Markt zurück …) dürfte Compeon trotzdem vergleichsweise gut dastehen. Oder anders ausgedrückt, nämlich in Zahlen: Nach eigenen Angaben haben die Düsseldorfer seit dem Marktstart 2015 Finanzierungen im Umfang von aggregiert 1,4 Mrd. Euro vermittelt. Im Vergleich zum Vorjahr ging das Geschäft im Corona-Jahr 2020 zwar zurück, wie Gründer und CEO Frank Wüller im Gespräch mit Finanz-Szene einräumte – allerdings „tatsächlich nur leicht“. Und auch lediglich gemessen am Volumen. „Die Anzahl unserer Vermittlungen haben wir Vergleich zu 2019 sogar gesteigert“, so Wüller. Das leicht gesunkene Volumen begründet er damit, dass „die ein oder andere investive Finanzierungsmaßnahme im Corona-Umfeld pausiert oder geschoben wurde und stattdessen Liquiditätshilfen stärker gefragt waren.“

Konkrete Angaben zu den Erträgen macht das Fintech keine. Näherungsweise müssten sich diese allerdings errechnen lassen: Geht man davon aus, dass von je 1 Mio. Euro vermitteltem Kredit ganz, ganz grob 15.000 Vermittlungsprovision bei Compeon landen, dann hätte das Startup im vergangenen Jahr Erträge von rund 6 Mio Euro. erwirtschaftet. Nicht überragend. Aber im Peer-Group-Vergleich doch weiterhin ordentlich. Zur Einordnung: Zumindest sehr entfernt lässt sich Compeon mit dem börsennotierten Frankfurter KMU-Kredit-Fintechs Creditshelf vergleichen. Creditshelf „arrangierte“ 2020 Darlehen in Höhe von knapp 100 Mio. Euro; die Erträge dürften – zieht man letzte Prognosen und Vorjahreszahlen heran – ungefähr im Bereich 7 bis 8 Mio. Euro gelegen haben.

Geschäftsführer Wüller kündigte gegenüber Finanz-Szene.de an, mit den frischen Mitteln „die Marktführerschaft konsequent ausbauen“ zu wollen. Zum Einstieg der nordrhein-westfälischen Landesförderbank sagte er: Als einer der führenden Mittelstandsförderer in Deutschland ergänzt die NRW.Bank unseren Gesellschafterkrei in einem wichtigen Aspekt, denn Fördermittel stellen im Finanzierungsmix mittelständischer Unternehmen nicht erst seit Corona eine wichtige Finanzierungssäule dar.“

Tatsächlich tummeln sich sowohl die KfW als auch etliche Landes-Förderbanken schon länger auf Portalen wie Compeon oder Fincompare (die Berlinern gelten als wichtigster Wettbewerber von Compeon). Für die Förderinstitute sind solche Plattformen ein Schaufenster, mit dem sie ihre Produkte direkt an den Endkunden adressieren können – auch wenn natürlich weiterhin das Durchleitungsprinzip gilt, das besagt, dass Förderbanken nur indirekt Kredite vergeben dürfen, also über eine Geschäftsbank. Nicht auszuschließen, dass man bei der ein oder anderen Bank bzw. Sparkasse die enge Verquickung von NRW.Bank und Compeon mit Argwohn betrachtet. Schließlich stehen Geschäftsbanken und Förderinstitute ja mitunter auch in einem zumindest latenten Wettbewerb zueinander. Und, nur zur Erinnerung: Als die KfW vor einigen Jahren begann, aggressiv in TV-Werbung zu investieren, wurde das von manchem Geschäftsbanker als Kampfansage verstanden.

Zu welcher Bewertung die NRW.Bank bei Compeon einsteigt, wollte Wüller nicht sagen; er bestätigte allerdings, dass in die kommunizierten 15 Mio. Euro auch jene Mittel eingerechnet sind, die das Düsseldorfer Fintech im vergangenen Frühjahr eingesammelt hatte. Weitere „neue“ Investoren sind die VC-Gesellschaft Iris Capital und die Qatar Development Bank. Zudem haben sich Wüller zufolge auch sämtliche Altgesellschafter an der Runde beteiligt, darunter Tengelmann, b-to-v Partners und DvH Ventures. Aggregiert hat Compeon über die Jahre von Investoren nun 35 Mio. Euro erhalten.


*In der ursprünglichen Fassung des Artikels hatten wir von einem „strategischen Investment“ seitens der NRW.Bank gesprochen. Dieser Darstellung widerspricht das Institut.

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