07/02/20: Deutsche Bank, HVB, Girocard, Traxpay, N26, Metzler, Moonfare

7. Februar 2020

Dieser Tage das Geschehen rund um die Deutsche Bank zu verfolgen – das ist, als würde man einem Wunder Lazarus’schen Ausmaßes beiwohnen. Die Refi-Kosten? Sinken und sinken. Die CDS-Prämien? Fallen und fallen. Und die Aktie? Kletterte allein gestern um 12,9% (!!!), nachdem der US-Vermögensverwalter Capital Group eine 3,1%-Beteiligung am größten Geldhaus der Republik offenbart hatte. Was, bitteschön, ist das los? Haben wir alle uns getäuscht in der Deutschen Bank und ihrem Management? Müssen Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein ihre Stellung als Stadtheilige demnächst an Christian Sewing und James von Moltke abtreten? Tatsache jedenfalls ist: Die Deutsche-Bank-Aktie hat seit Jahresbeginn nun 37% gewonnen und könnte bald sogar wieder die 10-Euro-Marke erreichen. Warum? Das lesen Sie … nein, das lesen Sie nicht hier!!! Wir haben nämlich nicht die geringste Ahnung, was das alles soll.

Ist die HVB eine Bank – oder ein planwirtschaftlicher Musterbetrieb? Die gestern veröffentlichten 2019er-Zahlen zum Deutschland-Geschäft der Unicredit (das „Deutschland-Geschäft der Unicredit“ ist quasi die HVB abzüglich ihres Investmentbankings) lassen Letzteres vermuten. Denn: Kaum eine wichtige Kennziffer weicht um mehr als 1% vom Vorjahr ab. Glauben Sie nicht? Guggsdu: Zinsüberschuss -0,1%, Provisionsüberschuss +0,4%, Kosten -0,9%, RWAs -0,7%, Mitarbeiter -0,5%, operativer Gewinn +0,9% und so weiter und so weiter. Und was bei der Honecker-Vorzeige-Bank letzten Endes herausgekommen? Antwort: 665 Mio. Euro operativer Gewinn, Cost-Income-Ratio 68%. Eigenkapitalrendite 11,7%. Merke: Die HVB in ihrem Lauf hält nicht mal Markus Beumer auf. Jahresbericht Unicredit (PDF)

Glaubt man den sog. Payment-Experten, dann ist es bekanntermaßen nur eine Frage der Zeit, bis die Girocard aufgrund ihrer geographischen und funktionalen Begrenztheit zwischen den Mastercards und Visas und Paypals und Google Pays und Apple Pays dieser Welt zerrieben wird. Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Bislang sind der Girocard derlei Abgesänge ziemlich wumpe. Beleg: 2019 bezahlten allein die Sparkassen-Kunden 2,1-Mrd.-mal mit der „EC-Karte“ (wie der Volksmund sagt), das war im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme um 20%. Und der Anteil kontaktloser Zahlungen? Lag im Dezember (also auf Monatsbasis) bereits bei erstaunlichen 42,3%. Mitteilung 

Exklusiv: Der Frankfurter Trade-Finance-Spezialist Traxpay (also die Firma von Podcast-Promi Jochen Siegert) vollzieht einen Management-Buy-Out. Es gibt nichts, was es nicht gibt in der deutschen Fintech-Branche. Nun also auch: ein MBO. Und zwar bei jenem Player, über den wir vor rund einem Jahr die bollywoodeske Geschichte „Das Fintech, das zehn Jahre auf den Durchbruch wartete“ verfasst hatten. Bleibt zu fragen: Was soll das eigentlich? Und warum gehören prominente Namen wie die Commerzbank oder Earlybird plötzlich nicht mehr zum Cap-Table? Die Details: Finanz-Szene.de

Kurzmeldungen

Nachdem die Zahl der Auslandsbanken 2017 und 2018 Brexit-bedingt gestiegen war, ist sie 2019 erstmals wieder zurückgegangen (HB/Paywall) +++ Der Berliner Fintech-Entwickler Finleap gibt seine Anteile am Cyber-Security-Joint-Venture Perseus komplett an Talanx ab (Mitteilung) +++ Das Berliner Private-Equity-Fintech Moonfare hat seine Assets under Management bis Ende 2019 auf mehr als 250 Mio. Euro gesteigert (per Mail) +++ Bei Metzler tritt das Eigengewächs Mario Mattera die Nachfolge des überraschend ausgeschiedenen Kapitalmarkt-Vorstands Michael Klaus an (FAZ/Print)

Leserblog

„N26 dürfte mit der Interchange nicht wirklich Geld verdienen“: Die diese Woche publizierten 2018er-Zahlen des deutschen Vorzeige-Fintechs erregen weiterhin die Gemüter unserer Leser. Dabei wird in Mails an uns über die 6 Mio. Euro „sonstigen betrieblichen Erträge“ (ein Werbekosten-Zuschuss seitens Mastercards? Eine nachträgliche Vergütung seitens Mastercards für das Erreichen bestimmter Umsatzziele?) ebenso wunderbar gefachsimpelt wie über die verblüffend hohen Wertberichtigungen der Smartphone-Bank. Am meisten Freude allerdings bereitete uns die Zuschrift von Herrn E., der – offenbar mit einem tiefen Verständnis für das N26-Geschäftsmodell ausgestattet – die Provisionserträge der Berliner Smartphone-Bank in ihre Einzelteile zu zerlegen versucht. Sehr lehrreich! Voilà: Finanz-Szene.de

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