Die Grafik (#4)

Warum Trade Republic weiterhin Traktion zu haben scheint

7. Februar 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Geht man nach der gefühlten Wahrheit, dann ist der Hype um den Berliner Neobroker Trade Republic fürs erste vorbei. Über den allgemeinen Fintech-Blues hatten wir dieser Tage ja schon berichtet. Und weil es hierbei das große US-Vorbild von Trade Republic, nämlich Robinhood (Aktie minus 74% seit August), ebenso erwischt hat wie den einheimischen Hauptrivalen FlatexDegiro (Aktie minus 38% seit Juni), dachte man sich irgendwie: Na, bei Trade Republic wird’s so dolle auch nicht mehr laufen.

Genau darauf deuten auf den ersten Blick auch die gestern vorgestellten Geschäftszahlen von Lang & Schwarz hin, also des Düsseldorfer Börsenbetreibers, über den Trade Republic seinen Handel abwickelt. Zwar präsentierte Lang & Schwarz fürs Gesamtjahr einen abenteuerlich hohen bereinigten Überschuss von 60,2 Mio. Euro. Dieser speiste sich allerdings wesentlich aus dem ersten Quartal, als der Trading-Boom seinen Höhepunkt erreichte und in Düsseldorf ein “Ergebnis aus Handelstätigkeit” in Höhe von 52 Mio. Euro hängenblieb. Im Q4 waren es dann nur noch 17 Mio. Euro.

Dazu passt, dass Lang & Schwarz von Oktober bis Dezember “nur” knapp 12 Mio. Trades abwickelte. Das war zwar besser als das Vorquartal (gut 9 Mio. Trades) und besser als das Vorjahresquartal (rund 10 Mio. Trades). Hinter dem Q1 2021 (also besagtem Boom-Quartal) mit damals 18 Mio. Trades jedoch blieb der Handel deutlich zurück.

Ist der Trade-Republic-Hype, siehe oben, also tatsächlich vorbei?

Nicht ganz. So finden sich im Internet zwar inoffizielle, aber als glaubhaft geltende Handelszahlen, die es ermöglichen, die beiden Handelsplätze von Lang & Schwarz, nämlich “LS Tradecenter” und die “LS Exchange”, separiert voneinander zu betrachten. Und da sieht man:

  1. Der jüngste Rückgang ist wesentlich auf das “LS Tradecenter” zurückzuführen (über den der außerbörsliche Handel abgewickelt wird) und nicht auf die “LS Exchange” (über die Trade Republic einen wesentlichen Teil seines Handels abwickelt). Und …
  2. Auch an der LS Exchange ist zwar die Zahl der Trades gesunken – nicht aber das Handelsvolumen. Das war im Q4 mit im Tagesschnitt 231 Mio. Euro praktisch auf dem Niveau des Q1 (232 Mio. Euro). Und in den ersten 26 Handelstagen des laufenden Jahres lag der Tagesschnitt sogar bei 260 Mio. Euro.

Nun wickelt zwar nicht nur Trade Republic seinen Handel über die LS Exchange ab. Marktkenner allerdings sagen, ein beträchtlicher Teil der Transaktionen komme vom Berliner Neobroker. Sieht also so aus, als sei bei Trade Republic – verglichen mit der Konkurrenz – die Traktion weiterhin einigermaßen intakt.

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