Scalable macht Ex-ING-Diba-Vorstand Krebs zum CFO

14. September 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Der Münchner Robo Advisor Scalable Capital macht den früheren ING-Diba-Vorstand Martin Krebs zum neuen Finanzchef – eine Personalie, die schon allein deswegen spannend ist, weil es sich bei dem 52-Jährigen um den bislang prominentesten Bankmanager handelt, der in operativer Funktion bei einem der großen deutschen Fintech anheuert. Krebs war insgesamt zehn Jahre lange Vorstand bei der deutschen ING. Zuletzt firmierte er dann als „Global Head Retail Investment Products“ der gesamten ING-Gruppe. In dieser Zeit fällt auch die weitreichende Vertriebskooperation zwischen Scalable und der ING Diba (siehe u.a. hier, hier und hier). Bei Scalable Capital wird Krebs in Zukunft gemeinsam mit den beiden Gründen Florian Prucker und Erik Podzuweit die Geschäftsführung bilden. „Martin hat schon Fintech gemacht, als es den Begriff noch gar nicht gab. Ich könnte mir kaum einen besseren Manager für uns vorstellen“, wird Podzuweit in einer gestern versandten Pressemitteilung zitiert.

Bei Lichte betrachtet dürfte es freilich nicht nur die Fintech-Expertise sein, die Martin Krebs für Scalable Capital interessant macht. Denn: Bevor er 2003 zur damaligen ING Diba wechselte, war Krebs ingesamt zwölf Jahre lang für Goldman Sachs (wo sehr viel später übrigens auch Prucker und Podzuweit arbeiteten) und schließlich JP Morgan tätig. Noch als JP-Morgan-Banker beriet er Anfang 2003 die ING Diba bei der Übernahme des Konkurrenten Entrium (das war die ehemalige Quelle Bank). Während des New-Economy-Booms hatte Krebs darüber hinaus an den Börsengängen der Consorsbank und der DAB Bank mitgewirkt.

Mit anderen Worten: Man liegt sicherlich nicht völlig falsch, wenn man in der Personalie Krebs ein Indiz sieht, dass Scalable auf mittlere Sicht (sagen wir: 2-3 Jahre) an die Börse streben könnte. Unter ganz ähnlichen Voraussetzungen hielt zuletzt ja auch N26 Ausschau nach einem neuen Finanzchef, siehe unseren Scoop von Ende Mai. Plus: Aufgrund seiner M&A-Erfahrung dürfte Krebs auch der passende CFO sein, falls Scalable Capital bei einer etwaigen Konsolidierung der europäischen Robo-Branche (erinnert sei an die Vamoo-Übernahme durch Moneyfarm) eine aktive Rolle spielen will.

Abwarten bleibt, ob im Zuge der Krebs-Personalie weitere prominente Banker die Seite wechseln. Bislang gibt es erst wenige entsprechende Beispiele, zu den bekanntesten gehören bzw. gehörten Holger Hohrein (ehemaliger Comdirect-Vorstand, von 2017 bis März 2020 COO bei Deposit Solutions) und Roland Folz (Ex-MD Deutsche Bank, seit 2017 Chef der Solarisbank). Üblicher ist es bislang noch, dass sich frühere Top-Banker in beratender oder allenfalls semi-operativer Rolle bei Fintechs engagieren, siehe etwa die neue Rolle von Ex-HRE-Chef Axel Wieandt bei Auxmoney.

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