Rückblick

Was in unserer Pause in der deutschen Fintech-Branche los war

Ausverkauf der deutschen Fintechs – auch Kontist verliert Eigenständigkeit

Nach der auf Kleinunternehmen spezialisierten Berliner Challenger-Bank Penta (siehe unten) verliert auch der auf Freelancer fokussierte Rivale Kontist seine Eigenständigkeit: Das ebenfalls in der Hauptstadt ansässige Fintech wird für einen offiziell “zweistelligen Millionenbetrag” an die dänische Ageras Group veräußert. Anders als im Falle von Penta (und ähnlich gelagerter Fälle wie FintecSystems oder FinAPI) dürfte es sich bei Kontist allerdings nicht um einen erfolgreichen Exit, sondern eher um einen Notverkauf handeln. So hatte die Kontist-Mutter den Firmenwert der operativen Kontist-Gesellschaft zuletzt von gut 30 Mio. Euro auf nur noch rund 8 Mio. Euro abgeschrieben, wie die Kollegen von “Finance Forward” zuerst berichteten (siehe hier). Und es gibt auch noch ein Indiz, das eher gegen einen üppigen Verkaufserlös spricht: So hatten Kontist-Gründer Christopher Plantener und CEO Benjamin Esser die bestehenden Investoren im Juni zu ungenannten Konditionen aus dem Unternehmen herausgekauft – um es dann an die Ageras Group zu veräußern.


Weitere Fintech-News aus unserer Sommerpause:

  • Das Münchner KYC-Startup IDnow, das zu Beginn des Jahres hätte verkauft werden sollen (siehe -> IDnow steht zum Verkauf – es wäre der größte deutsche Fintech-Exit), setzt vorerst nun doch weiter auf Wachstum aus eigener Kraft. Dazu erhält der Identity-Spezialist Fremdmittel in Höhe von 60 Mio. Euro aus Fonds des Vermögensverwalters Blackrock.
  • Der Bezahl-Riese Global Payments drängt durch die Hintertür auf den deutschen Markt. Für 4 Mrd. Dollar will der US-Konzern den Konkurrenten Evo Payments übernehmen, der hierzulande unter anderem durch die Übernahme der Deutsche-Bank-Acquiring Tochter Deutsche Card Services im Jahr 2012 über eine starke Marktposition verfügt.
  • Der in der letzten Ausgabe vor unserer Sommerpause exklusiv vermeldete Verkauf von Penta an den französichen Rivalen Qonto ist wenige Tage nach unserer Berichterstattung offiziell bestätigt worden. Zusammen kommt das fusionierte neue Groß-Fintech auf rund 900 Mitarbeiter (700 Qonto, 200 Penta) sowie gut 300.000 Kunden (250.000 Qonto, 50.000 Penta). Als Ziel wurde formuliert, die Kundenzahl bis 2025 auf dann 1 Mio. KMUs und Selbständige zu steigern.
  • Das stets etwas wundersame Hamburger Trading-Fintech Naga muss seine Mitte Januar veröffentlichten Zahlen für 2021 nach einer Intervention des Wirtschaftsprüfers revidieren. Statt von 55,3 Mio. Euro Umsatzerlösen geht das Startup jetzt von einer Bandbreite von 50 Mio. Euro bis EUR 52 Mio. Euro aus. Auch das vorläufig gemeldete Ebitda von 12,8 Mio. Euro hat keinen Bestand mehr – stattdessen gehen die Hanseaten jetzt 2,5 Mio. bis 5,0 Mio. Euro aus. Was darüber hinaus die für dieses Jahr ursprünglich erwarteten Umsatzerlöse von 95 Mio. bis 105 Mio. Euro angeht, heißt es nun: “Eine neue verlässliche Prognose für das Geschäftsjahr 2022 kann der Vorstand zum aktuellen Zeitpunkt nicht abgeben.”
  • Die Solarisbank benennt sich um – und heißt jetzt nur noch Solaris. Zudem will der Berliner “Banking as a Service”-Spezialist in Kürze seine Rechtsform ändern: Aus der deutschen Aktiengesellschaft (AG) wird eine Societas Europaea (SE).
  • Die auf die Refinanzierung von “Buy now, pay later”- und sonstigen Finanzierungs-Fintechs spezialisierte Hamburger Varengold Bank hat ihre Nettoerträge im ersten Halbjahr um 40% auf 33,4 Mio. Euro gesteigert, beim Ergebnis vor Steuern ging es um 124% auf 18,2 Mio. Euro nach oben. Die Ergebnisprognose fürs Gesamtjahr wurde um rund 50% auf eine Bandbreite von 28 bis 32 Mio. Euro angehoben.
  • Die nach offiziellen Angaben rund 40.000 Kunden der Spar-App Rubarb (also das Pleite-Dingen der beiden Olaf-Scholz-Neffen) haben das Angebot erhalten, zum Leipziger Geldanlage-Startup Evergreen zu wechseln. Finance Forward

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