05/03/20: Hauck & Aufhäuser, Bankhaus Lampe, Fincompare, Klarna

Die Traditionsbank Hauck & Aufhäuser gehört bekanntlich zu jenen Instituten, mit denen wir ab und an ein bisschen härter ins Gericht gehen (siehe z.B hier und hier). Was man Herrn Bentlage und den Seinen allerdings lassen muss: Während andere Privatbanken ihr geschäftliches Dasein längst auf die Frage beschränken, ob sich wegfallende Erträge irgendwie durch sinkende Kosten kompensieren lassen, geht Hauck & Aufhäuser da draußen tatsächlich auf Expansionskurs. Jüngster und bislang stärkster Beleg: Nach unseren Informationen (wobei es im “HB”, in der “BÖZ” und in der “FAZ” heute Früh genauso steht) hat das Frankfurter Institut mit dem chinesischen Eigner Fosun das Tauziehen um das Düsseldorfer Bankhaus Lampe (vulgo: die Oetker-Bank) gewonnen. Mutmaßlicher Kaufpreis laut “HB”: Irgendwas zwischen 200 und 300 Mio. Euro, eine Spanne, der banknahe Kreise nicht widersprechen – und die darauf hindeutet, dass die operative Lage bei Lampe suboptimal sein muss. Denn ein Preis von nur 1 bis 1,5% der verwalteten Assets (zuletzt bei Lampe: 19 Mrd.) fällt für Privatbanken in die Kategorie “Schnäppchen”.

Exklusiv: US-Kryptobörse Coinbase bemüht sich offenbar um Bafin-Lizenz. Also, das Schönste an unserer großen Fintech-Job-Recherche (hier nochmal die Studie zum Download) waren die diversen Kollateral-Erkenntnisse, die das Wühlen durch Jobportale und Stellenanzeigen mich sich gebracht hat. Krass fanden wir z.B., dass Hypoport (da vor 2010 gegründet, schaffte es das Berliner Ur-Fintech nicht in die offizielle Studie …) sage und schreibe 221 offene Stellen meldet. Enttäuscht wiederum nahmen wir zur Kenntnis, dass N26 zwar per Mitte Februar 117 Jobs ausgeschrieben hatte – darunter aber keinen in Brasilien. In die Kategorie “Verblüffend” wiederum fiel, dass Elinvar gleich sechs Mitarbeiter für den Standort Magdeburg sucht. Wussten Sie, dass Elinvar einen “Standort Magdeburg” hat? Und hier nun der schönste Fund von allen: Die bekannte US-Krypto-Handelsplatz Coinbase sucht laut Linkedin einen “Head of Compliance Germany”. Teil des Jobprofils: Den Antrag auf Erteilung einer Bafin-Lizenz vorantreiben. Interessant, oder? Hier, warum Coinbase das Teil braucht: Finanz-Szene.de

Jetzt haben wir schon Anfang März – und die deutsche Fintech-Branche wartet weiterhin auf das erste richtig fette 2020er-Jahrgangs-Funding. Immerhin: Laut einer heute erscheinenden Mitteilung, die uns (und übrigens auch dem “Handelsblatt”/Paywall) vorab anvertraut wurde, darf sich nun wenigstens die Berliner KMU-Kredit-Plattform Fincompare über frische 12 Mio. Euro freuen. Das Geld kommt ausschließlich von Bestandsinvestoren (darunter die ING Groep und Speedinvest). Und PR-technisch deklariert wird das Ganze als “erweiterte Series-A-Finanzierungsrunde”. Dazu muss man wissen: Die eigentliche, damals 10 Mio. Euro schwere “Series-A” datiert von Anfang Juni 2018, liegt also mittlerweile 21 Monate zurück. Eine ganz schön lange Spanne für eine “Erweiterung”. So aber lässt sich behaupten, in der “A”-Runde 22 Mio. Euro eingeworben zu haben. Das klingt zweifellos besser als eine 12 Mio. Euro schwere “B”-Runde.

Kurzmeldungen

Die EU-Kommission arbeitet offenbar an einer Verschärfung der Regeln für national orchestrierte Bankenrettungen (Bloomberg) +++ Dividende runter, das Neugeschäft wird 2020 sinken, der Vorsteuergewinn auch: Als erste größere deutsche Bank gibt die PBB unter explizitem Verweis auch auf die Unsicherheit durch den Corona-Virus eine pessimistischere Prognose ab. Zudem soll in potenziell betroffene Branchen (Beispiel: Finanzierung von Hotels) weniger Geld fließen. (Mitteilung/PDF) +++ Bei den bayrischen Sparkassen sind der aggregierte Zinsüberschuss im vergangenen Jahr um 2% und das Betriebsergebnis um 3% gefallen (Mitteilung) +++ Die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank sind gestern um je 1,1% gestiegen +++ Der China-Riese Ant Financial steigt beim schwedischen Milliarden-Fintech Klarna, allerdings offenbar mit einem Anteil von lediglich >1% (Reuters)

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