Exklusiv

Wefox soll heimlich weitere 100 Mio. € gefundet haben

17. Dezember 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Als wir das 25-Mio.-Euro-Funding für Getsafe kürzlich als größtes Insurtech-Funding des Jahres bezeichneten – da dachten sich ein paar wenige unserer Leser vermutlich insgeheim: Wenn Ihr wüsstet … Tatsächlich wussten wir da noch nicht, was wir mittlerweile in Erfahrung gebracht haben (und was vom Unternehmen auf Anfrage zumindest nicht bestritten wird). Nämlich: Nein, die 25 Mio. Euro für Getsafe waren offenbar nicht das größte Funding für einen deutschen Digitalversicherer in diesem Jahr. Sondern: Laut Recherchen von Finanz-Szene.de und Finance Forward sollen unsere Freunde von Wefox mal wieder zugeschlagen haben. Und zwar schon im September. Allerdings ohne das mitzuteilen.

Der Umfang der Finanzierung, jedenfalls unsere Quellen zufolge: rund 100 Mio. Euro. Jedoch kein Equity. Sondern 25 Mio. Euro Kredit. Und ganz grob 75 Mio. Euro als Wandeldarlehen. Für die Connaisseure: Bei einem der Investoren soll es sich um einen US-Fonds namens Harbert Management Corporation handeln.

Jedenfalls, der Deal zeigt einmal mehr: Was auch immer man von Wefox und seinem manchmal etwas sehr forschen CEO Julian Teicke halten mag – aufs Funden versteht sich das 2015 gegründete Insurtech anscheinend bestens. Denn, nur zu Erinnerung: Schon letztes Jahr hatte Wefox in zwei Tranchen gut 200 Mio. Euro eingeworben und bezeichnet sich seitdem als „Unicorn“, also als Startup, dass von Investoren mit mehr als 1 Mrd. Euro (oder zumindest Dollar) bewertet wird. Mit Blick auf die hiesige Fintech-Branche kann man das ansonsten – jedenfalls bei den nach 2010 gelaunchten Fintechs – gesicherterweise  nur von N26 behaupten.

Was Wefox macht? Eine Makler-Plattform betreiben. Und einen hauseigenen Digitalversicherer namens One. In einem Gespräch mit „Business Insider“ und „Reuters“ bezifferte Teicke den für kommendes Jahr angepeilten Umsatz auf 300 Mio Euro an – nachdem es in diesem Jahr schon mindestens 100 Mio. Euro gewesen seien. Beeindruckende Zahlen sind das, die sich bislang allerdings nicht auf Basis öffentlich zugänglicher Geschäftsberichte nachprüfen lassen.

Bleibt die Frage, warum Wefox die 100-Mio.-Euro-Finanzierung nicht publiziert hat. Das mag damit zusammenhängen, dass sich ein Fremdkapital-Funding vielleicht nicht ganz so überzeugend verkaufen lässt wie eine Kapitalerhöhung. Hat aber wohl eher den Grund, dass Wefox im kommenden Jahr nochmal nachlegen und dann die entsprechend höhere Summe publizieren möchte. Von 200 Mio. Euro und mehr ist in Kreisen die Rede.

Mal sehen, ob es wirklich so kommt. Denn: Zur bisherigen Geschichte von Wefox gehört auch, dass nicht alles, was sich das Insurtech vornimmt, auch wirklich funktioniert. So hatte das Startup die schon angekündigte Expansion nach Großbritannien, Asien und in die USA kürzlich abgeblasen.

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