07/12/18: BayernLB hat EZB am Hals, Das Abacus-Desaster

7. Dezember 2018

Angesichts des oben beschriebenen Kursdesasters sollte zumindest aufmerken lassen, dass die „Financial Times“ gestern Mittag mit der News auf den Markt kam, die Deutsche Bank habe als Korrespondenzbank der unter Geldwäsche-Verdacht stehenden Danske Bank zwischen 2007 und 2015 nicht nur inkriminierte Zahlungen im Umfang von rund 130 Mrd. Euro abgewickelt (wie man bislang dachte), sondern inkriminierte Zahlungen im Umfang von rund 160 Mrd. Euro. Oder anders gesagt: Vier Fünftel aller inkriminierten Zahlungen wurden von der Deutschen Bank abgewickelt. FT (Paywall); Reuters

Zwei Stunden später kamen dann „Bloomberg“ (unter Verweis auf „eine mit der Angelegenheit vertraute Person“) und nochmal anderthalb Stunden später das „Handelsblatt“ (unter Verweis auf das, was Journalisten lustigerweise immer „Finanzkreise“ nennen) mit der Meldung, die Deutsche Bank habe bislang weder in Sachen „Danske“ noch in Sachen „Panama“ irgendwelche Rückstellungen gebildet. Mal angenommen, den „mit der Angelegenheit vertrauten Finanzkreisen“ ging es darum, mit dieser Nachricht die Investoren zu beruhigen – ist das wirklich eine beruhigende Nachricht? Bloomberg, Handelsblatt (Paywall)

Eine interessante Geschichte serviert der BÖZ-Kollege Bernd Neubacher heute Morgen seinen Lesern: Demnach hat die BayernLB schon seit Wochen die EZB im Haus, weil diese sich (in ihrer Funktion als Bafin 4.0) für die Vergütungspraktiken der Münchner Landesbank interessiere. Konkret: für die Saläre für die insgesamt 365 sogenannten Risikoträger des Instituts. Zwei Verteidigungslinien schimmern in dem Artikel durch: 1.) Ist doch nur eine Routineuntersuchung (unser Bauchgefühl: Nein, das ist nicht so). 2.) Die Melange aus parallel zu beachtenden deutschen und europäischen Vergütungsregeln ist eine ziemliche Krux für die armen Banken (unser Bauchgefühl: Diese Klage klingt durchaus plausibel). Börsen-Zeitung (Kurzfassung), Börsen-Zeitung (Langfassung hinter Paywall)

Als autodidaktisch veranlagter Finanzjournalist hat man im Laufe der Jahre natürlich gelernt, dass Bear Market, Bear Stearns und Bearing Point weder verwandt miteinander sind (oder muss es untereinander heißen???) noch verschwägert: Und trotzdem schoss uns dieser billige Gag in den Kopf, als wir gestern (wiederum ausgegraben: vom Kollegen Neubacher) lasen, dass Bearing Point gleich drei Top-Kunden zu verlieren drohe, nämlich die DZ Bank, die Commerzbank und die LBBW. Was man dazu als Hintergrund vielleicht ergänzen sollte: Bearing Point –  das ist die IT-Bude, die mit ihrer eigentlich ganz propperen Meldewesen-Software „Abacus“ seit Jahren den deutschen Markt dominiert, bei der Einführung der neuen Produktversion „Abacus 360“ aber irgendwie (das liest man jedenfalls) so ein bisschen danebengegriffen haben soll. Börsen-Zeitung (Paywall)

So sind wir Fintech-Journalisten: Wenn irgend so ein pseudohippes Berliner Finanz-Startup irgendwas bei Twitter rauspupst, machen wir ’ne große Geschichte draus – wenn hingegen das (gemessen an Mitarbeitern und Umsatz) mutmaßlich größte deutsche Fintech, nämlich die gänzlich unhippe Bertelsmann-Tochter Arvato Financial Solutions, den Chef wechselt, dann kriegen wir es nicht mit. Oder etwas nachrichtlicher formuliert: Der bisherige CEO Frank Kebsch ist gegangen, sein Nachfolger heißt Rolf Hellermann, 42 Jahre, bislang CFO im Board von Arvato. Wann das war? Anfang November.

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