Fintech-Ticker

CFOs wechseln wie wild. Und der KMU-Kreditmarkt teilt sich. Alle Fintech-News aus dem Juli

In unserem Fintech-Ticker halten wir Sie über die (vor allem deutschen) Finanz-Startups auf dem Laufenden.

Hier unser Ticker mit sämtlichen Meldungen aus dem Juli:

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N26 bis Solaris, Mambu bis Baader, SWK Bank bis Flatex: Überall wechseln die CFOs

Mag sein, dass es sich um eine zufällige Häufung handelt. Aber eine Häufung ist es – und zwar eine massive. Beginnen wir mit der Baader Bank. Die hat just vorletzte Woche den Abgang ihres Finanzchefs Dietmar von Blücher verkündet. Oder nehmen wir die SWK Bank. Dort geht Finanzchef Richard Groeneveld. Und gestern nun: die Meldung, dass FlatexDegiro seinen langjährigen (und erst kürzlich zum Vize-CEO und COO umfirmierten) Finanzchef Muhamad Chahrour verliert. Drei digitalaffine Banken. Drei scheidende CFOs. Binnen kürzester Zeit … Ist das noch Zufall, oder steckt mehr dahinter? FS Premium

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Der Boom, der nie einer wurde: Das Scheitern der „Decoupled Debitcards“

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Kurz getickert

  • Das „Supply Chain Finance“-Fintech CRX Markets (siehe unser Porträt hier) gewinnt offenbar signifikant an Traktion. Im ersten Halbjahr erwirtschafteten die Münchner nach eigenen Angaben einen Umsatz von 5,5 Mio. Euro – rund zwei Drittel mehr als im Gesamtjahr 2021 (Finance Magazin/Paywall)
  • Bei N26 ist Ersatz für den im März ausgeschiedenen Risikovorstand Thomas Grosse gefunden – und zwar in Gestalt von Carina Kozole, die (wie übrigens auch N26-Aufsichtsrätin Barbara Roth) bislang bei der Hypo-Vereinsbank Karriere gemacht hat, zuletzt als „Head of Credit Risk Operations“. Grosses Interims-Nachfolger, der frühere BayernLB-Banker Jan Stechele, soll ebenfalls dauerhaft im Vorstand der Berliner Neobank bleiben.
  • Nochmal N26: Die Brasilien-Tochter der Berliner Neobank baut laut lokalen Medien rund 20 Jobs ab – was etwa 15% der dortigen Belegschaft entspricht. Auf Anfrage bestätigt das Fintech lediglich eine „Verkleinerung“ des Teams.
  • Der auch hierzulande aktive niederländische N26-Herausforderer Bunq hat in einer Funding-Runde weitere rund 45 Mio. Euro erhalten

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Wie Scalable Capital die Sparplan-Raten seiner Kunden nach oben drückt

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Modifi, Teylor & Co: Ist das jetzt die digitale Revolution im Kreditgeschäft?

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Kurz getickert

  • Nachdem Verbraucher ihren „Schufa-Basis-Score“ seit einigen Tagen bei der Schufa-Tochter Bonify einsehen können, schießen die Download-Zahlen des Berliner Fintechs nach oben. Am Mittwoch belegte die Bonify-App in den Apple-Charts unter allen Finanz-Apps schon Rang 2 (siehe den Bericht bei Finance Fwd) – gestern ging es an Paypal vorbei sogar ganz nach oben.
  • Der Berliner Baufinanzierungs-Vermittler Hypoport weist für das zweite Quartal bei privaten Immobilienkrediten ein Transaktionsvolumen von 13 Mrd. Euro aus – was verglichen mit dem unmittelbaren Vorquartal einem nochmaligen Rückgang von 3% entspricht (wobei Hypoport betont, bereinigt um Feiertage sei das tägliche Durchschnittsvolumen um 5% gestiegen).

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Was hat die Schufa mit Bonify vor – außer die Welt zu verbessern?

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Kurz getickert

  • Das auf Lieferketten-Finanzierung spezialisierte Berliner Fintech Modifi (hier unser Unternehmens-Dossier) erhält eine Refi-Linie in Höhe von 100 Mio. Dollar – und zwar von der HSBC Innovation Banking, also der früheren Silicon Valley Bank.
  • Das um eine Bafin-Lizenz buhlende Berliner Trading-Fintech Lemon Markets holt nach Ex-N26-Bank-Chef Markus Gunter einen weiteren erfahrenen Banker in die Geschäftsführung – nämlich den früheren BNP-Paribas-Deutschland-Manager Dirk Schlömer. (Finance Forward)

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Wie es bei N26 nach der neuerlichen Bafin-Ohrfeige weitergeht

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Kurz getickert

  • Die Berliner Neobank N26 will die jüngst verlängerten Wachstums-Beschränkungen der Bafin innerhalb der nächsten Monate loswerden. „Unser Ziel ist es, spätestens zum Jahreswechsel keine Auflagen mehr zu haben. Wir arbeiten aber daran, dass dies früher passiert“, sagte Gründer Maximilian Tayenthal dem „Handelsblatt“ (Paywall).
  • Das Münchner Payment-Fintech Ivy (das sich vereinfacht gesagt auf API-Lösungen für Account-to-Account-Zahlungen versteht) hat in einer Seed-Runde bemerkenswerte 7 Mio. Euro erhalten – unter anderem von Creandum.

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Sparkassen beenden Kooperation mit Identity-Dienst Verimi/Yes

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15 Mrd. Euro!!! Warum große Fintechs wie Scalable auf Kosten kleinerer Fintechs wachsen

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Warum das Retail-Brokerage trotz PFOF-Verbot eine Wildwest-Welt bleibt

Das Wertpapiergeschäft ist eine ziemliche Wildwest-Welt. Nicht mal unbedingt, was das Verhältnis zwischen Banken/Brokern auf der einen Seite und dem Endkunden auf der anderen Seite angeht. Sondern bezogen auf das, was dahinter passiert. Also in jener Welt, in der die Banken und Broker (also die Comdirects und FlatexDegiros und Trade Republics und Scalable Capitals) höchstselbst die Kunden sind. Nämlich der Börsen. Der sonstigen Handelsplätze. Und – nicht zu vergessen! – der Produktanbieter. In dieser Welt, so viel weiß man inzwischen, fließt das Geld oft auf die wildeste Weise hin und her. Wobei von außen schwer ersichtlich bleibt, wer eigentlich wen wofür bezahlt. Und wer umgekehrt was wofür kassiert. Genau daran wiederum begann sich irgendwann die Politik zu stören. Zumindest die in Brüssel. Weil sie nämlich fürchtete, dass unter den Zuständen in der Wildwest-Welt letztlich auch die Außenwelt leidet – also jene scheinbar heile Welt, in der sich die Endkunden bewegen. Nun argumentierten sich die Banken und Broker (oder jedenfalls wenigstens die Neobroker) zwar den Mund fusselig, dass diese Furcht völlig unbegründet sei. Allein – es half nichts: Der wilde Westen wird jetzt reguliert! Nämlich mittels „Payment for Order Flow“-Verbots! Alles klar also??? Von wegen!!! Denn: Von außen mag es zwar so aussehen, als seien die Dinge jetzt geregelt. Innerhalb der Wildwest-Welt allerdings hat längst das große Tuscheln, Rechnen und Interpretieren begonnen: Welche Zahlungen fallen wirklich unter das PFOF-Verbot? Und welche (Ha!!!) vielleicht auch nicht? Ein Einblick in die Gemengelage: FS Premium

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Solaris schließt 38-Mio.-Funding ab – und verliert seine Operations-Chefin

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Kurz getickert

  • Bei dem Kontowechsel-Dienstleister, der den Datendiebstahl bei Deutsche Bank und Postbank zu verantworten hat (siehe weiter unten), handelt es sich – wie in unserem gestrigen Newsletter schon vermutet – um die Arvato-Tochter Majorel (und noch genauer: um deren Portfolio-Unternehmen KWS Kontowechsel Service GmbH). „Unser Cybersecurity-Team hat die Sicherheitslücke nach Bekanntwerden unverzüglich geschlossen und alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit unserer Systeme zu gewährleisten. Wir sind unmittelbar in den Austausch mit den betroffenen Kunden getreten, unterstützen sie und haben die zuständigen Behörden informiert“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage von Finanz-Szene. Da die KWS (die unter der Brand „Kontowechsel24“ auftritt) diverse hiesige Banken zu ihren Kunden zählt, sind neben der Deutschen Bank und der Postbank weitere Institute von dem Datenleck betroffen. Laut „Handelsblatt“ zählen dazu die ING Diba und die Comdirect.

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Forward

Bei unserem Partner-Medium „Finance Forward“ lesen Sie dieser Tage unter anderem das hier:

  • Nach der Implosion: Wie der hiesige Ableger der Silicon Valley Bank gerettet werden soll. FFwd
  • Bonn vs. Krypto, die nächste: Die Bafin verweigert Binance die Lizenz. Ffwd
  • Afterpay, Cash App und Verse: Das amerikanische Groß-Fintech Block (ehemals Square) bläst seine Europa-Expansion ab. FFwd

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Datenpanne bei der Deutschen Bank – welches Fintech steckt dahinter?

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Kurz getickert

  • Die zum gleichnamigen Berliner Einlagen-Broker gehörende Raisin Bank hat einen neuen Finanzchef, nämlich Ulrich Sprenzel, bislang in selbiger Position beim Frankfurter Fintech Debitos unterwegs 

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Wussten Sie schon?

… dass Revolut von Kriminellen um rund 20 Mio. Dollar (!) erleichtert worden sein soll? So zumindest berichtet es die „Financial Times“ (Paywall), laut deren Darstellung die britische Neobank bei der Abwicklung von Zahlungstransaktionen offenbar keinen Verdacht schöpfte, wenn Zahlungen abgelehnt wurden – und den Konten die betreffenden Beträge dann einfach aus eigenen Mitteln gutschrieb.

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Trade Republic mit mutmaßlich stärkstem Monat seit mehr als einem Jahr

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KMU-Finanzierer Silvr bekommt frische Refi-Linie – und die deutsche Konkurrenz ist verdächtig still

Ist Ihnen schon aufgefallen, liebe Leserinnen und Leser, dass sich in der digitalen KMU-Finanzierung die ausländischen Player auf der Überholspur befinden? Über die Kooperationen von Iwoca (UK) mit ersten hiesigen Volksbanken hatten wir Sie ja bereits informiert, ebenso wie über die 275-Mio.-Euro-Refinanzierung des stark auf den deutschen Markt ausgerichtete Schweizer Anbieters Teylor. Gestern nun berichtete der französische Finanzierungs-Spezialist Silvr (der hiesige KMU-Endkunden neuerdings über die Banking-App Qonto zu erreichen versucht) ebenfalls über eine frische Funding-Linie – in diesem Fall im Umfang von 200 Mio. Euro. Dagegen die hiesigen Spieler? Bei Creditshelf ist weiterhin unklar, ob sich der Refi-Deal mit Goldman Sachs endlich materialisiert hat oder das wenigstens noch tun wird. Und sonst so? Was früher mal Lendico war, ist ja heute die Business-Banking-Sparte der ING Diba. Dort lag das Finanzierungsvolumen im letzten Jahr bei 286 Mio. Euro. Auch noch nicht die Welt.

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Kurz getickert

  • Die Berliner Immo-Finanzierungs-Plattform Zinsbaustein erhält als erster hiesiger Anbieter eine europäische Crowdfunding-Lizenz.
  • Im Zuge einer Secondary-Transaktion bei der französischen KMU-Bank Qonto sollen sich ungenannte Altinvestoren (darunter auch solche des akquirierten Berliner Konkurrenten Penta) von Anteilen im Umfang von 75-100 Mio. Euro getrennt haben, berichtet „Finance Forward“. Dabei sei die Bewertung um knapp 30% auf 3,3 Mrd. Dollar gesunken.

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Sämtlichen Fintech-Meldungen aus dem Juni

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