Kurz gebloggt

Wie die Commerzbank den großen Fintech-Hauptgewinn zog

29. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Liebe Commerzbank-Vorstände, sagt Ihnen der Name Marqeta was? Aber klar doch! Wer erinnert sich nicht?!

Also: Marqeta ist eines der vielen Fintechs, in die der „Commerz Ventures“ genannte VC-Arm der Coba über die Jahre investiert hat. Dass die Verantwortlichen bei etlichen dieser Investments ein erstaunlich gutes Händchen hatten, haben wir Ihnen vor einiger Zeit ja schon mal erzählt. Nun indes – sieht es sogar so aus, als hätten die „Commerz Ventures“-Leute den Hauptgewinn gezogen. Denn: Besagtes US-Fintech Marqeta (Geschäftsmodell: irgendwas B2B-mäßiges im Spannungsfeld von Payment und API oder so ähnlich) hat gestern ein 150-Mio.-Dollar-Funding zu einer fast astronomischen Bewertung von 4,3 Mrd. Dollar bekanntgegeben bzw. bekanntgeben lassen (siehe diese gestern publik gewordene 27-Seiten-Präsentation der involvierten Investmentbank FT Partners).

Was heißt das nun für die Commerzbank? Also:

  1. Die Coba war Teil einer 25-Mio.-$-Series-C-Runde Ende 2015
  2. 2017 beteiligte sie sich an einer weiteren 25-Mio-$-Runde
  3. Ohne es genau ausgerechnet zu haben, würden wir aus dem Bauch heraus vermuten, dass die beiden Investments die Coba einen hohen einstelligen oder vielleicht eher noch einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag gekostet haben
  4. Der letzte bilanzielle Hinweis auf die damals erworbene Beteiligung findet sich im 2017er-HGB-Abschluss. Damals hielten die Frankfurter 5,4% an Marqeta.
  5. Im 2018er-Abschluss und im 2019er-Abschluss taucht Marqeta nicht mehr auf. Unter den Portfolio-Firmen von Commerz Ventures (Quelle: Website) wird das US-Startup allerdings bis heute geführt. Wir sind uns sehr sicher: Die Coba ist nach wie vor bei Marqeta investiert, auch wenn der Anteil heute ein (gutes) Stück niedriger als 5,4% ist.
  6. Seit Ende 2017 kam es bei Marqeta zu einer 45-Mio-$-Runde in 2018, zu einer 260-Mio.-$-Runde in 2019 und zur aktuellen 150-Mio.-$-Runde.
  7. An keiner dieser drei Runden hat sich die Commerzbank beteiligt (darauf deuten zumindest die Darstellungen in dem weiter oben verlinkten FT-Partners-PDF hin). Ihre Anteile wurden also relativ gesehen verwässert. Absolut gesehen stiegen sie indes massiv im Wert. Denn als die Coba erstmals investierte, war Marqeta laut FT Partners mit gerade mal rund 100 Mio. Dollar bewertet; beim zweiten Coba-Investment sollen es ein paar hundert Mio. Dollar gewesen sein. Jetzt – sind es, siehe oben, 4,3 Mrd. Dollar.
  8. Folgt man Medien wie TechCrunch und teilweise auch offiziellen Mitteilungen, dann verwässerten die Anteile der Altgesellschafter in den drei jüngsten Runden gleichwohl nur gering (Pi mal Casio einmal um grob 10%, einmal um grob 13%, einmal um grob 3,5%)
  9. Unseren Berechnungen zufolge (wieder Pi-mal-Casio-Methode) müsste die Coba, hätte sie keinerlei Anteil verkauft, daher immer noch rund 4% an Marqeta halten. Womit der Anteil umgerechnet gut 150 Mio. Euro wert wäre.
  10. Wir würden allerdings davon ausgehen, dass die Commerzbank zwischenzeitlich dann doch mal ein bisschen was an Anteilen über sogenannte Secondaries veräußert hat.

Trotzdem: Hammer-Nummer von unserer Coba!

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