Fintech Job-Boom Serie (#4)

Wie Trade Republic & Co. ihre Belegschaft expandierten

Wenn Berlins Fintechs dieser Tage überlegen, ihre Belegschaften zu reduzieren, dann auch, weil sie diese Belegschaften über die zurückliegenden ein, zwei Jahre rasant ausgebaut haben. Zu rasant? Dieser Frage geht Finanz-Szene in der mehrteiligen “Fintech-Jobboom-Serie” nach. Heute Teil vier:  Neobroker und Investment-Startups.

In der aktuellen Kündigungswelle bei deutschen Fintechs standen die Neobroker zunächst noch als Ausnahme-Segment da: Denn während es im Payment-Sektor (Sumup), im Finanzierungs-Segment (Klarna) und bei den Neobanken (Kontist und Nuri) bereits brodelte, hielten sich die Trading- und Investment-Startups zunächst zurück. Jedenfalls bis Finance Forward und Finanz-Szene Anfang des Monats exklusiv berichteten, dass auch Trade Republic in nicht näher bezifferter Höhe Personalabbau plane – trotz gerade abgeschlossener Finanzierungsrunde über 250 Mio. Euro.

Nicht nur bei Trade Republic explodierte die Zahl der Jobs

Dabei zeigt der Blick in die Statistik, dass sich kaum ein Fintech-Segment im Auswertungs-Zeitraum (Mai 2020 bis April 2022) so stark mit Personal vollgesogen hat wie Neobroker und sonstige Investment-Startups. Allein Trade Republic kam laut von uns ausgewerteten Linkedin-Zahlen auf mehr als 500% Wachstum und knackte vor den jüngsten Entlassungen die Marke von 700 Mitarbeitern. Die Konkurrenten Scalable Capital und Naga bauten ihre Mitarbeiterzahl auf mehr als das Doppelte aus. Fintech-Anbieter alternativer Asset-Klassen wie Private Equity (Moonfare) und Immobilien (Linus Digital) wuchsen ebenfalls imposant und das Gros der digitalen Vermögensverwalter immerhin zweistellig. Dass hier überhaupt ein Unternehmen netto Mitarbeiter verlor, kam selten vor (siehe unten).

Gleichwohl werden die großen Markttrends (Zinswende, Rezessionsangst, bröckelnde Aktienmärkte, gleichzeitige Zinswende) auch an den Neobrokern, Robo-Advisorn und alternative Asset-Anbietern nicht spurlos vorbeigehen. So erlebte der elektronische Handelsplatze LS Exchange, über den Trade Republic einen großen Teil seiner Orders abwickelt, jüngst den schwächsten Monat seit Jahresbeginn (siehe hier).


Wer schon vor der Krise nicht mehr wuchs

  • Das auf Immobilien-Investments spezialisierte Exporo schrumpfte binnen zwei Jahren um ein Fünftel (siehe -> Exporo fundet – doch Firmenwert sinkt anstatt zu steigen).
  • Raisin befand sich zuletzt eher im Konsolidierungsmodus (wobei dort die Hoffnung auf die Zinswende groß ist, siehe hier) und stagnierte im Zuge der Übernahme von Deposit Solutions
  • Beim Krypto-Spezialisten Bitcoin Group stagnierte die Mitarbeiterzahl – obwohl die Gruppe hinter der Handelsplattform Bitcoin.de zuletzt ein Umsatzwachstum von 69% auf 25,4 Mio. Euro bekanntgab.

Hier die Beschäftigtenzahlen (Stand April 2022) der Neobroker und Investment-Fintechs im Überblick:

Unternehmen Beschäftigte insgesamt Beschäftigungsdauer (Median) Wachstum über 1 Jahr* Wachstum über 2 Jahre*
Trade Republic 707 0,8 79 % 537 %
Raisin 499 2,5 1 % -1 %
Scalable Capital 349 1 56 % 177 %
Moonfare 201 0,8 56 % 123 %
Naga 189 1,3 15 % 110 %
Exporo 130 2,6 -9 % -21 %
Liqid 106 1,3 26 % 51 %
Linus Digital Finance 98 0,9 69 % 326 %
Bitcoin Group 69 5,9 -1 % -1 %
Nextmarkets 59 1,3 28 % 103 %
CAPinside 54 1,3 23 % 38 %
Getquin 52 0,4 143 % n/a
Companisto 43 1,6 19 % 65 %
Ginmon 37 1,6 -5 % 46 %
Quirion 35 1,6 35 % 52 %
Visualvest 35 2,3 46 % 35 %
Whitebox 31 1,1 43 % 83 %
Zinsbaustein 30 3,4 3 % 11 %
Bergfürst 18 n/a n/a n/a
Bevestor 16 n/a n/a n/a
Growney 16 n/a n/a n/a
Forget Finance 15 n/a n/a n/a
Justtrade 15 n/a n/a n/a
Lemon Markets 13 n/a n/a n/a

Quelle: Eigene Recherche basierend auf Linkedin-Unternehmensangaben


*Nettowachstum, Zu- und Abflüsse saldiert

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