Exklusiv

Berliner Kredit-Vergleichsportal Smava entlässt rund 100 Mitarbeiter

Die Entlassungswelle in der deutschen Fintech-Branche geht weiter. Laut exklusiven Informationen von Finanz-Szene trennt sich das auf die Vermittlung von Verbraucherkrediten spezialisierte Berliner Vergleichsportal Smava von einem Zehntel seiner nach letzten Angaben knapp 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Belegschaft wurde gestern in Kenntnis gesetzt. Wie es heißt, sollen praktisch alle Bereiche betroffen sein – also beispielsweise die IT genauso wie das Marketing.

Nach Klarna, Trade Republic oder auch Bitpanda ist Smava das nächste namhafte Finanz-Startup, dass sich in größerem Umfang von Mitarbeitern trennt. Die Kündigungen werfen allerdings nicht nur ein Schlaglicht auf die momentanen Probleme der Berliner Fintech-Szene (siehe dazu unseren jüngsten Podcast mit Ramin Niroumand -> „Nach dem Crash. Wie es für die deutsche Fintech-Branche weitergeht“). Sondern: Sie dürften auch ein Indiz sein, dass die schwierige wirtschaftliche Gesamtlage früher oder später zu einer ernsten Belastung für das Geschäft mit Konsumentenkrediten werden könnte – ein Markt, der laut Bundesbank-Angaben zuletzt auf ein Gesamtvolumen von 233 Mrd. Euro kam und in dem sich hierzulande etliche große Player tummeln, von den beiden Verbünden bis hin zu großen Auslandsbanken wie der Santander oder der Targobank.

Die Banken werden restriktiver – mit Folgen für Portale wie Smava

Dabei ist die Nachfrage nach Verbraucherkrediten laut Aussagen aus der Branche weiterhin hoch. So konstatierte der „Bank Lending Survey“ der Bundesbank zuletzt sogar einen steigenden Kreditbedarf – auch weil sich viele Menschen angesichts steigender Lebenshaltungskosten zunehmend schwertun, ihre Ausgaben allein aus ihrem Haushaltseinkommen zu finanzieren. Zugleich gaben die Banken in der Umfrage allerdings zu Protokoll, dass die Kreditwürdigkeit der Interessenten tendenziell abnehme (logisch, wenn das verfügbare Einkommen abnimmt).

Folge: Die Vergabestandards werden verschärft, der Anteil vollständig abgelehnter Kredite nimmt zu. Vergleichsportale wie Smava oder Check dürften von dieser Entwicklung momentan zwar noch nicht ganz so stark betroffen sein, weil sie ihre Kunden, wenn diese bei einer Bank abgelehnt werden, immer noch zu einer anderen routen können. Indes: Je mehr Banken bei der Kreditvergabe restriktiver werden, desto schwerer tun sich auch die Vermittler, ihren Geschäftsumhang aufrechtzuerhalten.

Schon unter der Corona-Krise hatten die Kredit-Vergleichsportale besonders gelitten. Der Hamburger Anbieter Finanzcheck, der später von Smava geschluckt wurde, gehörte damals zu den ersten Fintechs, die Mitarbeiter freistellte (siehe unser damaliges Stück -> „Corona: Erstes hiesiges Fintech entlässt in größerem Stil Leute“). Im Zuge des Zusammenschlusses von Smava und Finanzcheck mussten im April letzten Jahres dann abermals rund 50 Beschäftigte gehen (siehe hier). Trotzdem konnten die Berliner den Abstand zum Marktführer Check24 – bezogen rein auf das Geschäft mit Konsumentenkrediten – zuletzt verringern. Im Exklusiv-Interview mit Finanz-Szene hatte Smava-Chef Alexander Artopé im Mai erstmals seit Jahren wieder Ertragszahlen genannt. Demnach kam das 2007 gegründete Fintech im vergangenen Jahr auf Erträge in Höhe von 162 Mio. Euro. Zur Einordnung: Den Umsatz von Check24 in dem Bereich schätzen wir auf sehr grob 200 Mio. Euro.

In etwa auf N26-Niveau: Smava nennt erstmals Ertragszahlen

Finanz-Szene geht ab Oktober hinter die Paywall ...

... Kommen Sie mit? Jetzt Premium-Abonnent werden und Frühbucher-Rabatt sichern. Als Monatsabo, Jahresabo – oder als Corporate-Abo für ausgewählte Mitarbeiter.

To top