Exklusiv

Reimanns stecken 15 Mio. Euro in Münchner Startup-Bank

10. Februar 2020

Von Heinz-Roger Dohms, Finanz-Szene.de, und Arnas Bräutigam, Startupdetector

Die auf die Finanzierung junger Online-Unternehmen spezialisierte Deutsche Handelsbank (DHB) erhält 15 Mio. Euro frisches Kapital. Das geht aus Unterlagen hervor, die Finanz-Szene.de und unser Recherchepartner „Startupdetector“ im Handelsregister entdeckt haben.  Dem Zeichnungsschein zufolge kommt das Geld komplett von dem hinter der Bank stehenden Family Office „Reimann Investors“. Dabei handelt es sich um einen Zweig der bekannten Milliardärsfamilie Reimann. Ein Sprecher des in München ansässigen Instituts bestätigte die Finanzierungsrunde auf Anfrage, wollte darüber hinaus aber keine Stellung nehmen.

Die Deutsche Handelsbank (ein Name, der mit dem, was das Institut tut, nicht wirklich was zu tun hat) war 2014 aus der Deutschen Kontor Privatbank hervorgegangen (keine Ahnung, warum die Reimanns ihren Banken immer Namen geben, die einem Thomas-Mann-Roman entstammen könnten). Das Geschäftsmodell ähnelt dem der Silicon Valley Bank, die vor einem Jahr mit großem medialen Tamtam, aber faktisch doch eher kleinen Ambitionen in Deutschland an den Start gegangen war. Das heißt: Es geht darum, aufstrebende Technologie-Unternehmen jenseits der üblichen Eigenkapital-Fundings zusätzlich mit Fremdkapital zu versorgen, etwa zur Deckung des Working-Capital-Bedarfs. Zu den Kunden der DHB gehören E-Commerce-Spezialisten wie der Brillenhändler „Mister Spex“ oder Fintechs wie Clark.

Exklusiv: Die Silicon Valley Bank kommt nach Deutschland

Ob sich mit dieser Spezialisierung hierzulande wirklich Geld verdienen lässt, ist unklar. Bei der Deutschen Handelsbank – die per Ende 2017 auf einen Bilanzverlust von 26 Mio. Euro kam – fällt jedenfalls auf, dass sie mit dem Ausbau ihre Geschäftsvolumens eher schleppend vorankommt. So hieß es im Oktober 2018, das damals 230 Mio. Euro dicke Kreditbuch solle bis 2021 auf „über eine Milliarde Euro“ ausgebaut werden, wie der damalige CEO Daniel Kreis seinerzeit dem „Handelsblatt“ sagte. Mitte 2019 waren es aber erst 300 Mio. Euro. Wie viel es aktuell sind, will das Institut nicht verraten. Im Herbst verkündete die Handelsbank darüber hinaus einen eher unerwarteten Wechsel auf der Chefposition. Anstelle von Kreis führen nun der frühere HVB-Manager Frank Schlaberg und der Ex-Investmentbanker Jens Munk als Co-CEOs das Institut. Damals hieß es, dass zumindest CFO Michael Eberhardt der Bank erhalten bleiben. Den Finanz-Szene.de-Recherchen zufolge ist aber auch er mittlerweile ausgeschieden.

Die jetzt vollzogene Kapitalerhöhung war eigentlich früher erwartet worden. So hatte Ex-Chef Kreis bereits in besagtem „HB“-Interview im Herbst 2018 von einer geplanten Finanzierungsrunde gesprochen; im März 2019 war dann in der gleichen Zeitung zu lesen, die DHB wolle Details zur Eigenkapitalerhöhung „zu Beginn des zweiten Quartals bekanntgeben“ (also binnen weniger Wochen). Zu dieser Bekanntgabe kam es aber weder im April noch im Mai noch in den Monaten danach. Das Einzige, was sich dem Handelsregister entnehmen lässt: Im zweiten und dritten Quartal setzte Reimann Investors mehrere kleinere Finanzspritzen, deren Dosis (gemessen an der Bewertung der aktuellen Runde) allerdings nur im sechs- oder allenfalls niedrigen siebenstelligen Bereich gelegen haben dürften.

Der Umstand, dass das Family Office sämtliche Kapitalmaßnahmen allein gestemmt hat, hat angeblich nichts damit zu tun, dass keine weiteren Investoren gefunden worden wären. Die neuen CEOs hätten es bevorzugt, den Gesellschafterkreis in der jetzigen Phase noch nicht für externe Investoren zu öffnen, ist zu hören. Stellung nimmt die Bank hierzu nicht. Rechnet man den Preis, den die Reimanns für die neu begebenen Anteile bezahlt haben, auf sämtliche Anteile hoch, ergibt sich für die Deutsche Handelsbank eine Bewertung von 70 Mio. Euro. Das freilich ist (zumal es bislang keine weiteren Gesellschafter gibt) eine dann aber doch sehr theoretische Betrachung.

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