Spezialbanken-Ticker

Sämtliche Spezialbanken-News von Dezember 2023 bis Januar 2024

In unserem Spezialbanken-Ticker beleuchten wir all jene Banken, die ansonsten eher wenig beleuchtet werden – von den Sutors bis hin zu den Advanzias, von den Förderbanken bis hin zu den Kirchenbanken, von den Whitelabel-Spezialisten bis hin zu den Auslandsbanken.

Hier unser Ticker für Dezember 2023 und Januar 2024:

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Vergütungs-Serie (#4): Die fast schon frivolen Vorstands-Saläre bei der HCOB

Vermutlich darf man sich Juan Rodríguez Inciarte als sehr beschäftigten Menschen vorstellen. Inciarte, früherer Manager der Chase Manhattan Bank (1978-1981), der Midland Bank (1981-1985) sowie der Santander (1985-2018), hat die 70 zwar überschritten. Er ist allerdings immer noch in der Branche aktiv. Zum Beispiel als Aufsichtsratschef der Hamburg Commercial Bank. Und, was möglicherweise sogar der aufreibendere Job ist – als Vorsitzender des „Vergütungs-Kontrollausschusses“ selbigen Instituts. Nun würde man ja eigentlich annehmen, dass es reicht, wenn so ein „Vergütungs-Kontrollausschuss“, sagen wir, dreimal im Jahr zusammenkommt, und bei der HCOB war das tatsächlich einst so. 2020 allerdings tagte das Gremium gleich achtmal; 2021 sogar neunmal (davon dreimal außerordentlich); und 2022 immerhin sechsmal (davon zweimal außerordentlich). Zum Vergleich: Der Prüfungsausschuss – eigentlich das wichtigere Organ – kam im gleichen Zeitraum mit sechs Sitzungen weniger aus. Nun fragt man sich natürlich, was Herr Inciarte und seine drei Kolleginnen bzw. Kollegen da immerfort zu bekakeln haben. Antwort: Wir wissen es nicht! Die Vermutung allerdings liegt nahe, dass die Gewinnorgie der letzten Jahre (allein 2022 verdiente die frühere HSH Nordbank satte 425 Mio. Euro nach Steuern) ein paar Begehrlichkeiten beim Top-Management geweckt hat. Sehen Sie hier, welche Traumsaläre der damals scheidende CEO Stefan Ermisch und zumindest zwei seiner Vorstandskollegen 2022 kassiert haben: FS Premium

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Kurz getickert

  • Die Landwirtschaftliche Rentenbank hat trotz gesunkenen Neugeschäfts (–14% auf knapp 6 Mrd. Euro) im abgelaufenen Geschäftsjahr kräftig von der Zinswende profitiert – und ihr Betriebsergebnis vor Risikovorsorge und Bewertung um 25% auf 197 Mio. Euro hochgefahren. Kostenseitig kamen dem Förderinstitut sinkende Pensionsausgaben zupass, dafür allerdings stiegen die IT-Aufwendungen abermals an, diesmal um 8 Mio. Euro. Mitteilung

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Exklusiv: Deutsche Fintechs verlieren eine ihrer wichtigsten Refi-Banken

Deutschlands Kredit- und Payment-Fintechs verlieren einen ihrer wichtigsten Refinanzierungspartner – nämlich die NIBC Bank, die ihre hiesigen Corporate-Lending-Aktivitäten in den zurückliegenden Monaten komplett heruntergefahren hat, wie sich aus dem Geschäftsbericht des niederländischen Mutterkonzerns ergibt. Zu den Leidtragenden gehört unter anderem der „Buy now, pay later“-Spezialist Ratepay. Das Berliner Groß-Fintech arbeitete seit 2018 mit der NIBC Bank zusammen und verfügte über eine Finanzierungslinie von zwischenzeitlich bis zu 130 Mio. Euro. Nach Finanz-Szene-Informationen wurde das entsprechende Programm per Ende September 2023 gekündigt.

Auch über Ratepay hinaus war die NIBC Bank mit der Berliner Community eng verwoben. So gehörten die Niederländer zu den frühen Investoren des Company-Builders Finleap und versorgten dessen Lending-Venture Billfront mit Refinanzierungsmitteln. Auch diverse Berliner Fintech-Manager entstammten der NIBC Bank oder waren wenigstens mal für sie tätig – konkret Ex-Solaris-CFO Thom Rasser, Ex-N26-CFO Richard Groeneveld, Iwoca-Deutschland-Chef Fabian Platzen und Recap-CFO Mélanie Dufour.

Der Rückzug von NIBC trifft nicht nur die Fintech-Branche, sondern beispielsweise auch den Leasing-Spezialisten Albis. Dieser setzt laut einem Research-Bericht bei der Refinanzierung stattdessen jetzt auf die NordLB. Angeblich sollen auch weitere hiesige Leasing- bzw. Factoring-Anbieter mit der NIBC kooperiert haben. Bereits bekannt war, dass die NIBC auch das hiesige Leverage-Finance-Geschäft runtergefahren hat; das entsprechende Portfolio war Mitte 2022 bei der OLB gelandert.

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Kurz getickert

  • Der Frankfurter Online-Broker FlatexDegiro gibt erste (noch nicht sehr aussagekräftige) Zahlen für 2023 bekannt. Demnach stieg das verwahrte Kundenvermögen um 31% auf 12,3 Mrd. Euro, zudem habe man allein in Deutschland jetzt mehr als 500.000 Kunden

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Coba forciert Umbau der Privatkunden-Sparte – und stellt „Onvista Bank“ ein

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Kurz getickert

  • Trotz der sich abschwächenden Effekte der Zinswende geht Standard & Poor’s davon aus, dass die deutsche Bankenbranche ihre Eigenkapital-Rendite in diesem Jahr wird steigern können. Der Deutschen Bank, der Commerzbank und der HVB traut die Ratingagentur eine jeweils leichte Verbesserung zu (übrigens auch im kommenden Jahr). Sogar deutlich erholen soll sich die Performance der PBB und der hiesigen Santander, die zuletzt beide geschwächelt hatten.
  • Im November teilte der Smartbroker mit, der Umzug seiner 90.000 Kunden von der DAB BNP Paribas zur Baader Bank sei „erfolgreich“ abgeschlossen. Zwei Monate später zeigt sich: Von einem „Erfolg“ kann man gemessen am Kunden-Feedback nicht mehr wirklich sprechen. Unsere exklusive Recherche: FS Premium

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Kurz getickert

  • Die DWP Bank hat das operative Niveau der beiden Vorjahre in 2023 nicht ganz halten können. Nachdem der Wertpapier-Abwickler der Sparkassen und Volksbanken zuletzt auf 51,5 Mio. (2021) bzw. 52,3 Mio. Transaktionen (2022) kam, reichte es im abgelaufenen Geschäftsjahr lediglich zu 48,1 Mio. Transaktionen. Mitteilung
  • Bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank ist das Neugeschäft im vergangenen Jahr um 14% auf nur noch 5,9 Mrd. Euro gesunken. (BÖZ/Paywall)

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Auch BMW Bank wechselt Core-Banking-Anbieter – geht aber nicht zu Atruvia

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Exklusiv: BdB radikalisiert Sparkurs – und macht hauseigene Abwicklungsbank dicht

Erst schaffte der BdB seine Doppelspitze ab. Später reduzierte er die Zahl seiner Geschäftsbereiche. Und nun – macht der private Bankenverband auch noch die hauseigene Abwicklungsbank dicht. Unsere exklusiven Informationen: FS Premium

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Challenger erleidet Mega-Schiffbruch im deutschen Kreditkartenmarkt

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Kurz getickert

  • Die Bafin zeigt sich zum Jahreswechsel weiter krawallbürstig und brummt 1.) der Frankfurter SECB (das sind die hier) ein 40.000-Euro-Bußgeld auf und 2.) der ebenfalls in Frankfurt ansässigen Stifel Europe Bank (also der ehemaligen Mainfirst) ein Bußgeld über 67.500 Euro. Die Begründung, jeweils: verspätete Einreichung von Finanzinformationen.

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Exklusiv: Münchner Spezialbank zieht sich vom Markt zurück

Die ohnehin nur noch vagen Hoffnungen auf eine Rettung des Bankhauses von der Heydt haben sich zerschlagen. Nach Informationen von Finanz-Szene hat das Spezialinstitut kürzlich sowohl seine Vollbank- als auch seine vorläufige Krypto-Verwahrlizenz zurückgeben. Die letzten Geschäftsverträge würden bis spätestens Jahresmitte abgewickelt, die Gesellschaft danach „geordnet liquidiert“, heißt es. Das Bankhaus von der Heydt hatte in der Vergangenheit notorisch rote Zahlen geschrieben und sich letztlich dann als Krypto-Dienstleister zu etablieren versucht. Beinahe wäre dieser Strategieschwenk in einen erfolgreichen Exit gemündet – der geplante Verkauf an die internationale Krypto-Börse Bitmex scheiterte jedoch, ebenso wie der daraufhin gestartete Versuch, sich an die Herforder Bitcoin Group zu veräußern.

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Bafin versus Förderbanken: Nun rückt die Aufsicht bei der NBank zur IT-Prüfung an

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Exklusiv: DWP Bank beantragt Lizenz als Krypto-Verwahrer

Die DWP Bank sucht trotz der jüngsten Ausbootung durch die Volks- und Raiffeisenbanken (siehe unseren Scoop hier) ihr Heil auch weiterhin im Krypto-Bereich. Neben dem Handel von digitalen Assets will der Frankfurter Wertpapierabwickler in Zukunft auch deren Verwahrung anbieten – und hat nach Informationen von Finanz-Szene eine entsprechende Lizenz bei der Bafin beantragt. Ein entsprechendes internes Projekt wurde schon Ende 2022 gestartet. Der Ausbau des Leistungsspektrums bei digitalen Assets sei „strategisch wichtig zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit“, heißt es im Geschäftsbericht.

Dass inzwischen immer mehr Banken auf eine eigene Krypto-Verwahrlizenz setzen (die Commerzbank hat eine solche zuletzt erhalten, die Deutsche Bank, die DZ Bank und die Deka haben Lizenzen beantragt), ist tendenziell keine gute Nachricht für spezialisierte Verwahr-Dienstleister wie Tangany. Das Münchner Fintech war von der DWP Bank letztes Jahr als Kooperationspartner für die geplante hauseigene Krypto-Handelsplattfom „WpNex“ präsentiert worden. In Frankfurt heißt es, man setze auch künftig auf die Dienste von Tangany. Allerdings sieht es so aus, als könnte sich die Zusammenarbeit auf den Handel mit Krypto-Währungen beschränken. Wenn es um sogenannte Non-Fungible Token (NFTs) oder Krypto-Vermögenswerte geht, will die DWP Bank künftig auf ihre eigene Lizenz setzen.

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Kurz getickert

  • Schelte für die L-Bank: Die Bafin bescheinigt dem baden-württembergischen Förderinstitut Mängel in der IT-Sicherheit sowie im IT-Risikomanagement. Folge: Die Karlsruher Spezialbank soll in Zukunft nicht nur eine „ordnungsgemäße Geschäftsorganisation“ sicherstellen, sondern auch mehr Eigenmittel vorhalten. Der L-Bank zufolge steigt die Gesamtkapital-Anforderung auf 12,5% – wie hoch die Vorgabe bislang war, mag sie allerdings nicht mitteilen. Was auffällt: Das Management bekommt Zeit bis März 2026 (!), um die diagnostizierten Mängel „in enger Abstimmung“ mit der Aufsicht abzuarbeiten. Die Probleme scheinen also doch eher grundsätzlicher Natur zu sein.

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Warum Herr Niehage trotz der Trade-Republic-Zahlen selbstbewusst durch Frankfurt stapfen dürfte 

Durch die Veröffentlichung der Trade-Republic-Zahlen lässt sich erstmals seit Jahren ein seriöser Vergleich zwischen dem Berliner Neobroker und dem Frankfurter Online-Broker FlatexDegiro ziehen. Tun wir also genau das: FlatexDegiro kommt aktuell auf 2,7 Mio. Kunden, ist in dieser Beziehung also jetzt signifikant kleiner als Trade Republic. Zugleich zählt der Platzhirsch allerdings 52 Mrd. Euro Assets – ist in dieser Beziehung also weiterhin deutlich größer. Zu beachten: Anders als die Fintech-Konkurrenz ignorierte Flatex das Zinsrennen, der Cash-Anteil an den Kundengeldern macht entsprechend nur 3,6 Mrd. Euro aus. Was die „investierten AuMs“ angeht, könnte das Verhältnis also immer noch bei fast 50 Mrd. Euro (Flatex) vs. rund 25 Mrd. Euro (Trade Republic) liegen.

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Kurz getickert

  • Die deutschen Retail-Broker haben zum Abschluss eines insgesamt enttäuschenden Geschäftsjahrs 2023 überraschend an Traktion gewonnen. So wurde über die LS Exchange (also über die „Hausbörse“ des Berliner Milliarden-Fintechs Trade Republic) im Dezember ein durchschnittliches Volumen von 235 Mio. Euro pro Handelstag abgewickelt – der stärkste Monatswert seit rund zwei Jahren. Ähnlich starke Datenpunkte kamen gestern von FlatexDegiro. Der Frankfurter Online-Broker kam im Dezember auf 240.000 „umsatzrelevante“ Trades pro Handelstag – die beste Performance seit März. Dazu passend stiegen die Kunden-Assets auf Monatssicht von 49,2 Mrd. auf 51,7 Mrd. Euro (wobei hierin ein Cash-Bestand von 3,6 Mrd. Euro eingerechnet ist, ein Plus von rund 400 Mio. Euro).
  • Die National-Bank Essen hat ihren Zinsüberschuss im abgelaufenen Geschäftsjahr um fast 60% auf 156 Mio. Euro hochgefahren und in der Folge das Vorsteuerergebnis auf gut 76 Mio. Euro verdoppelt – gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme ein Wert von 1,22%. (Mitteilung/PDF)
  • Exklusiv: Die Oldenburgische Landesbank hat sich die europaweiten Rechte an den beiden Wortmarken „OLB Gruppe“ bzw. „OLB Group“ gesichert. Zwar heißt es im Umfeld des Instituts, dass man die Maßnahme zunächst nur vorsorglich getroffen habe. Allerdings könnte der Schritt darauf hindeuten, dass es bei der OLB die Überlegung gibt, die vor der Übernahme stehende Degussa Bank als separate Marke weiterzuführen.
  • Die Umweltbank macht den früheren Comdirect- und Baader-CFO Dietmar von Blücher zum Vorstandschef. Der 50-Jährige soll sein Amt am 15. Januar antreten – ziemlich genau sechs Monate, nachdem sein Abgang bei Baader publik geworden war (sieht also so aus, als hätte der Wechsel damals bereits festgestanden). Von Blücher folgt damit auf Jürgen Koppmann, dessen unvermittelten Abgang das Öko-Institut im November verkündet hatte (siehe unseren Personalien-Ticker)
  • Die deutsch-französische Oddo BHF setzt im Aktiengeschäft auf eine weitere Kooperation – diesmal mit der Wiener RBI. Dabei geht es um Österreich sowie die zentral- und osteuropäischen Märkte.

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Teils riesige Abschreibungen bei den deutschen Kirchenbanken

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Exklusiv: Verwehrt die Bafin Auslandsbanken den Zugang zu Krypto-Lizenzen?

Sie gehören zu den größten Fonds-Verwahrern überhaupt hierzulande. Die BNP Paribas mit einem verwahrten Vermögen von gut 600 Mrd. Euro. Die HSBC Deutschland mit rund 300 Mrd. Euro. Oder die Caceis mit 87 Mrd. Euro Volumen. Nun allerdings drängen einheimische Wettbewerber wie die DZ Bank oder die Deka ins Verwahrgeschäft für Krypto-Assets – und den Auslandsbanken droht aufgrund regulatorischer Besonderheiten ein bedeutender Wettbewerbsnachteil. Hier entlang: FS Premium

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Diese sieben Fragen werden 2024 die GuVs unserer Banken prägen

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League-Tables: Deutsche Bank dominiert Anleihegeschäft – US-Banken alles andere

Die Deutsche Bank verteidigt immerhin einen ihrer beiden Spitzenplätze – während die Commerzbank, die LBBW und Berenberg zwar auftauchen, aber nicht wirklich vorne mitmischen. Hier die frischen League Tables zum deutschen Investmentbanking (in dem auch 2023 wieder die US-Banken dominierten): FS Premium

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Kurz getickert

  • Die Apobank verlängert den Vertrag mit Vorstandschef Matthias Schellenberg „im Frühjahr des kommenden Jahres vorzeitig für weitere fünf Jahre“, wie es im Intranet des Instituts heißt.
  • Die Bawag sortiert ihr Deutschland-Portfolio neu. Während die Österreicher einerseits nach der Hamburger Barclays greifen, verkaufen sie andererseits ihr hiesiges Bauspargeschäft (nämlich die ehemalige „Deutscher Ring“) an Wüstenrot.
  • Deutsche Bank, LBBW und BNP Paribas bringen sich für den geplanten Börsengang des Greentech-Unicorns „1Komma5 Grad“ in Stellung – und finanzieren das Hamburger Startup mit Krediten von bis zu 100 Mio. Euro (HB/Paywall)

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Der seltsame Kurswechsel der Comdirect im Geschäft mit Wertpapier-Krediten

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„Payment for Order Flow“-Verbot lässt Broker-Aktien absacken

Die in der Branche gern vertretene These, dass sich das „Payment for Order Flow“-Verbot auf die Geschäftsmodelle der Retail-Broker letztlich kaum auswirken werde, ist kaum noch zu halten. So sind die Aktien der meisten börsennotierten Player in dem Beritt seit Anfang Juni (also grob gesagt: seit sich das Verbot endgültig abzuzeichnen begann) nochmals deutlich eingesackt. Für Baader ging es seitdem um 24% runter, für Lang & Schwarz um 18% und für die MWB Fairtrade um 35%. Und das, obwohl 1.) der Dax dieser Tage auf Rekordhöhen unterwegs ist und 2.) die genannten Brokerage-Spezialisten ja auch schon vorher kräftig Federn gelassen hatten.

Konkret: Seit dem jeweiligen Höhepunkt zu Zeiten des großen Trading-Booms haben die Aktien von Baader, Lang & Schwarz und MWB nunmehr 70% resp. 85% resp. 88% an Wert verloren. Klar: Dieser Einbruch geht in erster Linie auf den schlichten Umstand zurück, dass besagter Boom nicht angehalten hat. Aber die Debatte ums PFOF-Verbot dürfte schon auch ihr Scherflein beigetragen haben. Zumal ja im Detail weiterhin unklar ist, wie es bei der Umsetzung des Verbots weitergeht und wie die Broker und Börsenbetreiber hierauf zu reagieren gedenken (siehe im Juli unsere Analyse –> „Warum das Retail-Brokerage trotz PFOF-Verbot eine Wildwest-Welt bleibt„).

Interessant: Einer der börsennotierten Aktiengeschäft-Spezialisten kann sich dem allgemeinen Abwärtstrend entziehen, nämlich FlatexDegiro. Aktuell notiert die Aktie des Frankfurter Online-Brokers 21% höher als Anfang Juni. Zwei Entwicklungen dürften hierbei eine Rolle spielen: Zum einen verdient Flatex inzwischen ein Drittel seiner Erträge im Zinsgeschäft. Zum anderen konnte Flatex im September verkünden, dass die Schwierigkeiten mit der Finanzaufsicht Bafin weitgehend ausgeräumt sind – was der zuvor vor allem wegen der Bafin-Probleme gecrashten Aktie wieder Rückenwind verlieh.

Aktie seit Juni 1 Jahr Börsenwert Mio. Euro
Flatex 21% 70% 1180
Baader Bank -24% -24% 154
Lang & Schwarz -18% -22% 74
MWB Fairtrade -35% -63% 20

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Kurz getickert

  • Der Smartbroker will trotz der schmerzhaften Bereinigung seiner Kundendatei (siehe hier) im kommenden Jahr umsatzmäßig wieder zulegen. Während die Berliner im laufenden Jahr mit Erträgen von 46-51 Mio. Euro rechnen (und einem Ebitda um die Null-Linie), wird für 2024 mit einem Umsatzplus von 6 Mio. Euro kalkuliert. Dem Vernehmen nach steht der optimistische Ausblick im Zusammenhang mit dem Wechsel der Depotbank von der DAB BNP Paribas zur Baader Bank. Konkret soll der Smartbroker in der neuen Partnerschaft erheblich stärker an den Zinsgewinnen auf die unverzinsten Kundeneinlagen partizipieren.
  • Und gleich nochmal die MWB Fairtrade Wertpapierhandelsbank – die nämlich geht für dieses Jahr urplötzlich von einem Jahresfehlbetrag „in Richtung von 1,0 Mio. Euro“ aus. Ursache sei „der aufgrund eines individuellen Fehlers entstandene Verlust aus einer Einzeltransaktion im internationalen Bezugsrechtehandel im Umfang von rund 1,4 Mio. Euro“. Upps.
  • Die DWP Bank muss wegen Mängeln im Risikomanagement künftig zusätzliches Eigenkapital vorhalten, wie die Bafin mitgeteilt hat. Nach Angaben des Instituts selbst liegt der Aufschlag bei 0,2%. Das klingt nach wenig – trifft den Frankfurter Wertpapierabwickler (der letztes Jahr bei einer Buchungspanne gut 60 Mio. Euro und damit quasi einen Jahresgewinn verloren hatte) aber zumindest mittelbar an einer wunden Stelle. So geht aus dem Geschäftsbericht hervor, dass es Anfang 2022 bei einer wichtigen Kapitalkennziffer (der sogenannten kombinierten Kapitalpuffer-Forderung „CBR“) an „einzelnen Arbeitstagen“ zu „temporären Unterschreitungen“ der Vorgaben gekommen ist.

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Das große FAQ zum drohenden Aus für die Restschuld-Versicherung

Als die spanische Santander im Sommer von einem Gewinneinbruch in ihrem Deutschland-Geschäft berichtete und dies explizit mit der „Fee Capping Regulation“ begründete – da gab man sich im Umfeld der Mönchengladbacher Tochter eher unwissend. Was denn mit „Fee Capping Regulation“ gemeint sei? Ob damit nicht naheliegenderweise der Provisions-Deckel bei der Restschuld-Versicherung gemeint sein müsste? Und ob man ungefähr beziffern könne, für welchen Anteil am Gewinneinbruch denn die „Fee Capping Regulation“ verantwortlich sei? Alles Fragen, auf die man am Niederrhein keine Antworten geben wollte. Wozu passt, dass man zuletzt auch von der Targobank keine Auskunft erhielt, was denn hinter den riesigen Abschreibungen steckt, die die französische Mutter zuletzt auf ihre Düsseldorfer Tochter vorgenommen hat (für alle, die den Artikel gestern nicht gelesen haben: In Teilen werden die Abschreibungen im Geschäftsbericht ebenfalls mit dem Provisions-Deckel begründet). Dazu muss man nun wissen: Sonderlich transparent waren die großen Konsumenten-Finanzierer hierzulande noch nie. In diesen Wochen allerdings gehen die Rollläden dermaßen runter, dass man sie nicht mal mehr mit zehn Brecheisen aufbekäme – während parallel der eigene Lobby-Verband ein Hilfegesuch beim Bundespräsidenten stellt. Was (abgesehen vom etwas schrägen Gesamteindruck) bleibt, das sind Fragen: War’s das denn jetzt wirklich mit der Restschuld-Versicherung? Welcher Gewinnbeitrag würde der Branche damit flöten gehen? Und gibt’s nicht wenigstens noch ein bisschen Hoffnung – nämlich in Form der EU-Verbraucherkredit-Richtlinie? Unser FAQ: FS Premium

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Kurz getickert

  • Und wo wir schon mal beim Thema sind: Banken dürfen die Zustimmung zu Preis- und AGB-Änderungen nicht über Pop-up-Fenster im Online-Banking zu erzwingen versuchen. Das hat das Landgericht Düsseldorf entschieden (Az. 12 O 78/22). Konkret ging es in dem Fall um die Targobank, die solche Pop-up-Fenster vor zwei Jahren (also unmittelbar nach dem BGH-Gebührenurteil) zumindest zeitweise eingesetzt und den Kunden im Falle der Nicht-Zustimmung mit der Kündigung gedroht hatte. Das Landgericht sah hierin laut „FAZ“ (Paywall) eine „aggressive geschäftliche Handlung“, die „wettbewerbsrechtlich unzulässig“ sei.
  • Der Frankfurter Online-Broker FlatexDegiro will 2024 erstmals eine kleine Dividende ausschütten – und kündigt überdies für die nächsten fünf Jahre Aktienrückkäufe von bis zu 10% des Grundkapitals an, gemessen am aktuellen Börsenwert rund 120 Mio. Euro.
  • Die frühere Apobank-Vorständin Jenny Friese wechselt in die Versicherungswirtschaft – und zwar zur „Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG“, wo sie die Leitung des Bankenvertriebs übernimmt

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Exklusiv: Crédit Mutuel nimmt auf die Targobank riesige Abschreibungen vor

Schon klar, 2008 war das Jahr der großen Finanzkrise. Es war aber auch (welch Ironie!) das Jahr der großen Übernahmen. Die Deutsche Bank sicherte sich die Postbank. Die Commerzbank stielte den Kauf der Dresdner Bank ein. Und dann war da ja auch noch der Bieterwettstreit um die Citibank, also die damalige Deutschland-Tochter der amerikanischen Citigroup. Die Legende besagt, der Vorstand der Deutschen Bank sei sich seinerzeit dermaßen sicher gewesen, den Zuschlag zu erhalten, dass sogar schon die entsprechende Pressekonferenz anberaumt gewesen sei. Doch zum Zuge kam stattdessen – die Crédit Mutuel. Satte 4,9 Mrd. Euro legten die Franzosen damals auf den Tisch. Das Zweieinhalbfache des „Fair Value“, also quasi des Buchwerts. In der Rückschau mutet der Preis beinahe absurd an, schließlich werden die meisten börsennotierten europäischen Banken heutzutage nicht mal mehr zu einem Kurs-Buch-Verhältnis von „1“ gehandelt. Einerseits. Andererseits: Die exzellenten Zahlen des 2010 von „Citibank“ in „Targobank“ umbenannten Instituts gaben den Franzosen jahrelang Recht. Nehmen wir nur mal pars pro toto das Geschäftsjahr 2019, als die Targobank mit 524 Mio. Euro Gewinn und einer Cost-Income-Ratio von 53% über die Ziellinie lief (siehe unser damaliges Stück –> Zehn fast unglaubliche Sätze aus dem Targobank-Abschluss). Die Folge: Der 2008 im Zuge der Übernahme gebildete Goodwill von rund 2,9 Mrd. Euro (die Summe ergab sich aus dem Delta des Kaufpreises zum „Fair Value“ von 2,0 Mrd. Euro) blieb über fast anderthalb Dekaden mehr oder weniger konstant. Zuletzt indes: Hat die Crédit Mutuel medial unbemerkt plötzlich riesige Abschreibungen auf ebendiesen Goodwill vorgenommen. Und zwar aus zwei Gründen. Einer ist eher finanzmathematischer Natur. Der andere aber – wirft Fragen nicht nur zum Geschäftsmodell der Targobank, sondern auch anderer Konsumenten-Finanzierer hierzulande auf. Alle Details: FS Premium

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Kurz getickert

  • Als nächstes namhaftes Geldinstitut verabschiedet sich nun auch die GLS Bank von „X“, also dem früheren Twitter.

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Leser-Blog

Anfang Dezember hatten wir ja gerätselt (siehe unten), warum ausgerechnet die Bawag so scharf auf die deutsche Barclays ist, also auf die ehemalige „Barclaycard“. Kundige Leser haben uns danach darauf aufmerksam gemacht, dass die Wiener Großbank (was uns nicht bewusst war) hinter „Paylife“ steht, dem größten Anbieter kartenbasierten Zahlungsverkehrs in Österreich. Die Affinität zum Payment-Business ist also ausgeprägter als wir vermutet hatten.

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Warum steht ausgerechnet die Bawag vor dem Kauf der deutschen Barclays?

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Leser-Blog

  • In Brüssel haben sich 16 ökologisch orientierte Banken zur „Sustainable Banking Coalition“ zusammengetan – darunter aus Deutschland die GLS Bank und Tomorrow (Mitteilung)

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Linktipps

Benko und die Banken, die zwei nächsten Teile: Laut dem Schweizer „Tagesanzeiger“ soll auch die Credit Suisse zu den Signa-Gläubigern gehören – während die Wiener Finanzaufsicht durch die Pleite des Immobilienkonzerns „tatsächlich einige Bedrohungen auch für den österreichischen Finanzmarkt“ sieht. FAZ (Ösi-Banken), Tagesanzeiger (Credit Suisse)

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Exklusiv: Kreditbanken lancieren Hilfegesuch beim Bundespräsidialamt

Als der Bundestag vor zweieinhalb Wochen das faktische Aus für die Restschuld-Versicherung beschloss (siehe unseren Artikel über den „Adhoc-Schlag gegen die Konsumenten-Finanzierer“) – da war das zweifellos ein starkes politisches Stück. Schließlich hatte der Finanzausschuss den entsprechenden Passus erst kurzfristig ins „Zukunfts-Finanzierungs-Gesetz“ eingeschleust und damit die versammelte Banken- und Versicherungslobby eiskalt erwischt. Die Reaktionen aus der Branche fielen entsprechend deftig aus: Der GDV beklagte einen „Verstoß gegen EU-Recht“; der Bankenfachverband als Vertreter der Kreditbanken schlug in die gleiche Kerbe („Cooling-Off-Phase für Restschuld-Versicherungen wäre europarechtswidrig“) … Tatsächlich war das Lobby-Geheul bis hierhin durchaus nachvollziehbar. Denn: 1.) Ja, dass die Passage zur Restschuld-Versicherung ins Zukunfts-Finanzierungs-Gesetz hineingefriemelt wurde – das war vermutlich nicht die feine parlamentarische Art; und 2.) Ja, es gibt durchaus gute Argumente, in der beschlossenen „Cooling-Off-Phase“ (damit ist gemeint, dass zwischen dem Abschluss eines Kreditvertrags und dem Abschluss der zugehörigen Restschuld-Versicherung mindestens sieben Tage liegen müssen) einen Widerspruch zur neuen EU-Verbraucherkredit-Richtlinie zu sehen. Indes: Beim bloßen Geheul wollten es die Banken-Lobbyisten nicht belassen – und sie fassten einen kühnen Plan!!! Unsere exklusive Recherche: FS Premium

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Sämtliche „Auslands- und Spezialbanken“-News aus dem November 2023

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