Exklusiv

Raisin (“Weltsparen”) stampft Geschäftskunden-Angebote ein

5. Mai 2022

Von Christian Kirchner

Das auf die Vermittlung von Spargeldern spezialisierte Fintech Raisin (bekannt für das Portal “Weltsparen”) stampft nach Finanz-Szene-Informationen sein Geschäftskunden-Angebot ein. Sowohl die Vermittlung von Spareinlagen als auch die betriebliche Altersvorsorge auf ETF-Basis werden für Business-Kunden nicht länger angeboten. Das geht aus einer Finanz-Szene vorliegenden Kundenanschreiben sowie Angaben des Unternehmens auf Nachfrage hin vor. Ein Sprecher begründete die Einstellung als “strategische Entscheidung”. Raisin wolle den Fokus künftig aus Privatkunden legen. Die Retail-Angebote unter den Weltsparen, Raisin und Zinspilot seien nicht betroffen.

Nachdem Raisin 2013 als Plattform nur für Privatanleger gestartet war, öffnete das Fintech seine Tages- und Festgeld-Angebote 2017 auch für Geschäftskunden. Auch wenn keinen Kundenzahlen genannt werden, deutet vieles darauf hin, dass das Geschäft mit den Business-Kunden nie wirklich Fahrt aufnahm – trotz zwischenzeitlich verkündeter Kooperationen mit den Business-Banking-Neobanken Penta (2020) und Qonto (2021). Tatsächlich hatte sich Penta im vergangenen Jahr ja bereits nach einer Alternativ umgesehen und im Herbst als weiteren Kooperationspartner die SWK Bank präsentiert (siehe auch unser Stück -> Was Penta und die SWK Bank unter “bequem” verstehen). Zuletzt präsentierte sich den Geschäftskunden auf der “Weltsparen”-Plattform nur noch sechs Partnerbanken, zu denen die Kundeneinlagen durchgeleitet wurden – darunter einige kleinere südeuropäische Institute und die Debeka Bausparkasse. Also eher keine Top-Brands.

“Aufgrund des anhaltend niedrigen Zinsumfelds für Geschäftskunden ist es uns nicht gelungen, attraktive Produkte mit kurzfristigen Laufzeiten oder sogar tagesverfügbaren Einlagen anzubieten”, schrieb Raisin gestern Abend den Bestandskunden. Tatsächlich betrug der maximale Zinssatz für einjähriges Festgeld nur 0,15% bei einer Auswahl von nur vier Partnerbanken. Zum Vergleich: Für Privatkunden führt Weltsparen 60 Angebote für einjähriges Festgeld mit bis zu 0,9% Zinsen. Auf Nachfrage ergänzte der Raisin-Sprecher, Geschäftskunden hätten zuletzt aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten einen einen erhöhten Bedarf an kurzfristig verfügbaren Betriebsmitteln gehabt. Daher habe sich die Nachfrage nach längerfristigen Sparprodukten deutlich verringert.

Raisins zweiter großer Rückschlag im Altersvorsorge-Geschäft

In das Geschäft mit der betrieblichen Altersvorsorge war Raisin 2019 zunächst im Zuge einer Kooperation mit dem Insurtech Fairr eingestiegen; bald darauf wurde der Altersvorsorge-Spezialist sogar komplett übernommen (siehe unsere damalige News hier) ein. Das gemeinsame Produkt hieß zunächst „Fairrbav“ und wurde später in “Raisin Pension ETF bAV” umbenannt. So richtig Traktion bekam nach allem, was man hört, allerdings auch das baV-Produkt nie. In Kommunikation und Marketing spielte es nur eine untergeordnete Rolle. Pikant aus Szene-Sicht: Einer der ersten Kunden von “Raisin Pension ETF bAV” war das Berliner Milliarden-Fintech Mambu. Und: Auch mit dem im Zuge der Fairr-Übernahme geerbten Riester-Geschäft hatte Raisin seit der Übernahme 2019 lange Zeit eher wenig Freude – siehe unser Uralt-Stück -> Wie Raisin mit dem Kauf von Fairr in die Riester-Falle tappte. Die bestehenden bAV-Verträge werden nun vom Raisin-Versicherungspartner MyLife Lebensversicherung AG weitergeführt.

Bei den Sparprodukten hat Raisin die bestehenden Vermittlungsverträge (formal agiert die Raisin nur als Vermittler zwischen Kundinnen und Kunden und den Banken) zum 1. Juni 2022 gekündigt. Die bereits abgeschlossenen Festgeld-Produkte laufen bis zum Ende der vertraglich vereinbarten Laufzeit mit der ausgewiesenen Verzinsung weiter und werden nach Fälligkeit mit dem Zinsertrag ausgezahlt.

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