Exklusiv

Samwers und Berliner Volksbank steigen bei Fintech SMACC aus

11. März 2020

Von Heinz-Roger Dohms, Finanz-Szene.de, und Arnas Bräutigam, Startupdetector.de

Das Buchhaltungs-Fintech SMACC hat nach Recherchen von Finanz-Szene.de und Startupdetector.de eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen – verliert aber einige seiner prominentesten Investoren. So haben die beiden Samwer-Vehikel „Rocket Internet Capital Partners“ und „GFC Global Founders Capital“ ihre Anteile ebenso veräußert wie die Berliner Volksbank. Das Gleiche gilt für den mit Rocket verbandelten Risikokapital-Fonds Picus Capital. Die Neuordnung des Cap-Tables datiert noch aus dem vergangenen Herbst, wurde allerdings kürzlich erst im Handelsregister vermeldet. Die Beteiligten selber hatten über die Transaktionen offenbar Stillschweigen vereinbart.

Die SMACC-Gründer Uli Erxleben und Janosch Novak begründeten das Revirement gestern auf Anfrage von Finanz-Szene.de mit einer weitgehenden strategischen Neuausrichtung ihres Unternehmens. Die Geschäftsidee des in Kleinmachnow nahe Berlin beheimateten Startups läuft im Kern darauf hinaus, mithilfe künstlicher Intelligenz Buchhaltungsprozesse zu vereinfachen. Als Zielgruppe hatte SMACC (ausgesprochen „Smäck“ und gegründet Mitte Juli 2015) zunächst Kleinbetriebe mit vielleicht 10-20 Mitarbeitern ins Visier genommen. Neben dem eigentlichen digitalen Accounting-Tool unterhielt die junge Firma in der Anfangszeit  ein „Shared Service“-Center, dessen Mitarbeiter die Kunden bei der Buchhaltung unterstützen sollten.

„Vom Kundenwachstum her waren wir damit ziemlich erfolgreich, auch bei den Erlösen sind wir relativ schnell auf ein vernünftiges Niveau gekommen“, berichtet Erxleben. Aber: „Die Services ließen sich nicht so stark automatisieren wie erhofft, darum haben wir mit diesem Geschäft letztlich kein Geld verdient.“ Darum entschieden sich Erxleben und Novak 2018 zu einem radikalen Schritt: „Wir haben unser Angebot zum einen auf ein komplett neues Zielsegment ausgerichtet, nämlich auf Mittelständler mit Umsätzen im zwei- oder teilweise sogar dreistelligen Millionenbereich“, erzählt Novak. Parallel habe man einzelne selbstentwickelte Technologie-Komponenten in eine neues Startup namens Hypatos ausgelagert; inzwischen erwirtschafte diese Firma sogar höhere Umsätze als SMACC selber. Erxleben sagt: „Dass einzelne Investoren ausgeschieden sind, hatte damit zu tun, dass sie diesen Pivot nicht mitgehen wollten. Dafür haben andere Geldgeber gefunden, die von den Maßnahmen absolut überzeugt waren.“

Zu den Details der Funding-Runde wollten sich Erxleben und Novak nicht äußern.  Allerdings spricht neben dem Ausstieg der Promi-Investoren noch ein weiteres Indiz dafür, dass die Bewertung eher nicht durch die Decke gegangen sein dürfte, und zwar: Die Zahl der Gesellschaftsanteile schwoll im Zuge der Transaktion von rund 51.000 auf knapp 136.000 an. Das hatte unter anderem zufolge, dass Erxleben und Mitgründer Novak (obwohl sie sogar noch einige der Altanteile von anderen Gesellschaftern übernahmen) kräftig verwässert wurden. Hielten sie vor dem Funding noch fast 40% an ihrem Unternehmen, so sind es laut Berechnungen von Finanz-Szene.de und Startupdetector jetzt nur noch rund 23%.

Für das Mitte 2015 gegründete Fintech spricht gleichwohl, dass sich überhaupt neue Investoren gefunden haben – die zwar weniger prominent sind als die Aussteiger, aber trotzdem nicht uninteressant. So liegen den Handelsregister-Auszügen zufolge zum Beispiel jetzt 16% bei einer „Jacob Island Capital GmbH“, deren Geschäftsführer ein gewisser Peter Aukamp ist. Eine naheliegende Mutmaßung wäre, dass es sich dabei um jenen Peter Aukamp handelt, der bis vor einigen Monaten als „Head of Corporate Finance EMEA Central“ der Deutschen Bank firmierte.

Eine Linkedin-Anfrage bei Aukamp blieb gestern Nachmittag unbeantwortet, auch Erxleben und Novak wollten sich zu dem Sachverhalt nicht äußern. Das Interessante: Die Deutsche Bank pflegt in ihrem Firmenkunden-Geschäft eine lose Kooperarion mit SMACC, siehe die Deutsche-Bank-Website (einfach „SMACC“ in die Wortsuch-Funktion eingeben, dann sehen Sie, was wir meinen, liebe Leserinnen und Leser). Allerdings stellte die Deutsche Bank gegenüber Finanz-Szene.de klar, dass man kein darüber hinausgehendes Engagement bei SMACC eingegangen sei.

SMACC hatte Mitte 2016 eine Finanzierungsrunde über 3,5 Mio. Euro verkündet. Ende 2017 gab es „Northdata“ zufolge eine weitere Kapitalmaßnahme, die allerdings öffentlich ebensowenig kommuniziert wurde wie die jetzige Runde.Wenn wir aus dem Bauch heraus eine Schätzung abgeben dürfen, wie hoch das aktuelle Funding ausgefallen ist, dann würden wir sagen: Irgendwas im unteren bis mittleren einstelligen Millionenbereich. Erxleben und Novak wollten das nicht kommentieren.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing