Exklusiv

Steht Stephan Heller bei Fincompare vor dem Absprung?

22. März 2021

Von Heinz-Roger Dohms

„Today is my last day as a Berliner.“ So begann der Post, den Stephan Heller, Gründer und CEO von Fincompare, neulich bei Linkedin ablud. Wegen des Lockdowns und der funktionierenden „Remote“-Arbeit habe er das vergangene Jahr überwiegend bei seiner Familie in München verbracht, schrieb Heller. Und also nicht in Berlin, wo seinen Unternehmen sitzt. „Ich habe diese Zeit sehr genossen. Und so habe ich entschieden, vollständig nach München zurückzukehren.“

Es war definitiv ein Abschied. Aber war es nur der Abschied aus Berlin? Oder wollte Stephan Heller seinen Followern zwischen den Zeilen noch etwas anderes mitteilen? Nämlich dass auch das Fincompare-Kapitel bald endet?

Stephan Heller, muss man dazu wissen, ist ein Entrepreneur unter Entrepeneuren, der Prototyp des angriffslustigen, aber mitunter auch etwas, nun ja, unsesshaft wirkenden Startup-Menschen. Zählt man all die Adressen zusammen, bei denen Heller in den vergangenen 15 Jahren anfangs als „Intern“, „Consultant“, „Analyst“ und „Manager“ und später dann als „Gründer“, „Angel“ und „Geschäftsführer“ mitgemischt hat, dann kommt man ausweislich seines Lebenslaufs auf nicht weniger als siebzehn. Auf Social Media stellt sich der immer noch erst 34-Jährige wie folgt vor: „Entrepreneur, investor and in love with building ideas & tech companies.“

Heller enstammt wie auch andere Fintech-Unternehmen der E-Commerce-Branche, er war „Head of Merchant Marketing“ bei Groupon in Europa und gründete dann das Uhren-Startup „Watchmaster“. 2017 launchte er Fincompare, eine Vergleichs- und Vermittlungsplattform für SME-Kredite, und landete schon ein Jahr später einen bemerkensweren Erfolg: Die niederländische ING Groep und weitere Investoren statteten Fincompare mit rund 10 Mio. Euro Wachstumskapital aus, zum damaligen Zeitpunkt eine der größten Series-A-Runden überhaupt hierzulande.

„In love with building ideas“ – diese Leidenschaft merkte man Heller regelrecht an. Dann aber kam die Corona-Krise, und die traf Kredit-Fintechs wie Fincompare tendenziell hart. Zwar hatten die Berliner das Glück, unmittelbar vor Einbruch der Pandemie bei Investoren noch einmal 12 Mio. Euro einzusammeln, anscheinend als Wandeldarlehen. Die ganz große Kracher-Runde allerdings war das nicht. Linkedin wies zuletzt 63 Mitarbeiter für Fincompare aus, verglichen mit 72 vor einem Jahr. Nicht dramatisch. Aber es roch dann halt doch eher nach vGründer-Alltag als nach Gründer-Lust.

Hellers Post endete wie folgt:

„Munich is a beautiful city, full of great entrepreneurs, startups and a vibrant tech ecosystem. Something I always thought only Berlin had to offer. I want to contribute to that and help build the startupecosystem in Munich and Bavaria.“

Das klingt – offen gesagt – eher nicht so wie das Statement eines Remote-CEOs, der von München aus ein Berliner Fintech großmachen will. Stattdessen passt das Statement auffalllend gut zu einem Artikel, der dieser Tage im „Silicon Republic“-Magazin erschien. Darin ging es um die Deutschland-, oder genauer: um die München(!)-Pläne von „Intel Ignite“, dem Accelerator des US-Halbleiterspezialisten Intel. Elf Absätze lang ist in dem Artikel vom Ingnite-„General Manager“ Zack Weisfeld die Rede, bevor es im zwölften Absatz plötzlich heißt: „Während Weisfeld die globalen Geschäft von Ignite führt, wird Stephan Heller als Managing Director das deutsche Ignite-Programm führen.“

Nun ist in dem Artikel zwar ebenso wenig wie in dem Social-Media-Post die Rede davon, dass Heller bei Fincompare aussteigt; und angeblich ist die Sache zwischen Ignite und Heller auch noch gar nicht finalisiert. Allerdings, so erzählte es uns gestern eine Quelle mit solider Kenntnis von der Gemengelage: Die Zeichen stünden tendenziell auf Trennung.

Heller selbst wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

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