Exklusiv

PKV-Fintech Ottonova hatte Ende 2018 gerade einmal 406 Kunden

19. November 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Irgendwann ist es Roman Rittweger dann zu bunt geworden: „Wir kommunizieren keine Kundenzahlen mehr“, beschied der Ottonova-Chef im Mai dieses Jahres einer Journalistin. Der Hintergrund:  Diverse Medien hatten in den Monaten zuvor immer wieder Spekulationen angestellt, wie viele Kunden das ambitionierte, mit insgesamt 40 Mio. Euro gefundete und 2016 gegründete Münchner Insurtech denn wohl schon gewonnen haben mag. Oder besser gesagt – wie wenige.

Jedenfalls: Ein halbes Jahr hat Rittweger seit einem Gelöbnis durchgehalten. Gestern Mittag musste er seine guten Vorsätze dann aber doch über den Haufen werfen. Da konfrontierte ihn Finanz-Szene.de nämlich mit der wasserdichten Information, dass Ottonova per Ende 2018 exakt 406 Kunden hatte. Eine Zahl, an der es nichts zu rütteln gibt – und die Rittweger dementsprechend auch brav bestätigte. Bevor er rasch hinzufügte: „Seit diesem Zeitpunkt haben wir unsere Kundenzahl allerdings mehr als verzehnfacht. Wir befinden uns nämlich mittlerweile auf steilem Wachstumskurs.“

Oha. Ende 2018 hatte Ottonova erst 400 Kunden. Und jetzt sollen es schon mehr als 4000 sein? Klingt im ersten Moment nicht eben glaubwürdig. Kann bei genauerer Betrachtung aber sehr gut sein.

Um das Ganze mal ein bisschen einzusortieren: Die 400 sind gemessen an Ottonovas selbst formulierten Zielen eine Enttäuschung. Ursprünglich hatte das Zwischenziel für 2018 nämlich „vierstellig“ gelautet. Und bis 2020 wollte das erste deutsche Krankenversicherungs-Fintech sogar bei stolzen 12.000 Kunden sein.

Wobei, und das ist wichtig. Die Planzahlen bezogen sich auf die sogenannten „Vollversicherten“. Heißt: auf Menschen, die sich nicht mehr gesetzlich, sondern komplett privat krankenversichern – und zwar bei Ottonova.

Bei den 406 Kunden per Ende 2018 handelte es sich tatsächlich größtenteils um ebensolche „Vollversicherte“. Inzwischen bietet Ottonova allerdings immer mehr private Zusatzpolicen für gesetzlich Versicherte an – darunter zum Beispiel eine Zahnzusatz-Versicherung, die kürzlich sogar einen Vergleichstest der Stiftung Warentest gewann. Hinzu kommt: Anders als ursprünglich geplant, vertreibt Ottonova seine Policen mittlerweile auch provisionsbasiert, selbst bei den einschlägigen Vergleichsportalen lässt sich das Fintech inzwischen listen.

Vor diesem Hintergrund ist plausibel, dass die Kundenzahl seit dem Jahreswechsel steil angestiegen sein soll. Wobei die entscheidende Frage mithin lautet: Bei wie vielen der mehr als 3500 Kunden, die seit Jahresbeginn bei Ottonova gelandet sein sollen, handelt es sich um „Vollversicherte“? Und wie viele haben lediglich eine Zusatzversicherung abgeschlossen?

Bei dieser Frage freilich schweigt Roman Rittweger dann doch. Gelöbnis ist Gelöbnis.

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