08/09/20: Union Investment, AGV, Arcada, ID Now, Commerzbank, Voba BraWo

8. September 2020

Heißt es nicht immer, unsere Banken müssten sparen, sparen, sparen – und zwar auch und vor allem beim Personal? Nun denn: Der Beschäftigungsrückgang im deutschen Bankgewerbe hat sich jedenfalls 2019 das zweite Jahr in Folge verlangsamt, so die gestern veröffentlichten Zahlen des AGV Banken. Über alle Institutsgruppen hinweg arbeiteten per Jahresende noch 561.450 Menschen im hiesigen Bankengewerbe, das entsprach einem Minus von 10.250 Beschäftigten zum Vorjahr. Zur Einordnung: In den Jahren 2015 bis 2018 hatte der Rückgang jeweils zwischen 13.000 und 23.000 Beschäftigten gelegen. Am stärksten bauten letztes Jahr die Sparkassen ab (minus 4.600), am schwächsten – jedenfalls in absoluten Zahlen – die Landes- und Förderbanken (minus 350). Mitteilung

Wie schön, dass bei der Union Investment auch weiterhin alles in bester Ordnung ist – strukturell und überhaupt. Beispiele gefällig? Wenn herauskommt, dass der Fondsdienstleister des Genossenschaftssektors die versammelten Sparda-Chefs jahrelang zur Luxusreisen eingeladen hat? Dann ging es selbstverständlich nur darum, Raum für Information und fachlichen Austausch außerhalb des Tagesgeschäfts zu bieten. Wenn sich die Union im großen Stil und gegen jede Vernunft mit Wirecard-Aktien verspekuliert? Dann wird so lange gerechnet, bis ein Verlust von lediglich 39 Basispunkten herauskommt. Und wenn ein namhafter Fondsmanager in U-Haft wandert, weil er – sich des guten, alten Frontrunnings bedienend – 9 Mio. Euro (!) ergaunert haben soll? Dann haben selbstverständlich die Sicherungssysteme gegriffen und sind weder Kunden noch die Sondervermögen (…) geschädigt worden. Falls wir den Ironie-Modus mal ganz kurz ausschalten dürfen: Die Union Investment ist ein Finanzdienstleister mit einer ganz hervorragenden GuV. Aber wenn sie kulturell nicht bald mal zwei Gänge hochschaltet, dann könnte man fast auf die Idee kommen, das eine (nämlich der wirtschaftliche Erfolg) habe etwas mit dem anderen (nämlich dem kulturellen Laissez-faire) zu tun. Mitteilung der Union

News

Die Bafin will den Fall des mutmaßlichen Insiderhandels bei der Union Investment „im Hinblick auf etwaige investmentaufsichtsrechtliche Aspekte“ überprüfen. Ironie-Modus ganz kurz wieder an: Da treffen sich die zwei Richtigen. (BÖZ) +++ Nach der ING Deutschland tritt offenbar auch die Comdirect bei der Neukunden-Akquise auf die Bremse. Im Juli und August gewann die Quickborner Direktbank netto nur noch 13.000 bzw. 12.000 neue Kunden, die schwächsten Werte seit langem. (Monatszahlen/Excel) +++ Der Frankfurter Kapitalmarkttechnik-Dienstleister Lucht Probst übernimmt für einen angeblich mittleren zweistelligen Millionenbetrag (!!!) den ebenfalls in Frankfurt ansässigen Regtech-Spezialisten Acarda (BÖZ/Paywall) +++ Die nächste Kandidatin für unsere „Hier kommen die Fintech-Frauen“-Serie: Bettina Pauck, bislang als selbständige Unternehmerin unterwegs, wird COO beim Münchner Identity-Spezialisten ID Now (per Mail) +++ Jan Osenegg ist neuer „Head of Finance“ beim Frankfurter Fintech Traxpay und ersetzt damit – allerdings nur, was die Finanzfunktion angeht – den zur Deutschen Bank abgewanderten Jochen Siegert (eigene Informationen) +++ Die Sparda Hannover fährt bei ihrer letzte Woche verkündeten Kooperation mit dem Einlagenbroker Raisin („Weltsparen“) die semi-aggressive Nummer: Zu französischen und schwedischen Banken werden die eigenen Kunden vermittelt – zu maltesischen, tschechischen oder litauischen Instituten aber lieber nicht. +++ Auch die Sparkasse Berlin hat ihren Yomo-Kunden das Konto gekündigt, und zwar per 30. November (eigene Informationen) +++  Die Volksbank Braunschweig-Wolfsburg kehrt den allgemeinen Industrietrend um — und führt ein kostenloses Standard-Konto ein (per Mail)

Wussten Sie schon?

… dass der Bonus-Pool der Commerzbank laut gestern veröffentlichtem Vergütungsbericht 2019 um über 40% gestiegen ist (danke an den geschätzten „Bloomberg“-Kollege Steve Arons für den Hinweis)? Nun klingt die absolute Zahl nicht so wahnsinnig erschütternd – es geht um 243 Mio. Euro. Und trotzdem: Ist nicht der Gewinn im selben Zeitraum um ein Viertel gesunken? Und sollten Ergebnis und Bonifikationen nicht wenigstens entfernt miteinander korrelieren? Wobei: Vielleicht entwickeln sich die Dinge für die Commerzbank ja längst zum Besseren – und nur wir hier merken’s nicht (der „Behind the curve“-Newsletter Ihres Vertrauens …). Die Coba-Aktie jedenfalls ist seit dem angekündigten Rückzug von Vorstandschef Zielke um 25% gestiegen – während die Anteilsscheine der Deutschen Bank im gleichen Zeitraum 5% einbüßten. Und dann auch noch die Nachricht von der sich abzeichnenden spanischen Großfusion zwischen Bankia und Caixa … da ist es doch nur noch eine Frage der Zeit, bis sich auch für die Coba ein Verehrer findet und die Aktie endgültig explodiert! Und wir hier echauffieren uns über ein paar Bonus-Millionen. Tssssss. Vergütungsbericht 2019

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