Rückblick, Teil I

Von N26 bis Yunar: Was in den letzten vier Wochen passiert ist

17. August 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Was ist während unserer vierwöchigen Sommerpause bei „Fintech“, „Digital Banking“ und „Payments“ passiert? Der Rückblick:

N26 leistet sich tagelange Posse um die Gründung eines Betriebsrats: Hatte es zunächst geheißen, das Management werde die Forderung nach einer Mitarbeitervertretung „selbstverständlich respektieren“, wurde kurz darauf eine interne E-Mail bekannt, in der die Gründer schrieben, ein solches Gremium verstoße „gegen fast alle Werte, an die wir bei N26 glauben“ (wobei N26 Wert auf die Feststellung legt, die Formulierung sei „aus dem Zusammenhang gerissen“). Es folgte ein juristische Hickhack, einmal fuhr sogar die Polizei auf – und als man meinen konnte, als nächstes werde sich Jimmy Hoffa aus seinem Grab erheben, um die Dinge höchstselbst zu regeln, knickte das N26-Management schließlich ein. FinanceFwd (Stalf-Mea-Culpa-Interview), Gründerszene (Chronologie der Ereignisse)

Check24 schaltet als erster Anbieter einen „zertifizierten“ Vergleich von Girokonten live: … und kündigt an, auf dem neuen Portal die Konditionen von zunächst rund 550 deutschen Banken und Sparkassen (die den Angaben zufolge 80% des Marktes abdecken) regelmäßig aktualisieren zu wollen. Das neue Portal basiert auf dem Ende 2018 in Kraft getretenen Zahlungskontengesetz; die Zertifizierung erfolgte durch den Tüv Saarland. Die von Verbraucherschützern präferierte öffentlich-rechtliche Lösung hatte sich zerschlagen. Heise, Handelsblatt (Paywall)

Das  ursprüngliche Kernteam des Branchenblogs „Paymentandbanking“ arbeitet jetzt komplett für die Unternehmenssparte der Deutschen Bank: Dass André Bajorat (Ex-Figo) und Rafael Otero (Ex-Payleven) beim größten Geldinstitut der Republik angeheuert haben, hatten wir Ihnen ja bereits erzählt, nämlich hier und hier. Nun folgen auch noch ihre beiden Blogger-Kollegen Jochen Siegert (Ex-Mastercard, zuletzt Traxpay) und Kilian Thalhammer (zuletzt Wirecard). Siegert soll sich um Finanzierungen auf Plattformbasis kümmern, Thalhammer um den Bereich „Merchant Solutions“. Zu den vielen interessanten Randaspekten der Personalien gehört auch: Die Deutsche Bank steigt mit xx% bei Siegerts bisherigem Arbeitgeber Traxpay ein, einem Anbieter von Supply-Chain-Finance-Lösungen.  FAZ, HB (Paywall), Der Treasurer

Die Deutsche Bank stellt Bonus-App Yunar ein: … und räumt damit ein, dass eines ihrer wichtigsten Digitalprojekte faktisch gescheitert ist. Nach Finanz-Szene.de-Recherchen hatte das Institut das Vorzeigeprojekt bei der Gründung 2018 mit satten 43 Mio. Euro Eigenkapital ausgestattet. Weiteres Geld die Deutsche Bank nun allerdings nicht mehr bereitstellen; die Suche nach einem Co-Investor blieb erfolglos. Wirtschaftswoche

Der deutsche Robo-Marktführer Scalable Capital erhält von Investoren weitere 50 Mio. Euro: … wobei allein 30 Mio. Euro vom britischen Venture-Capital-Fonds Hedosophia kommen, der hierzulande auch an Raisin und N26 beteiligt ist. Die Bewertung von Scalable steigt im Zuge der Finanzierungsrunde auf 400 Mio. Euro. Damit gehören die Münchner hinter N26 und neben Raisin, Deposit Solutions oder auch der Solarisbank nun zu den höchstbewerteten deutschen Fintechs überhaupt. FAZ, Deutsche Startups

Kurz-Rückblick

Auch der Sparkassen-IT-Dienstleister Finanz Informatik und deren Tochter FI-TS setzen künftig auf Cloud-Lösungen von Google (Mitteilung) +++ Wegen eines App-Fehlers hat die Postbank iOS-Kunden über Wochen praktisch ausgeschlossen (Heise) +++ Der britische N26-Rivale Monzo hat für 2019 einen Verlust von 114 Mio. Pfund eingeräumt und nährt Zweifel, wie belastbar das eigene Geschäftsmodell eigentlich ist (AltFi) +++ Das bislang auf digitale Buchhaltungs-Lösungen spezialisierte Semi-Fintech Zeitgold entlässt 75 Mitarbeiter und stellte sein Hauptprodukt ein. Dabei hatten die Berliner unlängst nach eigenen Angaben noch eine Finanzspritze von 27 Mio. Euro erhalten – unter anderem von der Deutschen Bank. (t3n) +++ Der Volksbanken-Robo Visualvest hat die 500-Mio.-Euro-Schwelle bei den Assets under Management geknackt (PB Magazin) +++ Die Sparkasse Bremen setzt bei ihrem digitalen Bankassurance-Angebot neuerdings auf den Maklerpool JDC und nicht mehr auf das Insurtech Clark (Versicherungsbote) +++ N26 verliert seine Personalchefin Noor van Boven (FinanceFwd) +++ Finleaps Check24-Herausforderer Joonko hat neben Kfz-Versicherungen nun auch Kredite im Sortiment, zunächst allerdings nur von der Solarisbank, der SWK Bank und Consors Finanz (PAB, per Mail) +++ Das Hamburger Investment-Fintech CAPinside wird mehrheitlich von Universal Investment übernommen. Über die Höhe eines etwaigen Kaufpreises wurde nichts bekannt. (Mitteilung) +++  Lidl rollte seine Rabatt-App „Lidl Pay“ bundesweit aus (chip.de) +++ Apple übernimmt für rund 100 Mio. US-Dollar das kanadische Bezahl-Fintech Mobeewave – und könnte das iPhone nun zu einem regelrechten Bezahl-Terminal erweitern. (Medium) +++ Google will schon bald digitale Bankkonten auf Basis der Bezahllösung Google Pay anbieten (GW-Blog) +++ Das auf Billige-Brokerage spezialisierte US-Milliarden-Fintech Robinhood hat seine angekündigte Expansion nach Europa – und damit auch nach Deutschland – abgesagt. (Sifted)

Wirecard-Rückblick

Im ersten Halbjahr 2020 – also in den letzten Monaten vor den Insolvenz – sollen bei Wirecard noch hunderte Mio. Euro in dubiose Kanäle abgeflossen sein. (Handelsblatt/Paywall) +++ Der frühere Wirecard-Asien-Manager Christopher B. ist tot. Er soll nach Angaben der philippinischen Justizbehörde am 27. Juli in einem Krankenhaus in Manila eines natürlichen Todes gestorben sein (Manager Magazin) +++ Nach dem flüchtigen Ex-Vorstand Jan Marsalek (der als wichtige Kontaktperson von B. galt) wird nun auch in der ZDF-Sendung „XY ungelöst“ gefahndet. Die Bitte um Hinweise in der Mediathek gleich ab Minute 0:49. (ZDF Mediathek) +++ Zwischen Januar und Juni entfielen 2,4% aller gemeldeten privaten Finanzgeschäfte von Bafin-Mitarbeitern den Handel mit Wirecard-Aktien, geht aus einer Anfrage der „Grünen“ hervor. (ARD Börse ) +++ Gegen den langjährigen Wirecard-WP Ernst & Young ermittelt nun die Wirtschaftsprüfer-Aufsicht. (Handelsblatt)

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