09/06/20: ING, McMakler, Flatex, Hypoport, Raisin, HVB, Moonfare, Bux

9. Juni 2020

Wussten Sie schon, dass die ING Diba jetzt gemeinsame Sache mit McMakler macht? Steht so in der „Immobilien-Zeitung„, wie wir gestern Abend entdeckt haben; und die entsprechende Website ist auch schon live. Fragt sich also nur noch, was das eigentlich soll. Die „Immo-Zeitung“ schreibt, durch die neue Partnerschaft werde die größte deutsche Direktbank zum „Finanzierungspartner“ von McMakler, während umgekehrt McMakler zum „Vermittlungspartner“ der ING Diba werde. Klingt für uns nach: Die einen haben die Knete. Die anderen die Objekte. Und da in der Baufinanzierung das eine ohne das andere bekanntlich keinen Sinn macht, wird sich nun also gepaart.

Wie sich in nur drei Monaten Corona-„Krise“ die Gewichte in der deutschen Finanzbranche verschoben haben, erkennt man sehr schön daran, dass die Berliner Kreditvermittlungs-Plattform Hypoport an der Börse mittlerweile mit 2,6 Mrd. Euro (Rekordhoch) veranschlagt wird – und damit jetzt ein gutes Stück mehr wert ist als die beiden klassischen Gewerbeimmobilien-Finanzierer Aareal (1,2 Mrd. Euro) und Deutsche Pfandbriefbank (1,1 Mrd. Euro) zusammen. Von hinten rast derweil der Onlinebroker Flatex heran, dessen Marktkapitalisierung nach imposanter Rally (39% Plus binnen vier Wochen) inzwischen bei erstaunlichen 750 Mio. Euro (auch Rekordhoch) angelangt ist und bei vollzogener Sach-Kapitalerhöhung für die Degiro-Übernahme die Milliardengrenze knacken dürfte. Und als ob das noch nicht reichen würde, kaufen die Flatex-„Insider“ jetzt auch noch wie Bolle eigene Aktien: So haben CEO Niehage, CFO Chahrour und sieben weitere „Insider“ nach unseren Berechnungen in den letzten vier Wochen 40.600 eigene Aktien für 1,4 Mio. Euro erworben. Den anderen Weg gingen übrigens die Hypoport-Vorstände: Dort liquidierten CEO Slabke und Vorstand Gawarecki im Mai Hypoport-Papiere für 16,5 Mio. Euro.

Warum sammelt die Hypo-Vereinsbank (siehe unsere gestrige News-Rubrik) jetzt eigentlich 6-monatige, 12-monatige und 24-monatige Festgelder über die Zinsplattform „Weltsparen“ mit bis zu 0,55% Zins ein? Erster Gedanke in solchen Fällen ist natürlich immer: Hat’s da jemand nötig? Zumal man bei „HVB“ ja gleich an „Unicredit“ denkt und bei „Unicredit“ gleich an „Italien“ und so weiter … Indes: 1.) Die Hypo-Vereinsbank wollte zuletzt keine Einlagen. So wurden besonders große Guthaben laut 2019er-Geschäftsbericht „zum Teil schon ab dem ersten Euro“ mit negativen Zinsen belegt; 2.) Mit der grenzüberschreitenden Liquiditäts-Verschickung ist das ja regulatorisch so eine Sache. 3.) die Unicredit hat (nur) Kunden mit 10.000 bis 50.000 Euro Anlagevolumen im Visier und kann über die Raisin-Plattform mit bereits „geonboardeten“ Kunden Folgegeschäft machen. Wenn die HVB also sagt, es gehe ihr darum, potenzielle Neukunden „zu begeistern“ (und das sagt sie auf unsere Anfrage hin tatsächlich), dann klingt das plausibel. Mal gerechnet für einen 25.000-Euro-Kunden: 0,4% Zins für die 6-Monats-Variante (das ist Fakt), vielleicht noch 0,15% bis 0,2% Provision an den „Weltsparen“-Betreiber „Raisin“ (das ist geschätzt) – macht rund 140 Euro Akquisekosten plus ggf. Abschlussprovision. Passt schon. Zumal die HVB ja neulich auch schon im Neukunden-Fieber war.

News

Die Augsburger Aktienbank steht vor dem Verkauf an den britischen Finanzkonzern FNZ, der sich zuletzt bereits Ebase gesichert hatte (Süddeutsche Zeitung) +++ Die Wirecard-Aktie hat trotz der nachbörslichen Razzia am Freitag gestern 1,7% zugelegt und notiert wieder bei 97,50 Euro +++ Die Commerzbank hat im Rahmen ihres kürzlich angekündigten Emissions-Programms eine erste Nachranganleihe im Volumen von 1,25 Mrd. Euro begeben (Mitteilung) +++ Bei der Comdirect ist die Zahl der Orders im Mai verglichen mit dem Vormonat nochmals um 8% auf „nur“ noch 3,9 Mio. Stück gefallen. Trotzdem weiterhin über dem Vor-Corona-Niveau von 3,4 Mio. Stück im Februar (per Mail) +++  Eigengewächs Frank Heitmann wird neuer Deutschland-Chef der Credit Suisse. Er ersetzt Björn Storim (Finance) +++ Bei der Deka Investment wird Ulrich Neugebauer als Nachfolger Stefan Keitels Sprecher der Geschäftsführung (e-fundresearch) +++ Das Berliner Fintech Moonfare, das kleinteilige Investments in Private Equity ermöglicht, hat einen prominenten Vertriebspartner gefunden – nämlich die Berenberg-Bank, deren Kunden einen direkten Zugang zu den Moonfare-Angeboten erhalten (Mitteilung) +++ Das „European Systemic Risk Board“ empfiehlt, die Dividenden von Banken und sonstigen Finanzunternehmen bis Ende 2020 auszusetzen (PDF) +++ Kein Tag mehr ohne Deutschland-Start eines Auslands-Fintechs. Gestern: der niederländische Kostenlos-Broker Bux mit einem appbasierten Broker. (eu-startups.com)

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