Exklusiv

Raisin gibt erstmals überhaupt einen Einblick in seine Zahlen

1. November 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Das Berliner Fintech Raisin („Weltsparen“) hat der Öffentlichkeit erstmals überhaupt einen Einblick in seine Geschäftszahlen gestattet. Zwar stammen die entsprechenden Werte aus 2017, sind also schon fast drei Jahre alt – eine gewisse Aussagekraft besitzen sie aber dennoch: Mit Umsatzerlösen von 11,9 Mio. Euro lag der Einlagen-Broker zum damaligen Zeitpunkt vor N26 mit 11,0 Mio. Euro und sogar deutlich vor dem direkten Wettbewerber Deposit Solutions („Zinspilot“) mit 5,7 Mio. Euro. Im Vergleich zum unmittelbaren Vorjahr bedeuteten die knapp 12 Mio. Euro ein Umsatzwachstum von 111%.

Die offengelegten Zahlen stützen den Eindruck, dass Raisin zu den potentesten deutschen Finanz-Startups überhaupt gehört (siehe auch unsere Recherche „Welche Fintechs trotz Corona weiterwachsen“ aus dem Oktober). Zwar mutet der in Kauf genommene Cashburn mit insgesamt gut 29 Mio. Euro zunächst beträchtlich an (konkret: Zum Verlustvortrag von 19,3 Mio. Euro gesellte sich ein Jahresfehlbetrag von 9,7 Mio. Euro). Diese Zahl relativiert sich allerdings dadurch, dass der Einlagen-Spezialist zum damaligen Zeitpunkt schon fast 70 Mio. Euro Funding eingesammelt hatte, also über ein Polster von rund 40 Mio. Euro verfügte. Wohlgemerkt: Das war noch alles vor der 100 Mio. Euro schweren Mega-Runde Anfang 2019 war.

Der Raisin-Abschluss liefert über die Umsatzerlöse und die Kapitalausstattung hinaus durchaus noch die ein oder andere interessante Zahl …

  • Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen (in denen sich unter anderem die Marketingkosten verbergen) lagen bei stolzen 10,8 Mio. Euro
  • Der Personalaufwand betrug 4,9 Mio. Euro (rund 70.000 Euro je Mitarbeiter)
  • Die Zahl der Partnerbanken stieg um 12 auf 39

… der Blick in den Kern des Geschäftsmodells bleibt dem Leser jedoch verwehrt – es sei denn, wir haben was übersehen oder waren zu blöd, auf die Schnelle die richtigen Ableitungen zu treffen. So erfährt man weder etwas zu den „Assets under Management“ (sprich: Wie viele Spareinlagen hatte das Fintechs zum damaligen Zeitpunkt an seine zumeiste ausländischen Partnerbanken vermittelt?), noch kommt man der Frage näher, wie hoch die Provisionen sind, die Raisin für diese Dienstleistung kassiert. Auch was die Zahl der Kunden angeht, bleibt der Geschäftsbericht eher vage. So ist von „mehreren zehntausend Neukunden“ die Rede, was zu einem „Anstieg der Kundenzahl um 79%“ geführt habe.

Und ansonten? Noch was für die Connaisseure: Der Net Promotor Score (der die Bereitschaft bestehender Kunden spiegelt, das Produkt weiterzuempfehlen) habe bei 73 gelegen – nach 41 im Jahr zuvor.

Finleap-Venture Billfront wechselt von Solaris zur Raisin Bank

Hier kommt: Verena Thaler, Head of Strategy bei Raisin

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