Exklusiv

Scalable Capital macht in UK nur 120.000 Pfund Umsatz

11. November 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Der größte deutsche Robo Advisor Scalable Capital hat sein Großbritannien-Geschäft signifikant heruntergefahren. Das zeigen Recherchen von Finanz-Szene.de. Im vergangenen Jahr kam die dortige Tochter des Münchner Fintechs unseren Informationen nach gerade mal auf operative Umsätze in Höhe von 120.000 Pfund – umgerechnet gut 130.000 Euro.

Zur Einordnung: Scalable finanziert sich im B2C-Geschäft komplett über Gebühren, die bei 0,75 % des verwalteten Vermögens liegen. Zieht man hiervon Umsatzsteuer und Depotbank-Kosten ab, bleiben als Netto-Marge vielleicht noch 0,4% übrig. Damit dürfte Scalable Capital 2018 in Großbritannien im Schnitt also gerade mal Assets in Höhe von grob gerechnet 30  Mio. Pfund verwaltet haben. Hierzulande – das zum Vergleich – kommt Scalable mittlerweile auf rund 1,8 Mrd. Euro.

Die enttäuschenden Zahlen sind ein Beleg für die These, dass sich das Kundeninteresse in der digitalen Vermögensverwaltung bislang in vielen Ländern auf sehr wenige, meist heimische Wettbewerber konzentriert. Genau von diesem Mechanismus profitiert Scalable Capital (auch dank einer Vertriebskooperation mit der deutschen ING)  hierzulande massiv. In Großbritannien hingegen scheinen es die dortigen Marktführer Nutmeg und Moneyfarm zu sein, die die „Winner takes it all“-Effekte auf sich vereinen. Hinzu kommt:  Aufgrund des Brexits gilt Großbritannien unter Anbietern von Investmentprodukten momentan ohnehin als schwieriges Terrain.

Erst letzte Woche war bekannt geworden, dass sich Scalable Capital aus der Schweiz zurückzieht – wofür Gründer Erik Podzuweit regulatorische Gründe verantwortlich machte. Die Probleme in Großbritannien wiegen allerdings deutlich schwerer. Denn während die Münchner in der Schweiz lediglich ein Crossborder-Produkt anboten (mit der deutschen Baader als Depotbank und denominiert in Euro …), sind sie in London mit einer eigenständigen Tochtergesellschaft unterwegs. Und waren dort 2016 eigentlich auch sehr ehrgeizig an den Start gegangen.

Es heißt allerdings, im Zuge der Verwerfungen rund um den Brexit hätte Scalable beschlossen, die dortigen Aktivitäten drastisch zu reduzieren, um sich stattdessen erst einmal auf den deutschen Markt zu konzentrieren. Die Logik dahinter: Mit demselben Marketing-Budget gewännen die Münchner hierzulande deutlich mehr Asset als in Großbritannien. Ein Rückzug sei gleichwohl kein Thema, ist zu hören. Wohl auch, weil sich Scalable mit der Unterstützung seines Kerninvestors Blackrock inzwischen auch als Whitelable-Partner für Banken positioniert  – und vermutlich auch in UK entsprechende Kooperationen anstrebt.

Tatsächlich scheinen die eigenen Investoren das maue Großbritannien-Geschäft nicht allzu dramatisch zu sehen: Im August hatten Blackrock, Holtzbrinck Ventures und Tengelmann Ventures weitere 25 Mio. Euro in Scalable investiert – zu einer deutlich höheren Bewertung von nunmehr rund 290 Mio. Euro.

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