Exklusiv

Robo Advisor sind bei den Assets wieder auf Vorkrisen-Niveau

19. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die führenden deutschen Robo Advisor haben den Corona-Crash laut einer Finanz-Szene.de-Umfrage deutlich besser überstanden als bislang bekannt. So verwalten große Anbieter wie Scalable Capital, Cominvest oder Quirion inzwischen wieder ähnlich hohe Mittel wie vor dem Ausbruch der Krise Ende Februar – sprich: Kursbedingte Rückgänge konnten durch die Akquise neuer Anlegergelder weitgehend kompensiert werden. „Der schwierige Monate war in der Tat der März. Seit April sehen wir wieder komplett normale Zuflüsse“, sagt zum Beispiel Scalable-CEO Erik Podzuweit. Bein Verfolger Cominvest (hinter dem die Comdirect steht) heißt es: „Ende Februar waren wir bei den AuMs auf einen Rekordhoch – und genau das haben wir per Mitte Mai auch wieder erreicht.“

Konkret bat Finanz-Szene.de sechs führende B2C-Robos um die Zahlen einmal per 29. Februar und dann per 15. Mai. Darüber hinaus fragten wir, inwieweit die Differenz zwischen beiden Werten auf Kursveränderungen zurückzuführen war – und inwieweit auf Zu- oder Abflüsse. Schließlich baten wir die Unternehmen, den Effekt regelmäßiger Einzahlungen (etwa durch  Sparpläne) zu beziffern. Wichtig: Wir stellen allen Anbieter explizit frei, statt der vollständigen AuMs lediglich die Differenzbeträge zu nennen – gegebenenfalls auch nur prozentual. Zudem galt: Robo Advisor, die bei der Befragung nicht mitmachen wollen, werden in dem Artikel auch nicht genannt. Dadurch wollten wir verhindern, dass sich Anbieter unter Druck gesetzt fühlen – und womöglich falsche Angaben machen.

Hier die Auskünfte der einzelnen Anbieter (in alphabetischer Reihenfolge):

Cominvest (Comdirect)

  • Wie hoch waren die Assets under Management per 29. Februar? Gut 650 Mio. Euro
  • Wie hoch waren die Assets under Management per 15. Mai? Gut 650 Mio. Euro
  • Wie viel von der Veränderung war marktbedingt, wie hoch waren die Nettozu- oder Abflüsse? Treiber waren die Nettomittelzuflüsse, die marktbedingte Performanceeinbußen ausgeglichen haben.
  • Welchen Anteil machten hierbei regelmäßige Einzahlungen z.B. in Form von Sparplänen aus? Keine Angaben

Quirion

  • Wie hoch waren die Assets under Management per 29. Februar? 404 Mio. Euro
  • Wie hoch waren die Assets under Management per 15. Mai? 412 Mio. Euro
  • Wie viel von der Veränderung war marktbedingt, wie hoch waren die Nettozu- oder Abflüsse? Die Zuflüsse lagen bei 44,7 Mio. Euro. Die Entnahmen im gleichen Zeitraum bei 19,8 Mio. Euro. Wir hatten also einen Nettomittelüberschuss von 24,9 Mio. Euro
  • Welchen Anteil machten hierbei regelmäßige Einzahlungen z.B. in Form von Sparplänen aus? Da wir monatlich ein Sparplanvolumen von aktuell rund 2,5 Mio. Euro einziehen (jeweils zum Monatsersten), machen die regelmäßigen Einzahlungen in diesem Zeitraum rund 7,5 Mio. Euro aus.

Robin (Deutsche Bank)

  • Wie hoch waren die Assets under Management per 29. Februar? Ein gut dreisteller Millionenbetrag
  • Wie hoch waren die Assets under Management per 15. Mai? Um 0,6% höher als am 29. Februar
  • Wie viel von der Veränderung war marktbedingt, wie hoch waren die Nettozu- oder Abflüsse Wir haben in dem genannten Zeitraum Nettozuflüsse von 4% verzeichnet.
  • Welchen Anteil machten hierbei regelmäßige Einzahlungen z.B. in Form von Sparplänen aus? Im Schnitt kommt jeder vierte Euro, der uns zufließt, aus einem Sparplan

Scalable Capital

  • Wie hoch waren die Assets under Management per 29. Februar? Knapp über 2,2 Mrd. Euro
  • Wie hoch waren die Assets under Management per 15. Mai? Knapp über 2 Mrd. Euro
  • Wie viel von der Veränderung war marktbedingt, wie hoch waren die Nettozu- oder Abflüsse? Die Veränderung war nahezu ausschließlich marktbedingt. Der Nettozuwachs betrug 1,7%
  • Welchen Anteil machten hierbei regelmäßige Einzahlungen z.B. in Form von Sparplänen aus? 1,5%

Bleibt die Frage, warum die Robo Advisor ihre Asset-Basis trotz Corona-Crash einigermaßen konstant halten konnten? Folgende Erklärungen bieten sich an:

  1. Dem Absturz in der zweiten und dritten Märzwoche folgte eine relativ schnelle Erholung in der vierten. Das ist (für den Moment) ein Unterschied zur Finanzkrise 2007-2009, als sich der Kursverfall über anderthalb Jahre hinzog – und selbst Anleger, die der Wertminderung ihrer Portfolien monatelang zusahen, irgendwann entnervt verkauften.
  2. Denkbar, dass die Robo Advisor eine vergleichsweise aufgeklärte Klientel ansprechen, bei der (zwischenzeitliche) Kursverluste psychologisch eingepreist sind
  3. Einzelne Anbieter könnten davon profitiert haben, wenn sie in Vergleichstest im Verhältnis zu anderen Robo-Advisern vergleichsweise gut abgeschnitten haben
  4. Darüber hinaus ist aus der Branche zu hören, die „Performance“ der Robo-Gattung insgesamt sei besser gewesen, als es die reine Wertentwicklung (auf die sich die Vergleichstest i.d.R. kaprizieren) nahegelegt habe. So wird zum Beispiel bei der Deutschen Bank explizit der „Value at Risk“ (VaR) als ein Faktor genannt, der die Kunden überzeugt habe. Ein Sprecher sagt: „Trotz des heftigsten Absturzes, den die Märkte je gesehen haben, wurden alle Vorgaben zur Risikotragfähigkeit unserer Kunden (VaR) eingehalten.“

Zur Wahrheit gehört freilich auch: Alles in allem liegt die deutsche Robo-Branche bei ihren „Assets under Management“ weiterhin deutlich hinter einstigen Prognosen zurück. Und dass ein verwaltetes Vermögen von ein paar hundert Mio. Euro nicht ausreicht, um profitabel zu arbeiten, steht auch fest. Indes: Hätte man den Robos Mitte März gesagt, im Mai würden sie da stehen, wo sie jetzt stehen – die Robos hätten sofort unterschrieben.

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