Fintech-Jobboom-Serie (#2)

Smava konsolidiert – Mondu, Billie und Modifi wachsen rasant

7. Juni 2022

Von Georgia Hädicke und Julian Kügelgen

Wenn Berlins Fintechs dieser Tage überlegen, ihre Belegschaften zu reduzieren, dann auch, weil sie diese Belegschaften über die zurückliegenden ein, zwei Jahre rasant ausgebaut haben.

Zu rasant? Dieser Frage geht Finanz-Szene in der mehrteiligen “Fintech-Jobboom-Serie” nach. Heute Teil II: die Lending-Startups.

Mini-Boom bei “Buy now, pay later”

Die hiesigen Finanzierungs-Startups kommen laut unserer Linkedin-Auswertung auf rund 1.600 Mitarbeiter. Das ist etwa ein Zehntel des deutschen Fintech-Sektors insgesamt. Und es sind ungefähr so viele Mitarbeiter, wie N26 ganz allein hat (siehe Teil eins dieser Serie -> “Zu schnell zu groß? Die Mitarbeiterzahl der deutschen Neobanken“).

Nun haben die vergangenen Wochen ja gezeigt, dass es per se kein Zeichen der Stärke ist, viele Mitarbeiter zu haben – besonders dann nicht, wenn es Investoren plötzlich verstärkt um Profitabilität geht. Das Kreditvergleichsportal Smava (das uns erst kürzlich durchaus imposante Umsatzzahlen vorlegt hatte, siehe hier) hat im Zuge des Zusammenschlusses mit Finanzcheck kräftig konsolidiert und kommt inzwischen auf 17% weniger Beschäftigte als noch vor zwei Jahren. Ähnlich ist der Trend in der KMU-Finanzierung: Weder die ING-Tochter Lendico noch die börsennotierte Creditshelf sind personalseitig zuletzt noch gewachsen.

Dagegen haben die BNPL-Spezialisten Billie (+43%) und Mondu (>1000%) kräftig aufgestockt – wobei der prozentuale Vergleich natürlich insofern hinkt, als Mondu erst 2021 offiziell gelauncht hat. Nun sind die beiden deutschen Fintechs mit ihren zusammengenommen rund 250 Mitarbeitern immer noch seeeeeeehr klein, gemessen an dem schwedischen 7.000-Mitarbeiter-BNPL-Schwergewicht Klarna. Aber immerhin. Und sie kamen zuletzt noch an Fundings: Mondu hat just die zweitgrößte Fintech-Finanzierungsrunde des Jahres hingelegt (siehe hier). Billie wiederum hatte im Oktober des vergangenen Jahres 100 Mio. Euro eingeheimst (siehe hier).


Weitere Datenpunkte:

  • Auxmoney hat im Zuge des Corona-Krise deutlich verloren, zuletzt aber wieder etwas aufgestockt
  • Bonify hat über die zurückliegenden 24 Monate jeden sechsten Mitarbeiter verloren
  • Modifi wächst erstaunlich schnell (+133% in zwei Jahren)
  • Crosslend hält zumindest das Niveau

Hier die nach Größe sortierten Beschäftigtenzahlen der Finanzierungs-Startups im Überblick (Stand April 2022):

Unternehmen Beschäftigte insgesamt Beschäftigungsdauer (Median) Wachstum über 1 Jahr* Wachstum über 2 Jahre*
smava** 306 2,7 -5 % -17 %
auxmoney 181 3 6 % -9 %
Billie 156 1,3 30 % 43 %
Lendico 148 2 -6 % 6 %
CrossLend 81 2,3 8 % 3 %
MODIFI 77 0,9 48 % 133 %
Mondu 77 0,3 > 1000 % > 1000 %
CRX Markets 66 2,8 8 % 6 %
COMPEON 65 2,7 -8 % -27 %
creditshelf 64 2,3 5 % -14 %
Finiata 45 2,3 -25 % -21 %
FinCompare 41 1,5 -28 % -42 %
Traxpay 38 2,3 -5 % 3 %
Bonify 34 1,6 -6 % -17 %
Finmatch 33 1,3 -8 % n/a
Debitos 26 n/a n/a n/a
Acatus 25 n/a n/a n/a
re:cap Technologies 25 n/a n/a n/a
Vexcash 19 n/a n/a n/a
Billfront 17 n/a n/a n/a
DEBTVISION 17 n/a n/a n/a
CAPTIQ 16 n/a n/a n/a
VC Trade 13 n/a n/a n/a
Spotcap 11 n/a n/a n/a
GIROMATCH 10 n/a n/a n/a
firstwire 7 n/a n/a n/a
Cashcape 4 n/a n/a n/a

Quelle: Eigene Recherche, basierend auf Linkedin-Unternehmensangaben


*Nettowachstum, Zu- und Abflüsse saldiert

**ohne Finanzcheck

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