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Sparkasse statt Fintech: Das sind die „Hausbanken“ der Startups

6. Mai 2020

Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de) und Philipp Jonetzko (Startupdetector)

Die meisten Startups hierzulande setzen bei der Wahl ihrer Bank weiterhin auf klassische Geldinstitute wie Sparkassen, Volksbanken oder die Deutsche Bank. Das zeigt eine Analyse des Branchenportals „Startupdetector“ in Zusammenarbeit mit Finanz-Szene.de. Die sogenannten Challenger-Banken spielen derweil kaum eine Rolle – mit einer Ausnahme, nämlich dem Berliner Konto-App-Anbieter Penta. Zwar taucht auch Penta bei Startups, die älter als ein Jahr sind, noch fast gar nicht auf. Beschränkt man die Untersuchung allerdings auf 2019 gegründete Firmen, dann liegt die Finleap-Tochter schon auf Augenhöhe mit Sparkassen und Volksbanken – und sogar vor der Deutschen Bank und der Commerzbank.

Als Kriterium der Analyse diente, auf welche Konten jenes Geld fließt, das Startups bei ihren Finanzierungs-Runden einsammeln. Für die Auswertung untersuchte „Startupdetector“ sämtliche Kapitalerhöhungen junger deutscher Unternehmen zwischen Anfang Dezember 2019 bis Mitte März 2020. Insgesamt kam es in diesem Zeitraum zu 772 Finanzierungsrunden. Bei exakt 150 dieser Fundings ließ sich dem Handelsregister entnehmen, auf welches Konto die Investoren das frische Kapital einzahlen sollten. In 44 Fällen handelte es sich dabei um eine Bankverbindung bei einer Sparkasse, in 33 Fällen war es die Deutsche Bank, 21-mal lag das Konto bei einer Volks- oder Raiffeisenbank, 16-mal bei der Commerzbank.

„Auch wenn die Ergebnisse nicht repräsentativ sind, so erscheinen sie dennoch belastbar“, sagt Arnas Bräutigam, der Gründer von „Startupdetector“. Es gebe zwar Fälle, in denen jungen Firmen von Notaren geraten werde, für Kapitalerhöhungen ein separates Konto einzurichten. Das sei aber eher die Ausnahme. Und selbst wenn es passiere, „dann wird das zweite Konto in der Regel bei der Hauptbankverbindung eröffnet, weil so ein weiteres KYC bei einer anderen Bank entfällt“, so Bräutigam. Daher könne man davon ausgehen „dass es sich bei den in den Handelsregister-Unterlagen genannten Banken in den meisten Fällen um die Hauptbank des Startups handelt.“

Als „Startup“ definiert wurden Unternehmen, die per Ende 2019 maximal zehn Jahre alt waren – also frühestens 2010 gegründet wurden. Untersucht man die zehn Jahrgänge jeweils einzeln, dann lassen sich interessante Entwicklungen ablesen (auch wenn die jeweiligen Grundgesamtheiten dann doch so klein sind, dass man mit Generalisierungen vorsichtig sein muss):

  • Sparkassen und Volksbanken halten ihre „Marktanteil“ über praktisch alle Jahrgänge hinweg oder bauen ihn sogar aus
  • Bei Startups, die bis 2017 gegründet wurden, flossen die meisten Kapitalerhöhungen auf Konten bei der Deutschen Bank. Beim 2019er-Jahrgang fiel das größte Geldhaus des Landes allerdings deutlich zurück (wobei natürlich möglich ist, dass es sich hierbei um einen Ausreißer handelt)
  • In den Millionenstädten Berlin, Hamburg, München und Köln hat die Deutsche Bank mit 32% den größten Marktanteil – im Rest Deutschlands spielt sie dagegen fast gar keine Rolle. Dort kommen die Sparkassen und Volksbanken zusammen auf 60% Marktanteil
  • Die Commerzbank hält ihren „Marktanteil“ relativ konstant
  • Die HVB gewann 2018 und 2019 ungefähr in dem Maße hinzu, wie die Deutsche Bank verlor
  • Und dann ist da das besagte Berliner Startup Penta (das zum Berliner Company Builder Finleap gehört und das im Grunde nur ein Frontend bietet, hinter dem die Infrastruktur des ebenfalls Berliner Whitelabel-Fintechs Solarisbank steht): Von den 32 Kapitalerhöhungen 2019 gegründeter Startups flossen deren sieben (und mithin ein Anteil von 22%) auf Penta-Konten.

Gleichwohl scheint Penta die einzige Challenger-Bank zu sein, die bei Startups – jedenfalls, was die Hauptbankverbindung angeht – eine ernsthafte Rolle spielt. So entfiel auf die Fidor Bank nur eine einzige der 150 Finanzierungsrunden, die sich explizit zuordnen ließen. Die Deutsche Handelsbank (also den Münchner Startup-Finanzierer) und die vergangenes Jahr mit einem kleinen Frankfurter Büro gestartete Silicon Valley Bank sucht man in der Liste sogar vollends vergeblich. Das Gleiche gilt für Startup-Banken Holvi und Kontist. Das liegt in deren Fällen allerdings daran, dass sie sich auf Freiberufler und Selbständige fokussieren und man als GmbH, GbR oder sonstige Körperschaft dort gar kein Konto eröffnen kann. Was im übrigen auch auf das „Business“-Angebot von N26 zutrifft.

Ein letzter interessanter Punkt: Während die insgesamt acht Penta-Startups den Bereichen Software (2x), Lebensmittel, Umwelttechnologie, Immobilien, Medizin, Dienstleistung und Blockchain entstammen, setzen ausgerechnet die in der Liste aufgeführten Fintechs auf klassische Banken. Und zwar:

  • Nufin: Hypo-Vereinsbank
  • Crosslend: Deutsche Bank
  • Baobab Payment: Hypo-Vereinsbank
  • xPay: Donner & Reuschel
  • Troy: Sparkasse Lippstadt
  • Trade Republic: HSBC Trinkaus
  • Receeve: Commerzbank
  • Authada: Commerzbank

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