Daten & Research

Weit über 100 Mrd. Euro!!! Wie die Neobroker die Neobanken ausstechen

Es ist ein Titel, der N26 so selbstverständlich zu gebühren scheint, dass man ihn einfach immer dazuschreibt. Wie ein amtlich beglaubigtes Attribut: N26, das größte deutsche Fintech … Indes: Gilt das überhaupt noch?

Ja, klar, die Belegschaft von N26 ist weiterhin viel größer als anderswo. Das allerdings stellt ja noch keinen Wert an sich dar. Die Ertragskraft? Die Berliner Neobank lieferte dank Zinswende zuletzt in der Top line – in der Bottom line aber wahrlich nicht. Was wiederum die Bewertungen angeht: Die sind fast überall längst überholt. Bleibt als gängiges Kriterium die Kundenzahl. Doch wer war das noch mal, der neulich eingestehen musste, jahrelang überhöhte Angaben gemacht zu haben? Ach ja, N26. Es sind nämlich keine 7 Mio. Kunden. Sondern nur gut 4 Mio. Kunden – und damit, wie man seit dieser Woche weiß, ungefähr so viele wie beim dramatisch wachsenden Neobroker Trade Republic.

Frage: Sind N26 und Trade Republic jetzt also gleich groß? Antwort: Kann man so sehen! Wobei – man kann es sogar noch ganz anders sehen!!!

Und zwar so, dass Trade Republic längst größer ist. Sogar sehr viel größer. Fast viereinhalb mal so groß. Nämlich wenn man die Assets von Trade Republic (rund 35 Mrd. Euro) mit den Einlagen von N26 (rund 8 Mrd. Euro) vergleicht. So gerechnet ist übrigens auch Scalable Capital mit geschätzten 18 Mrd. Euro viel größer als  N26. Ganz zu schweigen vom Einlagen-Broker Raisin („Weltsparen“), der in etwa so viele Kundengelder betreut wie Trade Republic und Scalable zusammen.

Schon klar: Wir vergleichen hier Äpfel mit Birnen mit Ananas. Trotzdem: Ist es nicht zumindest legitim, mal ganz simpel zu fragen, zu welchen Fintechs die Kunden ihr Geld tragen? Und ist die Antwort hierauf nicht eindeutig? Nämlich: Zu den Broker-Fintechs! Nicht zu den Banken-Fintechs! Wobei die Zinswende den Trend sogar beschleunigt hat – ein fast kontraintuitives Phänomen.

Um Ihnen die Wucht dieser Entwicklung zu illustrieren, haben wir heute Morgen einfach mal die Assets von sechs deutschen „Broker-Fintechs“ (teils reine Nischenplayer) mit den Einlagen von sechs globalen Neobanken (teils die prominentesten Namen der Branche) in einen gemeinsamen Chart gepackt:

Sie werden sich die Augen reiben, wie diese Grafik aussieht:

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*Legende zu den Daten:

Fintech Zeitpunkt Datenquelle
Trade Republic Dez. 23 Eigene Angaben
Scalable Capital Dez. 23 Schätzung auf Basis früherer Angaben
Raisin Nov. 23 Website
Smartbroker Okt. 23 Präsentation
Moonfare Dez. 23 Website
Quirion** Dez. 23 Website
N26 Nov. 23 Annual Report Präsentation, Prognose
Revolut Dez. 22 Annual Report
Monzo Feb. 23 Annual Report
Starling Mär. 23 Annual Report
Nubank Sept. 23 Q3-Zahlen
Bunq Dez. 22 Annual Report

**Aus Darstellungsgründen haben wir die Werte in den Tabellen gerundet. Das war ein bisschen unfair gegenüber Quirion – denn der Berliner Robo-Advisor kommt schon auf fast 2,3 Mrd. Euro an Mitteln.

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