Kurz gebloggt

Was die vier Fintech-M&A-Deals diese Woche gemein haben

11. November 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Es gibt die Fintechs, da geht das mit der Kunden-Akquise fast von selber. Das vielleicht beste Beispiel hierfür ist Trade Republic. Doch auch bei N26 hat man manchmal den Eindruck, die Neobank könne sich gegen ihr eigenes Wachstums kaum wehren. Ähnlich schien es eine Zeitlang sogar Scalable Capital zu ergehen – zumindest in der Honeymoon-Phase, als Robo-Advice als das nächste große Ding galt und die Liaison mit der ING Diba noch frisch war …

Die Sache ist nun allerdings: Die N26e, Trade Republics und (phasenweise) Scalable Capitals dieser Republik sind die Ausnahmen. Die Regel sind all die Normalsterblichen, die um jeden einzelnen Kunden da draußen kämpfen müssen, entweder um ihn zu gewinnen – oder aber: um ihn nicht zu verlieren …

Genau dieser mühsame Kampf ist es, der just dieser Tage (die Ballung ist natürlich Zufall) zu gleich vier M&A-Transaktionen unter Beteiligung jeweils eines deutschen Fintechs geführt hat. Auf den ersten Blick haben die vier Deals wenig miteinander zu tun. Bei genauerem Hinsehen allerdings zeigen sich erstaunliche Parallelen:

  • Das war erstens wundersame Unicorn-Werdung von Clark (siehe -> Wie sich Clark zum Fintech-Unicorn rechnet – oder auch nicht). Der Frankfurter Online-Versicherungsmakler gilt mit Recht als digitaler Erfolgs-Player. Bei der Kundengewinnung hat Clark in den vergangenen Jahren allerdings stark auf Kooperationen mit (bzw. sogar Übernahmen von …) klassischen Maklern gesetzt. In diesem Kontext dürfte auch die Akquisition des Lead-Generierungs-Spezialisten „Finanzen.de“ zu sehen sein. Die Übernahme ist kein Ausweis von digitalem Avantgardismus. Sondern hier geht es schlicht – um Kundenkontakte
  • In die gleiche Kategorie, vom Ansatz her vielleicht etwas subtiler, fällt zweitens ein weiterer Deal, den wir dieses Woche schon beleuchtet haben – nämlich die Übernahme des Informationsportals „JustETF“ durch (siehe oben) Scalable Capital. Auch bei dieser Transaktion steht im Fokus: der Zugang zum Kunden. Und auch hier: Kauft ein Fintech einen Player, dessen Geschäftsidee man eher den 2000er- als den 2010er-Jahren zuordnen sollte.
  • Der quasi umgekehrten Logik – falls es bei diesem Deal eine betriebswirtschaftliche Logik geben sollte – folgt drittens die Outbank-Übernahme durch die FP Finanzpartner AG (siehe unsere News von Dienstag). Hier ist es so, dass ein klassischer Finanzvertrieb einen Banking-App-Anbieter akquiriert. Die Idee dahinter? Könnte zum einen auch hier (Outbank bringt ja ein paar zehntausend Nutzer mit …) in der Generierung von Leads liegen. Daneben erscheint ein weitere Motiv allerdings fast noch plausibler: Der Wert eines Finanzvertriebs wie der FP Finanzpartner AG liegt ja in ihren Kunden – in diesem Fall: rund 30.000. Auch diese Kunden bekommen aber natürlich mit, dass rechts und links des Weges die analoge Beratung mehr und mehr durch die digitale zumindest ergänzt wird. Anzunehmen ist also, dass die Übernahme von Outbank (mitsamt des Entwickler-Teams von Outbank) auch dazu dient, die eigene Finanzberatung künftig mit entsprechenden digitalen Frontends zu unterfüttern.
  • Womit wir beim vierten M&A-Deal diese Woche angelangt werden (siehe unsere Mittwochs-News), nämlich bei der faktischen Übernahme des Robo-Fintechs Growney durch die Lloyd Fonds AG wären. Auch hier kauft also ein klassischer Player einen digitalen. Und auch bei dieser Transaktion geht es offenbar darum, durch die Bündelung von Kompetenzen eine Klientel zu erreichen, die stand-alone möglicherweise für keiner der beiden Player zu vertretbaren Kosten zu erreichen war. noch zu erreichen bzw. schon zu erreichen war. „Wir haben mit LAIC ja bereits ein digitales Angebot“, sagt Lloyd-Fonds-Chef Achim Plate. „Allerdings wendet sich dieses Angebot an vermögendere Kunden, die Wert auf ein individuelle Portfolio legen.“ Mit Growney hingegen wolle Lloyd eine andere Klientel ansprechen, „nämlich Kunden, die statt auf individuelle Lösungen auf ETF-basierte Musterstrategien setzen – und entsprechend auch stärker auf die Kosten achten.“ Unterm Strich, so Plate, könne sein Unternehmen „in Zukunft mit zwei unterschiedlichen Marken sehr gezielt zwei unterschiedliche Zielgruppen ansteuern“.

Vier M&A-Deals unter Beteiligung jeweils eines Fintechs binnen einer Woche. Und jedes Mal im Mittelpunkt: der Kunde.

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