Exklusiv

Penta-Chef erklärt Italien-Expansion für gescheitert

17. Juli 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die Berliner Challenger-Bank Penta, die zuletzt mit gleich zwei erfolgreichen Fundings für Furore sorgte, zieht sich ein halbes Jahr nach dem Launch bereits wieder aus Italien zurück. „Wir müssen uns rückblickend eingestehen, dass der Schritt für uns zu früh kam. Die Expansion hat deutlich mehr Komplexität mit sich gebracht hat, als wir erwartet hatten“, sagte Penta-Chef Marko Wenthin im Exklusiv-Gespräch mit Finanz-Szene.de. „Wir haben darum die Entscheidung getroffen, uns erst einmal wieder komplett auf den deutschen Markt zu konzentrieren.“

Die Enttäuschung, die Penta in Italien erlebte, fügt sich in eine ganze Reihe missglückter Auslandsexpansionen deutsche Fintechs. So hatte N26 im Februar – und also noch vor Ausbruch der Corona-Krise – seinen Rückzug vom britischen Markt bekanntgegeben. Ein anderes Beispiel ist der Münchner Robo-Marktführer Scalable Capital, der sein B2C-Geschäft in Großbritannien nur noch auf Sparflamme fährt und überdies sein Schweiz-Geschäft einstampfte. Daneben gibt es mindestens ein Dutzend dokumentierter weiterer Fälle, in denen namhafte deutsche Fintechs mit ihren Auslandsplänen nicht so vorankamen, wie eigentlich erhofft (siehe unser Stück „Was von den Expansions-Plänen deutscher Fintechs übrig blieb“ neulich).

Was von den Expansions-Plänen deutscher Fintechs übrig blieb

Was den „Fall Penta“ indes von einigen anderen Fintechs abhebt, das ist, wie bemerkenswert offen CEO Wenthin das Scheitern im Gespräch mit Finanz-Szene.de einräumte. Anders als der Berliner Rivale N26, der die Flucht aus UK monokausal (und zumindest in dieser Monokausalität nicht wirklich glaubhaft) mit dem Brexit begründet hatte, erwähnte der Penta-Chef die Corona-Krise überhaupt erst auf explizite Nachfrage: „Mit Covid19 hat unser Rückzug nur insofern zu tun, als ein junges Unternehmen  in konjunkturell schwierigen Zeiten besonders gründlich fragen sollte, worauf es seine Investitionsmittel konzentrieren will. Ursächlich war die Corona-Krise aber nicht.“

Stattdessen führte Wenthin an, dass man die Komplexitäten, die sich durch die Besonderheiten der italienischen Steuergesetze ergaben (zur Erinnerung: Anders als N26 adressiert Penta keine Retailkunden, sondern kleine KMUs …) „schlicht unterschätzt“ habe. Darüber hinaus hätten auch andere Themen wie zum Beispiel das Onboarding und hierbei speziell der Identifizierungsprozess Probleme bereitet. „Unterm Strich ist die Annahme, dass sich unser deutsches Setup per Passporting mit überschaubarem Aufwand auf den italienischen Markt würde übertragen lassen, nicht aufgegangen“, so Wenthin.

Was freilich auch eine Rolle gespielt haben dürfte: Im deutschen Heimatmarkt gehörte Penta zuletzt zu den am schnellsten wachsenden Playern. Hatte die Challenger-Bank im April letzten Jahres (bevor Wenthin CEO wurde)  noch 5.000 Kunden, so sind es inzwischen schon über 20.000 Unternehmen. „Die Probleme, die sich im Italien-Geschäft gezeigt haben, hätten sich mit entsprechenden Mehraufwand sicher allesamt lösen lassen. Vor dem Hintergrund unserer sehr positiven Entwicklung auf dem deutschen Markt erscheint es allerdings sinnig, hierauf jetzt auch erst einmal alle Ressourcen zu verwenden“, so Wenthin.

Die rund 400 italienischen Kunden wurden in dieser Woche – ebenso wie die rund 1000 Interessenten auf der Warteliste – über den Rückzug informiert. Für die fünf Mitarbeiter des Mailänder Penta-Büros gibt es eine Auffanglösung: Sie wechseln geschlossen in die Italien-Dependance von Finleap Connect. Zur Erinnerung: Das ist der letztes Jahr aus der Fusion von Figo und Finreach entstandene neue Open-Banking-Spezialist. Hinter Finleap Connect wiederum steht die gleichnamige Berliner Fintech-Schmiede Finleap, die zugleich seit vergangenem Jahr Mehrheitsgesellschaft von Penta ist.

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